Mittelmeer

Extrem-Unwetter: der perfekte Sturm für den Mallorca-Rekord

Während an Spaniens Küste und auf den Balearen Weltuntergangsstimmung herrschte, nutzte eine mutige Crew die Chance – sie jagte um die Insel wie niemand zuvor

Uwe Janßen am 28.01.2020
Trifork
Real Club Nautico Palma

Die „Trifork“ kämpft in Extrem-Bedingungen

In der vergangenen Woche wurde das westliche Mittelmeer von einem historisch heftigen Unwetter heimgesucht, dem Sturmtief "Gloria". Die damit einhergehende Sturmflut setzte Spaniens Küste und noch das Binnenland kilometerweit unter Wasser, Häuser und Straßen wurden zerstört, 13 Menschen starben, es kam zu Sachschäden in Millionenhöhe. Die Meteorologen verzeichneten Rekordwerte für Wind und Wellen, selbst in einigen Häfen ging die See mehr als drei Meter hoch. Eine Crew von wagemutigen Profis begriff die Katastrophe als Chance. Sie lief mit dem dänischen VO 70 „Trifork“ aus, um den Rekord für die Inselrunde um Mallorca zu knacken, den seit 2005 die „Uca“ des Kielers Klaus Murmann hielt. Und das gelang spektakulär.  

Die „Trifork“ hatte unter ihrem vorigen Namen „Ericsson 4“ mit Skipper Torben Grael das Volvo Ocean Race 2008/09 gewonnen und dabei einen 24-Stunden-Weltrekord für Einrumpfyachten aufgestellt: 596,6 Seemeilen, das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25,11 Knoten. Der Rekord hielt fast sieben Jahre. Die Yacht hat ihre Qualitäten in Extremwetter also hinlänglich bewiesen.

Trifork

Die „Trifork“ läuft in Weltuntergangsstimmung zum Rekordversuch aus

Gleiches gilt für die Besatzung, die in Palma um 7 Uhr morgens die Startlinie zwischen Portitxol und dem Westdock des Hafens von Palma übersegelte und in den Sturm hinein aufbrach. Neben dem „Trifork“-Eigner Jørn Larsen, einem erfolgreichen IT-Unternehmer aus Dänemark, waren zehn erfahrene Crewmitglieder an Bord, darunter Profis, ausgewiesene Könner, die es auf mehr als 20 Weltumsegelungen bringen. Die jetzige Herausforderung wirkte, was die Strecke betrifft, im Vergleich überschaubar: 175 Seemeilen misst die Inselrunde.

Nach 13 Stunden, 15 Minuten und 17 Sekunden lagen sie achteraus. Phasenweise erreichte die Yacht in Wellen bis zu acht Metern und Wind um die 40 Knoten deutlich mehr als 20 Knoten Geschwindigkeit. Das ist eine phänomenale Bestzeit, eine neue Dimension: Die „Trifork“ war ziemlich genau vier Stunden schneller als die „Uca“ bei ihrer Rekordfahrt vor 15 Jahren.

Trifork

Etwa die Hälfte ist geschafft: die Yacht am Leuchtturm von Capdepera im Nordosten der Insel

Crewmitglied Antonio Cuervas-Mons, der viermalige und Südmeer-erfahrene Weltumsegler, sagte: "Ich hätte nie gedacht, dass diese Bedingungen im Mittelmeer auftreten könnten, aber das Schiff und die Besatzung haben sehr gut reagiert."

Die Leistung der „Trifork“-Crew wird künftig auf einer Tafel im Eingang des Real Club Nautico in Palma gewürdigt. Manu Fraga, der Sportdirektor des Clubs, sagte: „Diese Runde um Mallorca war die spektakulärste in der Geschichte. Es wird extrem schwierig sein, diese Zeit noch zu unterbieten."

Die Sturmfahrt der "Trifork"

Uwe Janßen am 28.01.2020

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