Weltumsegelung

Erdmann spricht über Lüchtenborg

Erstmals äußert sich der einzige deutsche Nonstop-Weltumsegler

Johannes Erdmann am 22.01.2010

Wilfried Erdmann bei der Rückkehr von seiner Nonstop-Weltumsegelung 2001

Während andere Segler in den Medien Lüchtenborgs Betrug kommentierten, verlor Wilfried Erdmann als höchste Instanz der deutschen Einhandsegler kein Wort darüber. Jetzt veröffentlichte er einen Kommentar.

Darin äußert er sich zur allgemeinen Kritik an Lüchtenborgs vorgegaukelten Nonstop-Segelreise. Auslöser sind die vielen Mitteilungen, die sich bereits in Erdmanns Postkasten gesammelt hatten: "Themen, die nicht schmecken." Denn er möchte sich nicht in den Kreis der Kritiker und Mahner einreihen. Er, der dafür bekannt ist, in der Vergangenheit noch nie ein schlechtes Wort über einen Seglerkollegen verloren zu haben, schreibt: "Mir ist die einhellige Verurteilung zu einfach. Er tut mir leid."

Ferner macht er sich in seinem Kommentar auf die Suche nach den Hintergründen: "Er (Lüchtenborg) segelte vermutlich in Abgründe, die bisher niemand vor ihm auf einer Nonstop-Route erlebte. Allein der Zwiespalt, als Nonstop-Segler zu starten, es jedoch nicht vorzuhaben, nonstop und allein unterwegs zu sein, muss ihn förmlich zerrissen haben."

Neben der öffentlichen Kritik am Verhalten Lüchtenborgs gegenüber seinen Sponsoren und seiner Ehefrau, die einen Großteil der "Horizons" finanziert haben soll, war vor allem immer wieder angeprangert worden, dass es für die nächsten Segler, die eine solche Reise planen, sehr viel schwerer werden wird, Sponsorengelder aufzutreiben — nachdem Lüchtenborgs Partner so vor den Kopf gestoßen worden sind.

Wilfried Erdmann findet die Tatsache "bedauerlich", dass sich seine erste Nonstop-Fahrt im Juni zum 25. Mal jährt und es seitdem kein anderer deutscher Segler geschafft hat, ohne Stopps die Welt zu umrunden. Seiner Ansicht nach sind eben die fehlenden Sponsoren und wenig allgemeine Anerkennung die Ursachen dafür: "Vielen, die sich bei mir über die Jahre gemeldet und Informationen eingeholt haben ... hat es an Schiffen gefehlt, an den vermeintlich richtigen Schiffen. Und bei fast allen fehlte Geld. Der Teufelskreis: zu wenig Geld, kein gutes Schiff, keine Nonstop-Fahrt."

Dennoch sieht Erdmann Lüchtenborg und sein Projekt als Glücksfall für den deutschen Seesegler an: "Seine bisherige Fahrt hält uns einen Spiegel vor, macht uns die Gefahren bewusst und zeigt auf, dass einige Segler diese Südpolarroute unterschätzen, denn harmlos ist sie sicher nicht."

Kurzum: Sein Beispiel beweist, dass eine Nonstop-Weltumsegelung nichts für naive Segler mit labiler Psyche ist. Das Südpolarmeer ist rau, die lange Einsamkeit nicht für jeden zu ertragen. Erdmann schreibt darüber: "Jeder Mensch reagiert anders. Und es soll auch schon vor Lüchtenborg Segler gegeben haben, die ausbüchsten — vor den Gewalten des Südmeeres, dem Alleinsein und der unendlichen Zeit."

Der ganze Kommentar kann auf Wilfried Erdmanns Website nachgelesen werden.

Im YACHT 4/10 lesen Sie außerdem einen Artikel über die Reaktionen, die Lüchtenborgs Betrug in der Öffentlichkeit ausgelöst hat.

Johannes Erdmann am 22.01.2010

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