Beneteau übernimmt Seascape

Erste Wegmarke für die Erneuerung der First-Reihe

Weltmarktführer Beneteau steigt bei der schnell wachsenden slowenischen Werft ein. Deren trailerbare Boote bilden künftig die Basis des kommenden Sportprogramms

Jochen Rieker am 11.07.2018
Die Seascape 24
YACHT/N.Günter

Seascape 24 – künftig Teil von Beneteau First-Reihe

Die Mitteilung an die Finanzwelt, die Beneteau gestern Abend verschickte, mag auf den ersten Blick verwundern. Was will die größte Werft der Welt, die weit über eine Milliarde Euro Umsatz schreibt, mit einem 4,2-Millionen-Winzling? Und wieso begibt sich Seascape, bekannt für ihre ebenso schnellen wie unkonventionellen Boote, in die Arme eines Riesen?

Tatsächlich gibt es für beide Partner gute Gründe für die Hochzeit. Der wesentliche: Mit Seascape beginnt Beneteau den schon vor gut zwei Jahren beschlossenen Neuaufbau der legendären First-Reihe. Diese ist eine Herzensangelegenheit von Madame Roux, bis heute die Grande Dame des Weltmarktführers.

Mit den Modellen der sowenischen Werft, bereits drei Mal für Europas Yacht des Jahres nominiert und zwei Mal Titelträger, legen die Franzosen gewissermaßen einen Senkrechtstart hin. Denn die Seascape 14, 18, 24 und 27 bilden künftig die Basis des Performance-Cruiser-Programms von Beneteau. Was indirekt schon eine Ansage beinhaltet: Die Produktverantwortlichen um Geschäftsführer Gianguido Girotti lösen sich von der bisher eher konservativen Ausrichtung der First-Linie und gehen neue Wege.

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Mini-erprobt: Kristian Hajnsek und Andraz Mihelin 

Insofern sind auch das Knowhow und die Ideen der Sescape-Gründer Andraz Mihelin und Kristian Hajnsek von hoher Relevanz für Beneteau. Denn die beiden ehemaligen Mini-Transat-Segler bringen reichlich Erfahrung vom extremen Ende des Hochseesports mit. Insofern wäre es eine Überraschung, wenn die First-Entwicklung nicht zu hoch performanten Entwürfen führen würde.

Nach YACHT-Informationen arbeiten beide Seiten bereits an einem neuen Modell um oder über 30 Fuß, das die DNA der bisherigen Seascapes mit einem höheren Maß an Komfort und Ästhetik verbinden soll – gewissermaßen die Schnittstelle zwischen den trailerbaren Booten und dem, was künftig bei First noch alles folgen soll. 

Kein Wunder also, dass Groupe-Beneteau-Chef Hervé Gastinel in seiner Mitteilung an die Finanzpresse von einer "wichtigen Entwicklung" sprach.

Hier die Ankündigung der Groupe Beneteau vom 10. Juli im Original-Wortlaut

Am 9. Juli 2018 übernahm die Groupe Beneteau das slowenische Unternehmen Seascape d.o.o., spezialisiert auf Entwicklung, Bau und Vermarktung von Performance-Segelbooten. Diese Akquisition steht im Zusammenhang mit der Strategie, das Produktangebot der Gruppe mit dem "Transform-to-Perform"-Plan zu erweitern. Sie wird die Weltmarktführerschaft der Gruppe bei Einrumpf-Fahrtenbooten noch stärken, indem sie Performance-Cruiser mit einschließt. Seascape bietet derzeit vier Modelle an, von 4,30 bis 8 Meter, und machte 2017 4,2 Millionen Euro Umsatz.

Aufgrund ihres innovativen Designs und ausgefeilter Ergonomie verbinden diese erschwinglichen Performance-Segelboote viel Spaß und Geschwindigkeit mit leichter Bedienung und einfacher Transportfähigkeit. Sie bieten multifunktionale und anpassungsfähige Designs, die eine Bandbreite an Segelprogrammen ermöglichen – von Regatten über Törns mit der Familie bis hin zu Flottillen-Events.

Durch die Akquisition ist die Groupe Beneteau in der Lage, eine speziell ausgerichtete Auswahl an kleinen Segelbooten für Einsteiger wie für Enthusiasten anzubieten – oft jüngere Menschen, die zum ersten Mal Eigner sind. Seascape wird vom Tag der Übernahme in den Geschäftsbereich der Gruppe integriert.  

Jochen Rieker am 11.07.2018

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