Piraterie
Erneut Segler von Terroristen entführt

Nach Geiselnahmen indonesischer Crews verbietet Regierung, zu den Philippinen zu segeln. Künftig soll das Militär Yacht-Konvois begleiten

  • Pascal Schürmann
 • Publiziert am 15.07.2016

Janßen, Uwe

Bereits am vergangenen Wochenende sind drei indonesische Segler in den Gewässern vor Malaysia entführt worden. Bewaffnete Männer hätten sich mit einem Speedboot der Yacht genähert, die Crewmitglieder als Geiseln genommen und sie auf eine der südlichen Inseln der Philippinen verschleppt. Die islamistische Terrorgruppe Abu Sayyaf, die dort seit Jahren ihr Unwesen treibt, hat sich kurz danach auch zu dieser Entführung bekannt.

In diesem Jahr sind bereits 24 indonesische Seeleuten sowie mehrere Segler aus Malaysia entführt worden. Nur 14 der Geiseln kamen bislang wieder frei, die restlichen befinden sich weiterhin in der Hand der Entführer.

Jedes Mal stellten die Geiselnehmer hohe Lösegeldforderungen. Indonesiens Regierung, die Lösegeldzahlungen kategorisch ablehnt, griff angesichts des erneuten Entführungsfalls nun zu drastischen Mitteln: Sie verhängte ein Verbot für einheimische Yachten, zu den Philippinen zu segeln.

Begleitschutz durch Kriegsschiffe

Indonesiens Verteidigungsminister Ryamizard Ryacudu erklärte nun jedoch gegenüber der Nachrichtenagentur AFP , dass man künftig die Segelrouten zwischen Indonesien, Malaysia und den Philippinen sicherer machen wolle. Seit Mai bemühen sich die drei Staaten, eine gemeinsame Strategie zu finden, um dem anhaltenden Terror in der Region Einhalt zu gebieten.

Bis eine Lösung gefunden ist, plant Minister Ryacudu, künftig nur noch Konvois zu erlauben. Mindestens zehn Boote sollten sich jeweils zusammenschließen. Diese würden dann in den Hoheitsgewässern der drei Staaten von Schiffen der jeweiligen Kriegsmarine begleitet.

Entführer gehen mit äußerster Brutalität vor

Angesichts der unsicheren Lage ist auswärtigen Crews dringend davon abzuraten, Kurs auf die betroffenen Gewässer zu nehmen. Die Terroristen agieren extrem brutal. Sie scheuen nicht davor zurück, ihre Geiseln zu ermorden, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Erst Ende April ist der kanadische Segler John R. nach monatelanger Geiselhaft auf grausame Weise getötet worden – und wenige Wochen später vermutlich auch sein Landsmann Robert H. Die beiden waren im September 2015 aus einem Marinaresort von Anhängern der Abu Sayyaf entführt worden. Auch die Regierung Kanadas weigert sich strikt, Lösegelder für im Ausland entführte Landsleute zu zahlen.

Bereits ein Jahr zuvor, im April 2014, ist ein deutsches Skipperpaar , das ebenfalls im Süden des Landes unterwegs war, von Abu-Sayyaf-Terroristen verschleppt und ein halbes Jahr lang in Geiselhaft genommen worden. Und schon im Jahr 2000 waren die Philippinen im Zusammenhang mit der Entführung der Göttinger Familie Wallert in die Schlagzeilen geraten.


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