Modern Classics
"Es war richtig schön. Wie immer …"

Insgesamt 51 GFK-Klassiker trafen sich auf der Schlei zum gemeinsamen Segelwochenende. Zur Ostseeperle gekürt wurde ein Hanseat 69

  • Johannes Erdmann
 • Publiziert am 09.09.2013

YACHT / J. Erdmann Eines der ersten Serienboote: Ein Pionier 9 von 1962

"Was unterscheidet eine GFK-Yacht von einem Joghurtbecher?", fragte der Bootsbau-Experte und ehemalige YACHT-Redakteur Martin Krings auf der Bühne im Festzelt und leitete mit diesem Bootsbauer-Witz aus den achtziger Jahren seine Rede über GFK-Yachtbau ein. "Der Joghurtbecher hat ein Verfallsdatum."

Ein Scherz allerdings, der heute nicht mehr funktioniert, "denn wie die Versammlung von 51 Yachten aus den sechziger, siebziger und achtziger Jahren beweist: Die Schiffe sind einfach nicht kaputtzukriegen." Viele haben 40 und mehr Jahre im Kielwasser.

Trotzdem ist es schwierig, bei diesen Booten von "Klassikern" zu sprechen – denn schließlich gibt es hölzerne Yachten, die bereits mehr als hundert Jahre alt sind. Deshalb hat GFK-Bootsliebhaber Martin Horstbrink vor sieben Jahren den Begriff "Modern Classics" begründet und eine gleichnamige Veranstaltung ins Leben gerufen, um die Segler solch früher Vertreter des GFK-Yachtbaus zum Austausch an einen Ort zu versammeln. Am perfekten Revier dafür: der Schlei.

YACHT / J. Erdmann Eine Laurin Koster 32 von 1973

Zum ersten Mal übernahm in diesem Jahr der Delius Klasing Verlag die Organisation des mittlerweile immer größer werdenden Events unter dem allerdings etwas sperrigen Titel "Musto YACHT Modern Classics – powered by Dehler" – denn er bekam dabei Hilfe einiger Partner. Insgesamt 51 Yachten nahmen in diesem Jahr teil, damit elf mehr als im Vorjahr. "Es war richtig schön. Eigentlich wie immer", lauteten die Urteile von Teilnehmern, was zugleich ein großes Lob darstellt. Schließlich ist damit gelungen, aus einer erfolgreichen Veranstaltung, organisiert von Privatmenschen, einen professionell organisierten Event zu machen, der sogar noch weiter ausgebaut werden könnte. Begeisterte Zuschauer auf den Stegen und während des Festabends lassen erwarten, dass die "Modern Classics" im kommenden Jahr noch weitere Zuschauer und Teilnehmer erwarten dürfen.

YACHT / J. Erdmann Auch schon "Modern Classic": Ein H-Boot beim Beidrehen

Wie seit Jahren begann das Treffen am Freitagabend mit dem Eintreffen der Schiffe im Yachtzentrum Kappeln. Nach einem gemeinsamen ersten Abend legte die Flotte am Samstagmittag zur Geschwaderfahrt nach Maasholm ab. Vor dem Hafen gab es – wie in jedem Jahr – einige Geschicklichkeitsspiele zu bestehen und dabei besondere Seemannschaft zu beweisen. Zum Beispiel mussten die Crews einen Aufschießer am Steg fahren und dabei eine YACHT-Ausgabe übernehmen. In der Ausgabe waren die Anweisungen für die nächste Station zu finden, wo das erfolgreiche Beidrehen unter Beweis zu stellen war. Weiter galt es einen Aufschießer in einer durch Bojen markierten Box zu segeln und rückwärts wieder hinaus zu gelangen. Zum Schluss musste noch ein Dummy der DGzRS geborgen werden, der für Mann-über-Bord-Übungen genutzt wird.

Insgesamt 27 Yachten nahmen an den Spielen teil. Der Sieger war ein altbekannter Teilnehmer: Karsten Dreyer hatte alle Spiele einhand bewältigt und überzeugte durch souveränes Handling seiner Bianca 27. Er nahm nicht nur eine Urkunde mit nach Hause, sondern auch einen Chartergutschein für eine klassische Yacht im Mittelmeer.

YACHT / J. Erdmann Sieger der Geschicklichkeitsspiele: Karsten Dreyer

Während sich die Crews nach dem Einlaufen in Maasholm mit Kaffee und Kuchen stärkten, machte sich die Jury, bestehend aus YACHT-Chefredakteur Jochen Rieker, Extremsegler Wilfried Erdmann, Bootsbau-Experte Martin Krings und YACHT-Redakteur Johannes Erdmann daran, alle 51 Schiffe zu besuchen und zu bewerten. Keine leichte Aufgabe, denn natürlich gab es auf jeder Yacht viele Details zu bewundern und Eigner, die erzählen wollten, wie sie zu ihrem Schiff gekommen sind und welchen Aufwand sie treiben, es in Schuss zu halten. Gleichzeitig hatten die Crews die Chance, sich die anderen Schiffe anzuschauen. Auch viele Besucher von außerhalb nutzten die Gelegenheit, sich ins Auge gefasste Yachten im direkten Vergleich anzuschauen und mit den Eigner über Vor- und Nachteile der Konstruktionen zu sprechen.

YACHT / J. Erdmann Modern Classics vor Maasholm

Am großen Festabend schließlich war die Entscheidung getroffen. Doch vor der Vergabe des großen Wanderpreises gab es zunächst, noch weitere Gewinner zu küren. Karl Dehler berichtete aus der Anfangszeiten der Werft, die später durch seine Modelle Varianta, Optima, Delanta und Duetta ein bedeutender Bereiter der heutigen GFK-Klassiker wurde. Besonders die Berichte darüber, wie sein Vater in den frühen sechziger Jahren auf dem Küchentisch erste Versuche mit Harzen und Glasfasermatten durchführte, schlugen die Zuhörer in ihren Bann. Schließlich ehrte Dehler noch die älteste teilnehmende Dehler-Yacht (Varianta 65 "Östersjön"), die am originalsten erhaltene (Delanta 78 "Pinto") und die am besten gepflegte (Optima 92 "Imagine"). Dehler war jedoch nicht nur auf dem Wasser unterwegs – sondern zu den Modern Classics waren auch sieben VW-Bus-Sondermodelle angereist, die in den neunziger Jahren umgebaut worden waren. Interessant zu sehen, wie die Fahrer von Dehler-Optima-Reisebussen zum ersten Mal eine Dehler-Optima-Yacht besichtigten – und umgekehrt.

Schließlich folgte das Highlight, die Prämierung der Hauptpreise für den Zustand der Yacht. Als Schiff, das am meisten Pflege bedarf, bekam die Crew der Victoire 25 "He geiht" den "Schneewittchen-Preis" verliehen – in Verbindung mit einem Beratungstag durch die Firma Vosschemie im Winterlager und einen Gutschein über 250 Euro für Pflegeprodukte.

YACHT / J. Erdmann Schneewittchen 2013: Die Victoire 25 "He geiht" beim Beidrehen.

Als "Ostseeperle" wurde die "Panta Rhei" von Volker und Gaby Bull gekührt: Ein Hanseat 69 KS, der jedoch neben einem anderen Hanseaten kaum als Schwesterschiff zu erkennen wäre – denn er besitzt einen Holzaufbau und ist vollkommen überarbeitet worden und in Bestzustand. Das Eignerpaar hat das Schiff erst vor einem Jahr gekauft, nachdem der Voreigner fünf Jahre daran gearbeitet hat. Zum Wanderpokal haben auch sie einen Chartergutschein für das Mittelmeer gewonnen.

YACHT / J. Erdmann Schleiperle 2013: Die "Panta Rhei"

Der Festabend klang – wie in jedem Jahr – mit einer großen Party und mit gegenseitigen Besuchen in anderen Cockpits aus. Am Sonntagmorgen machten sich die Teilnehmer nach einem gemeinsamen Frühstück auf den Rückweg in ihre Heimathäfen. Nicht jedoch, ohne sich für das nächste Jahr zu verabreden.

In YACHT 22/2013 lesen Sie den ausführlichen Bericht über die Modern Classics 2013.


Lesen Sie die YACHT. Einfach digital in der YACHT-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag

Themen: AnckerHanseat 69Karsten DreyerMaasholmModern ClassicsMusto YACHT modern classicsPionier 9powered by dehlerSchleiVictoire 25

Anzeige