Winterlager
Es geht wieder aufwärts, die Segelsaison naht!

Heute ist der 21.12., der kürzeste Tag im Jahr. Aus diesem Anlass: Betrachtungen einer Mit-Eignerin zum Thema Zwangspause und die Leiden des Winters

  • YACHT Redaktion
 • Publiziert am 21.12.2021
Absehbar: Noch 89 Tage bis zum Frühlingsbeginn – und warum so lange warten? Absehbar: Noch 89 Tage bis zum Frühlingsbeginn – und warum so lange warten? Absehbar: Noch 89 Tage bis zum Frühlingsbeginn – und warum so lange warten?

YACHT/N. Krauss Absehbar: Noch 89 Tage bis zum Frühlingsbeginn – und warum so lange warten?

Vor langer Zeit, als das Boot im Herbst zum ersten Mal aus dem Wasser kam und ich sah, was dabei passierte, da dachte ich: Es wird besser werden. Ganz bestimmt. Er wird sich daran gewöhnen, dass es im Winter nun mal kalt ist und man beim Segeln Frostbeulen bekommt. Und es irgendwann als gegeben hinnehmen. Heute, zwölf Jahre später, weiß ich: Es ist nicht besser geworden. Es wird schlimmer. Und daran wird sich auch in den nächsten zwölf Jahren garantiert nichts ändern. Die Trauerfeier fand wie in jedem Herbst statt. Den Kopf im Nacken, mit bebenden Lippen und in schwarzer Jacke stand mein offensichtlich emotional gebrochener Mann da und schaute gen Himmel, in seinen Augen schimmerten Tränen. „Mach’s gut“, sagte er dann wie stets zu dieser Gelegenheit, und seine Stimme zitterte. In diesem Jahr dachte ich sogar, er würde sich mehrmals bekreuzigen, aber es stellte sich glücklicherweise heraus, dass er lediglich eine Fliege abgewehrt hatte.

YACHT/N. Krauss Man kann sich ja schon mal gedanklich vorbereiten: Warten auf den Frühling

Es ist seit weit über zehn Jahren immer dasselbe: Jedes Jahr im Oktober, sobald das letzte Segel und die letzte angebrochene Flasche Gin von Bord geholt wurde, wird das Boot gekrant und ins Winterlager gebracht. Der Leichenschmaus findet danach in einem Kappelner Restaurant an der Schlei statt. Bei Matjes „mit Hausfrauensoße“ oder Jägerschnitzel beginnt das große Zählen der Tage, was auf einem Bierdeckel dokumentiert wird. „Der Oktober hat noch zwölf Tage, dann November bis mindestens Mitte März“, geht es los, nachdem das erste Pils vertilgt ist. „Das sind 12 Tage plus 30 plus 31 plus 31 plus 28 plus 15.“ Nun kommt ungefragt die Bedienung und bringt ihm einen Klaren. „Das sind 147 Tage.“ Schweigen. „147 Tage.“

Dann steht er auf, wankt Richtung Ausgang, weil er frische Luft braucht, und humpelt dabei wie ein Kriegsveteran, der seit 1945 mit einer schlechtsitzenden Prothese zu kämpfen hat. Ich bestelle derweil Kroketten nach. Die sind hier wirklich gut. Die verbleibenden Oktobertage verbringt mein Mann stets in einer Mischung aus Melancholie – „Weißt du noch, der Sonnenuntergang in Ærøskøbing, als wir vorher mit diesen netten Leuten gegrillt haben? Sie war schwanger, er Lehrer“ –, hilfloser Wut, wenn es nochmal warm wird und er Boote auf dem Wasser sieht – „Nächstes Jahr kommt das Schiff erst im Dezember raus!“– und der Feststellung von Tatsachen, auf die noch nie jemand vorher gekommen ist – „Nach dem Winter kommt ja der Frühling“, „Nach der Saison ist vor der Saison“.

"Wir könnten doch mal zum Boot fahren"– es ist der 1. November

Und da ist diese Trauer. Sie ist nicht gespielt, er kokettiert nicht damit, sie ist zweifellos echt. Um das nachvollziehen zu können, brauchte ich einige Jahre. Vielleicht liegt es daran, dass ich aus dem malerischen hessischen Wetteraukreis stamme. Der liegt nördlich von Frankfurt, und dort gibt es kleine pittoreske Rinnsale, auf denen man zehn Zentimeter lange, gefaltete Papierboote segeln lassen kann. Große Gewässer sind Kiesgruben, Kurteiche und sehr große der Main und der Rhein. Wenn man allerdings auf einer Nordseeinsel geboren wurde und seit dem vierten Lebensjahr segelt, so wie mein Mann, ist der Main eine Pfütze. Und wenn es ginge, würde er nicht am, sondern im Wasser wohnen. Im Winter ist das im Norden Deutschlands allerdings schwierig. Ich verstehe ihn. Es ist schön, auf dem Boot zu sein, es ist toll, am Freitagnachmittag im Hafen vom dänischen Städtchen Sønderborg anzukommen, das zu einer zweiten Heimat geworden ist, den ersten Gin Tonic zu trinken, sich über laute Liegeplatznachbarn aufzuregen und über Männercrews zu lachen, die gegen 22 Uhr und mit vier Promille aufgeblasene Gummipuppen in den Mast ziehen und dabei peinliche Shantys singen, in denen Möwen, das weite Meer und Frauen, die mit weißen Taschentüchern winken, eine tragende Rolle spielen.

Und ja, die Wintermonate sind lang. Aber ich sehe das Ganze nun mal pragmatisch. Er nicht. „Wir können doch heute mal zum Boot fahren“, sagte mein Mann am ersten Novemberwochenende. „Warum sollten wir?“, fragte ich und schaute nach draußen. Es regnete, nein, es stürmte, ich saß in einem Flanellanzug am Frühstückstisch und wollte eigentlich gleich in die Badewanne und dann „Sissi“ schauen. Er sagte: „Ich muss da noch mal was gucken.“ – „Was denn?“ – „Halt was gucken.“ Es endete damit, dass wir in der zugigen, unbeheizten Halle in Kappeln standen und das Unterwasserschiff bearbeiteten.

YACHT/N. Krauss Tiefe Beziehung: Bootsbesuch im Winterlager

Das Thermometer zeigte fünf Grad. Meine braune Handtasche hat seitdem blaue Punkte, und ich nahm eine Blasenentzündung mit nach Hause. Zur Belohnung bekam ich in Kappeln Kroketten. Wenigstens das. Weil die ja wirklich gut sind. Der kühle Herbst hat, wie ich finde, auch schöne Seiten: Man kann durchs feuchte Laub wandern, auf Märkte gehen, Kerzen kaufen und Grog trinken. Letzteres tut mein Mann auch immer um diese Jahreszeit. Und wird von Glas zu Glas trauriger. Viele Menschen freuen sich auf Weihnachten. Er auch: „Dann sind es noch fünf Tage bis Silvester und dann nur noch 74 Tage bis Mitte März.“ „Wir könnten das Boot doch ins Mittelmeer legen, nach Mallorca oder so. Wenn wir früh viele Flüge buchen, kommen wir da günstig hin“, schlug ich ihm zitternd vor, als wir Ende November in der Winterlagerhalle auf dem aufgebockten Boot saßen. „Da ist es auch im Winter halbwegs warm.“

Ich trug drei Schichten Pullover, eine Daunenjacke und Handschuhe, trotzdem waren meine Finger so kalt, dass ich kaum den Becher mit dem auf unserem Spirituskocher erhitzten Glühwein halten konnte. Auf einem Boot etwas weiter entfernt saß ein älterer Herr, der einsam etwas polierte. Er winkte rüber, mein Mann winkte höflich, aber verhalten zurück. „Wenigstens liegt er nicht direkt neben uns, das kann ich nicht leiden“, sagte er dann leise. „Aber zu deinem Vorschlag: Willst du mich eigentlich fertigmachen? Da ist es warm, da kriegt es Osmose.“ Hätte ich doch nichts gesagt. Osmose scheint für alle Segler so etwas wie Krebs im Endstadium zu sein. „Je wärmer die Umgebungsflüssigkeit, desto niedriger die Dichte“, sagte er böse. „Und das Mittelmeer ist wärmer als die Ostsee.“ Meine Füße erstarrten langsam. „Ist ja gut.“ – „Willst du, dass wir Osmose kriegen?“ Wir! „Nein.“ „Als Nächstes schlägst du wohl vor, dass wir das Boot in die Karibik legen. Oder in den Indischen Ozean. Schönen Dank auch. Dann können wir den Blasen beim Wachsen zuschauen. Sag doch gleich, dass du das Schiff verkaufen willst.“ Der Mann auf dem anderen Schiff rief fast weinend herüber: „Das hat meine Frau auch schon gesagt.“

"Ich habe nie eine schönere Außenhaut gesehen!"

Die Frau war mir auf Anhieb sympathisch. „Wo ist Ihre Frau denn?“, fragte ich. Vielleicht könnte ich mit ihr in ein mollig warmes Café gehen und heiße Schokolade trinken. Er glotzte mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Zu Hause natürlich. Es wäre ja eine Zumutung für sie, bei dieser Kälte hier zu sein. Heute wäre übrigens guter Wind, um nach Sønderborg zu segeln“, rief er dann zu meinem Mann, nein, er schrie es. „3 bis 4. Südost! Und das bei der Sonne!“ Ja, die Sonne schien. Aber es war eiskalt. Mein Mann sackte in sich zusammen und sagte mit brüchiger Stimme: „Wie schrecklich. Wollen Sie auf einen Glühwein zu uns rüberkommen?“ Der Nachbar kletterte die am Boot angelehnte Leiter in einer Geschwindigkeit runter, an der sich die Ratten, die aus der dritten Klasse kommend die Flure der sinkenden „Titanic“ entlanggerast waren, ein Beispiel hätten nehmen können. Eine Stunde später waren mein Mann und Hanno Freunde. Aber so richtig gute.

Die Temperaturen stiegen nochmal auf über null, und die beiden polierten und schraubten an den Wochenenden, als ginge es um ihr Leben. Sie übernachteten sogar manchmal auf ihren Schiffen in der Halle. Zu Hause bekam ich aufs Smartphone Fotos von glänzenden Winschen und einer ausgeräumten, grundgereinigten Backskiste sowie eingeöltem Teakholz gezeigt. Interessante, mich intellektuell unfassbar weiterbringende Frage- Antwort-Spiele zu den Fotos fanden statt: „Erkennst du diesen Anker, erkennst du ihn?“ – „Ja.“ – „Diesen Anker erkennst du nicht. Das ist unserer, und sieht er nicht aus wie neu?“ – „Ja.“ „Was sagst du zur Außenhaut, na, was sagst du?“ – „Ich habe nie eine schönere Außenhaut gesehen.“ – „Sieht sie nicht wundervoll aus? Wie neu.“– „Ja, wie neu.“ – „Also ich finde, sie sieht aus wie neu.“ Und so weiter. Ich machte mit, denn ich war sehr dankbar dafür, dass ich nicht mehr in der kalten Halle leben musste. Und auch mein Mann war glücklich.

YACHT/N. Krauss Vielleicht ist ja schon einer unterwegs: Sehnsucht nach der Saison

Andere Paare führen teilweise eine Wochenendbeziehung, wir führten eine Werktagsbeziehung. Es begann die Zeit der Weihnachtsmärkte und des Backens, und diese Zeit liebe ich wirklich. Es gibt nichts Schöneres, als in der Stimmung für einen Hefeteig zu sein, ich mag Lichterketten, schmücke Wohnung und Balkon. Die Vorweihnachtszeit ist für mich stets ruhig, besinnlich, warm und sanft. Ich mag es, wenn es früh dunkel wird – mein Mann bekommt Depressionen. „Ich brauche Johanniskraut. Ja nimmt denn dieser Winter nie ein Ende? Wenn bloß Silvester schon rum wäre.“ „Es dauert ja nicht mehr lange.“ Dann machte mein Mann einen klasse Vorschlag: „Was hältst du davon, Weihnachten mit Hanno und seiner Frau in der Halle auf dem Schiff zu feiern?“ – „Lieber beginne ich eine Affäre mit einem Motorbootfahrer“, sagte ich. Er sah mich kurz prüfend an, um festzustellen, dass ich so etwas nicht übers Herz bringen würde. „Die Weihnachtstage könnten richtig schön werden. Wir würden einen kleinen Baum und einen Heizstrahler aufbauen. Und fürs Fondue braucht man ja keinen Strom, nur Öl und Brennpaste.“ Weihnachtstage? Also nicht nur Heiligabend? Er musste irre sein. Ich sah uns einsam vor dem Fonduetopf sitzen. Vier Menschen in einer riesigen kalten Halle, umgeben von Brot, Soßen und aufgebockten, einsamen Booten. Und ein Heizstrahler, der garantiert umfallen würde. Und das drei Tage lang. Ich sah schon die Schlagzeile: „Tot aus Liebe zum Boot.“ Oder so. „Nein.“ – „Es wäre aber mal was anderes.“ – „Nein.“ Diesmal würde ich hart bleiben.

Irgendwie hatte Hannos Frau meine Telefonnummer herausbekommen. Sie rief mich am nächsten Tag weinend an und bettelte, ich möge die Männer von diesem Plan abhalten. „Ich habe Höhenangst und friere selbst bei 20 Grad. Ich kann das nicht, ich kann das nicht.“ Sie wurde hysterisch. „Wussten Sie, dass unsere Männer mit ihren Booten reden?“ Ich bekam Angst. „Nein.“ „Doch. Letztens habe ich meinen Mann abgeholt, da saßen beide auf Ihrem Schiff, vor sich eine Rumflasche, leer natürlich, und sie tätschelten die Reling. Ihr Mann sagte: ‚Ja, du darfst bald ins Wasser‘, und mein Mann rief zu unserem Boot rüber: ‚Du auch, du auch.‘“ „Vielleicht drehen sie langsam durch“, sagte ich. „Nicht langsam“, erwiderte Hannos Frau. Weihnachten. Ich hatte mich durchgesetzt. Heiligabend war er vormittags in Kappeln, um mit dem Boot zu feiern, aber nachmittags war er wieder da. Mein Mann schenkt immer nette Sachen und nicht phantasielose Dinge wie einen Trockner oder so. Dieses Mal gab es etwas ganz Besonderes: ein Bettelarmband mit lauter kleinen Anhängern dran, die mich verwirrten. „Ja, da staunst du“, sagte er und platzte fast vor Stolz. „Auf die Idee bin ich mit Hanno gekommen.“ Bestimmt bei einer guten Flasche Rum. „Seine Frau bekommt das Gleiche. Wir haben alle Kleinteile vom Boot, die kaputtgegangen sind, gesammelt und zu Anhängern gebastelt. Das da ist eine Delrinkugel aus Schotblöcken, durchbohrt und aufgezogen, das war eine Heidenarbeit, sage ich dir, Hanno hat richtig Augenschmerzen bekommen. Und hier sind zwei kleine Schäkelbolzen, sieht das nicht hübsch aus? Dann, bitte schön: Softschäkel aus Dyneema, Ringsplinte und Federn aus einer Winsch. Das ist doch eine super Idee. Ein Unikat! Freust du dich denn nicht?“ „Doch, doch.“

"Nimm bloß genug Bier mit!"

Ein Trockner wäre auch schön gewesen. A m 2. Januar, ich verpackte gerade die Weihnachtssachen, kam er zu mir. „Ich habe mir Urlaub genommen“, bekam ich erklärt. „Wie toll!“ Das hatte im Januar ja noch nie geklappt. „Wir könnten vielleicht Skifahren gehen oder …“ „Nein, nein, nein, nicht so was. Hanno und ich und noch zwei andere Eigner, die wegen der Wintersaison eine Art Zusammenbruch hatten und die wir trösten mussten, wir bauen in Kappeln ein Zelt in der Halle auf. Dann können wir bequem alles unterstellen. Mit dem Werftbesitzer habe ich gesprochen, alles kein Thema. Wir können wichtige Arbeiten ausführen, optimieren und uns gegenseitig Ratschläge geben.“ „Nimm bloß genug Bier mit“, sagte ich sarkastisch, und er schlug mir auf die Schulter. „Darum wollte ich dich bitten. Kannst du welches im Getränkemarkt besorgen? Hier, da hast du eine Liste. Wir brauchen natürlich einen gewissen Vorrat, und nicht nur Bier.“ Natürlich nicht nur Bier. Am übernächsten Tag zog er los. Der Wagen war vollgepackt bis unters Dach, in einem geliehenen Anhänger standen die Lebensmittel- und Alkoholvorräte. Also eigentlich die Alkoholvorräte. Man hatte sich in einer werftnahen Pension einquartiert, weil es so umständlich war, zum Klo zu kommen, wenn man auf dem aufgebockten Boot schlief. Und ein Eimer war zwar mal für eine Nacht, aber auf Dauer auch keine Lösung. Hannos Frau rief mich an, nachdem Hanno abgefahren war. „Ich war schon kurz davor, mich scheiden zu lassen“, gestand sie mir. „Das ganze Haus voll mit Leinen und Schäkeln und Holz und Lacken. Aber die Scheidung brauche ich jetzt nicht mehr. Die paar Male, wo er zu Hause ist, stört und schmutzt er nicht so viel.“ Ein einziges Mal kam er nach Hause, um neue Kleidung zu holen, danach ging es mit Hanno und den anderen Männern nach Düsseldorf zur boot, dann wieder zurück nach Kappeln.

YACHT/N. Krauss Methadon: Bücher, Filme, Webauftritte, Magazine

Mit „tausend Eindrücken und einer hammermäßigen Deckspolitur“. Einmal bin ich nach Kappeln gefahren, um meinen Mann zu besuchen. Er trug Dreitagebart, ein kariertes Holzfällerhemd, eine Staubmaske, und seine Augen strahlten. „Es ist Ende Januar“, wurde ich begrüßt. „Ja“, nickte ich. „Draußen scheint die Sonne. Wir könnten …“ „Ich baue gerade einen Tritt für dich“, bekam ich erklärt. „Weil du doch immer meckerst, dass du dir die Füße irgendwann mal brechen wirst, weil du beim Anlegen so weit runterhopsen musst.“ „Mein linker Fuß war schon mal gebrochen“, korrigierte ich ihn. „Dann kann der andere ja jetzt nicht mehr brechen“, lautete die Antwort in seiner ihm eigenen Logik. Er sah irgendwie glücklicher aus als an unserem Hochzeitstag. „Komm, ich zeige dir, was wir alles gemacht haben.“ Er zog mich zum Boot, und ich sah mir alles an und sagte natürlich die Worte, die man in solchen Fällen sagt und die ich auch schon sehr oft gesagt hatte: „Wie toll!“ – „Wahnsinn!“ – „Wie hast du das denn gemacht?“ – „Sieht das klasse aus!“ Und er freute sich so sehr. Wir standen vor dem frisch polierten Boot, er nahm mich in den Arm, drückte mich an sich und sagte diesen lieben Satz: „Ich danke dir so sehr, und, das wollte ich dir schon lange mal wieder sagen: Es ist so wunderschön mit dir!“ Da wurde mir ganz warm ums Herz. Und ich dachte: Ach, wie lieb von ihm. E s wird halt so sein wie immer.

"Du musst dich nicht bedanken"

Und wir werden die Zeit rumkriegen wie jedes Jahr. Schon bald werden wir das Boot einräumen und ich mich zum hundertsten Mal darüber beschweren, dass ich wegen dieses verdammten Bugkorbs schlecht aufs Boot komme. Ich werde mich über den neuen Tritt freuen, er wird alles inspizieren, natürlich meckern, so wie immer, und wie immer werden wir dann da sitzen und den ersten Gin Tonic der Saison trinken. Abends werde ich kochen und dann später todmüde in den Schlafsack krabbeln, um glücklich einzuschlafen, weil das sanfte Schaukeln, die Behaglichkeit und der Geruch des Boots mit nichts, aber auch nichts zu vergleichen ist. Zwei Wochenenden später wird mein Mann das Boot bei hoffentlich gutem Wind nach Sønderborg überführen, ich werde mit dem Auto vorausfahren, den Hafenmeister begrüßen, nach dem Liegeplatz schauen und mir dann, bevor ich zum Strand gehe, um aufs Meer zu gucken, bei Conny im Hafenkiosk einen Cheeseburger zubereiten lassen. Mit Pommes natürlich. Die sind da wirklich gut. Nun sagte ich fast glücklich, aber auf jeden Fall dankbar: „Du musst dich nicht bedanken. Das ist nun mal dein Leben. Und ich finde es auch schön mit dir.“ Ich strahlte ihn dabei an. Mein Mann sagte: „Äh, ich habe wohl laut gedacht. Ich meinte natürlich das Boot.“

Die Glosse von Steffi von Wolff erschien in YACHT 5/2015


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