Technik

Frachter auf Irrfahrt im Watt?

Ein 165 Meter langes Schiff hat sich in den kleinen Inselhafen von Langeoog verirrt. Das zumindest zeigt die AIS-Karte. Was steckt dahinter?

Pascal Schürmann am 16.04.2019
AIS Imtech
Marinetraffic.com

Viel zu groß für den kleinen Hafen von Langeoog: Ein Frachter blockiert laut AIS-Karte die Zufahrtsrinne

Am vergangenen Donnerstagabend wurde es mit einem Mal sehr eng im Hafen von Langeoog. Ein mit 165 Meter Länge, 20 Meter Breite und fünf Meter Tiefgang viel zu großes Schiff für das Hafenbecken, in dem selbst bei Hochwasser nur drei bis vier Meter Wasser stehen, machte sich in der Zufahrt zu den Steganlagen breit. Auch der Fähranleger war komplett blockiert. Das berichtet heute das Nachrichtenportal der Insel auf seiner Internetseite, den "Langeoog-News". Sogar über ein U-Boot wurde spekuliert.

Doch anders, als es das entsprechende AIS-Bild glauben machen wollte, war tatsächlich nirgends im Hafen ein Schiff entsprechender Größe zu sehen. Wie aber kam die Fehlinformation zustande?

Da die AIS-Kennung des bei Marinetraffic angezeigten Schiffs nicht nur auf die Firma Imtech in Bremerhaven hinwies, sondern auch mit der Bezeichnung "Test" versehen war, lieferte eine Nachfrage bei der Radio Holland Germany GmbH in Hamburg, zu der die Imtech Marine inzwischen gehört, Aufklärung. Dennis Senge vom technischen Support bei Radio Holland erklärt, dass Geräte, die das Unternehmen an Händler oder Privatkunden verkaufe, teilweise zuvor getestet würden. Beispielsweise zu Demonstrationszwecken oder nach erfolgten Reparaturen. 

Senge: "Da der Einbau und die anschließende Einstellung eines AIS-Gerätes nur durch einen zertifizierten Fachmann erfolgen darf, werden die Geräte, wenn sie unser Haus verlassen, nicht zwangsläufig auf die Werkseinstellung zurückgesetzt. Es steht also zu vermuten, dass ein Bootseigner das Gerät selbst angeschlossen und nicht mit den Daten seiner Yacht versehen hat. Nach dem Einschalten hat das Gerät dann die noch vorhandenen Test-Schiffsdaten ausgesendet."

AIS Imtech2

Zur Kennung "Imtech Brhv Test" werden die Daten der "MS Hansestadt Stralsund" angezeigt – was wohl auch nicht richtig ist

Um solch einen Fehler zu vermeiden, rät Senge jedem Eigner, nach dem Einbau eines AIS-Gerätes die Richtigkeit der übermittelten Daten zu kontrollieren. Entweder, indem man die Daten auf dem eigenen Kartenplotter ablese, falls dieser mit dem AIS gekoppelt sei und die eigenen Schiffssignale anzeige. "Oder aber", so Senge, "man schaut einfach im Internet auf einer AIS-Seite wie Marinetraffic nach, wie das eigene Schiff dort angezeigt wird."

Worauf man bei Kauf, Montage und Einstellung eines AIS-Gerätes achten sollte, haben wir in entsprechenden Artikeln in der YACHT beschrieben. Sie stehen im Download-Bereich zum Abruf bereit (für YACHT-Abonnenten ist dieser Service kostenlos).

   

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Pascal Schürmann am 16.04.2019

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