ARC-Blog

Ende und Anfang

Freitag, der 13., wurde für die Crew der "Moana" zum Glückstag – das Ziel St. Lucia war erreicht. Wie es jetzt weitergeht? Ein letzter ARC-Blog von Bord

Pascal Schürmann am 16.12.2019
Moana ARC 2019
M. Guhr/magsail.de

"Moana" auf den letzten Meilen bis zum Ziel

ARC-Blog Nr. 12

Die letzten Meilen sind weniger zäh als erwartet. Um uns herum ziehen zwar dunkle Fronten auf, aber wir bleiben ausnahmsweise trocken. Die angesagten Gewitter halten sich fern, und auch der Windwinkel ins Ziel ist ein gnädiger Anlieger statt einer mühsamen Kreuz.

Wie ein großer Blumenstrauß streben mit uns mehr als ein Dutzend Yachten auf St. Lucia zu, und wir entdecken auf dem AIS plötzlich weit entfernt geglaubte Boat Buddies. Das beste aber: Wir dürfen am Freitag den 13. mittags um 13.30 Uhr im Hellen über die Linie fahren!

Moana ARC 2019

Das Wettbüro mit den geschätzten Ankunftszeiten an Bord

Nicht nur unser Wetterrouter hat unsere Ankunft bereits eine Woche vorher fast genau vorhergesagt. Auch Crewmitglied Norbert hatte den richtigen Riecher fürs Timing und liegt ganz vorne im "Moana Wettbüro". Für mich ist es ein völlig neues Erlebnis, die Insel mal von der Ostseite bei Licht zu sehen.

Im Ziel bricht Jubel aus, Segelfreund Wolfgang von der "YavasYavas" kommt uns mit dem Dingi entgegen, und am Steg werden wir vom ARC-Committee mit Rumpunsch und Früchtekorb begrüßt. Wir genießen es, da zu sein. Begreifen, dass wir es geschafft haben. Ohne Verletzungen, ohne große Havarien, ohne echte technische Probleme, ohne Streit, ohne Mangel an Diesel, Wasser oder Proviant.

Für mich ist es die erste ARC, bei der ich nicht in den Mast muss, um irgendetwas zu klarieren. Die erste ARC ohne Ausfall des Autopiloten, auch wenn wir bei Starkwind oft selbst gesteuert haben.

Wir alle haben unsere Grenzen getestet, Toleranz geübt, Geduld gebraucht, sind gemeinsam fast 3000 Meilen gesegelt und haben viele schöne Erlebnisse geteilt. Nur wir und das Schiff. Das ist nun vorbei. Schnell gehen alle Handys wieder an, und jeder ist in seinem Kosmos verschwunden, telefoniert nach Hause, berichtet von der Ankunft.

Moana ARC 2019

Gute Stimmung in der Crew

Ich kenne das schon und bin nicht überrascht. Aber es ist dennoch bemerkenswert, wie rasant eine Crew wieder in ihre Einzelteile zerfällt.

Plötzlich sind da wieder andere Menschen um uns herum und jede Menge Geschichten! Von Manfred Kerstan, der mit seiner "Albatros" weit vorn segelte, bis sein Spibaum brach und er kein buntes Segel mehr setzen konnte. Von dem führenden Katamaran "Allegra", der wegen eines verletzten Cremitgliedes kurz vor St. Lucia das Rennen abbrach, um Martinique anzulaufen. Von unseren Stegnachbarn "BriZo", die drei Tage lang motort sind, weil kein Wind war. Oder von der "Blue Moon", die mit beschränkter Steuermöglichkeit ins Ziel gehumpelt ist.

Das erste Schiff der diesjährigen ARC, die TS5 "Hallucine", war eine ganze Woche vor uns da!

Moana ARC 2019

Entspanntes Passatsegeln geht anders. Es war eher eine anspruchsvolle Überfahrt

Und dann ist da noch all das, was in der Zwischenzeit auf unserem Planeten passiert ist und wir nicht mitbekommen haben. Außerdem sind wir ja soeben in der Karibik gelandet. Gleich am ersten Abend geht es daher zur legendären Jump Up Streetparty nach Gros Islet nebenan: Lautsprecher bis zum Himmel, Rhythmus bis zum Umfallen und dazu Rumpunch und Saftiges vom Grill – Karibik pur und ein großer Spaß trotz Müdigkeit.

Irgendwann aber freuen wir uns dann doch auf die erste Nacht ohne Unterbrechung. Durchschlafen! Was für ein Luxus!

Täglich trudeln nun weitere Schiffe ein, jedesmal ein großes Begrüßungshallo. Der Hafen füllt sich, und spätestens zur Siegerehrung am 21. Dezember sollten alle Schäfchen im Trockenen sein. Meine Crew wird sich dann auf den Heimweg machen, und die nächsten Mitsegler kommen an Bord, um zum Weihnachtstörn zu starten. Schließlich ist für mich das Ende der Atlantiküberquerung gleichzeitig der Beginn meiner Karibiksaison. Und die wird großartig!

Die Skipperin

Mareike Guhr, Segelsportjournalistin, Buchautorin und Weltumseglerin, ist zu ihrer nächsten großen Reise gestartet. In diesem Sommer hat sie mit ihrem Katamaran "Moana" das Mittelmeer durchquert und sich auf den Weg zu den Kanaren gemacht. Von Las Palmas di Gran Canaria aus segelt die Hamburgerin derzeit mit Gästen an Bord im Rahmen der Atlantic Rally for Cruisers (ARC) über ihren "Hausozean", wie sie den Atlantik nennt.

Und das nicht nur zum Vergnügen, sondern auch, um sich um ihr Hilfsprojekt zu kümmern. Mit ihrem Verein "Island Child Care" versorgt Guhr Kinder auf Inseln in Drittweltländern, die am besten mit dem Schiff erreichbar sind.

Mehr Infos zum Törn und zum Boot finden sich auf Guhrs Website.

Pascal Schürmann am 16.12.2019

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