Lotsenschoner "No. 5 Elbe"

"Elbe 5"-Havarie: Zwischenbericht der Seeunfalluntersucher

Eine der aufwändigsten Untersuchungen seit Bestehen der BSU konnte aufgrund der Corona-Krise nicht binnen Jahresfrist fertiggestellt werden. Der Zwischenbericht

Lasse Johannsen am 08.06.2020
Elbe No5 Klassiker Refit Stiftung Hamburg Maritim 2016 PR_Klaus Braasch P1060173
Stiftung Hamburg Maritim/K. Braasch

Viel Aufschluss über die heiß diskutierte Frage, welche der gemachten Fehler, die zu der tragischen Havarie geführt haben, schwerer wiegen, kann der kurze Zwischenbericht naturgemäß nicht geben. Die Lektüre ist gleichwohl interessant. In der Zusammenfassung heißt es:

Unfallzwischenbericht

Unfallzwischenbericht

Am 8. Juni 2019 13:54 Uhr kam es auf der Elbe in Höhe Stadersand zu einer Kollision zwischen dem unter der Flagge Zyperns fahrenden Containerschiff "Astrosprinter" und dem deutschen Traditionsschiff "No. 5 Elbe". Der Segler hatte gerade eine Wende vollzogen, um nach Hamburg zurück zu fahren, als sich zwei Segel losrissen. Während die Besatzung damit beschäftigt war, diese Segel unter Kontrolle zu bekommen, wurde es versäumt, die Fahrwasserseite  der eigenen Fahrtrichtung entsprechend zu wechseln. So fuhr "No. 5 Elbe" erst knapp an der ihr entgegenkommenden "Hanna" vorbei und kollidierte dann mit der "Astrosprinter".

An Bord des ehemaligen Lotsenschoners, der mit 15 Mann Besatzung und 28 Fahrgästen besetzt war, wurden acht Personen überwiegend leicht verletzt. Im weiteren Verlauf des Geschehens konnte "No. 5 Elbe" aus eigener Kraft mit  Unterstützung des DLRG-Bootes "Kiek Ut" noch die nahe Mündung der Schwinge erreichen, ehe sie dort kurz vor der Pier auf Grund fest kam und versank. Alle Personen konnten durch den glücklichen Umstand, dass Rettungskräfte der Freiwilligen Feuerwehr Stade und der DLRG bereits vor Ort waren sowie der Tatsache, dass sich das Fahrzeug in geschützten Gewässern befand, rechtzeitig geborgen werden.

Bereits um 14:30 Uhr erreichte die WSP den Bereitschaftshabenden Untersucher der BSU, um den Seeunfall zu melden. Mit diesem Moment begann eine der aufwändigeren Untersuchungen der BSU. Neben den standardisierten Vorgängen wie der Befragung aller in diesem Fall überdurchschnittlich vieler Zeugen, dem Auslesen und Auswerten elektronischer Aufzeichnungen (aus dem VDR oder von derVkZ) wurde zahlreichen weiteren Fragestellungen nachgegangen, wie den schiffbaulichen Aspekten des Traditionsseglers. 

Aufgrund des Umfangs und der Beschränkungen durch die Corona-Krise konnte der Bericht nicht innerhalb der Jahresfrist veröffentlicht werden. Der Entwurf ist jedoch fertig gestellt und befindet sich derzeit bis zum 24. Juni 2020 in der Anhörungsphase. Nach dem Eingang der Stellungnahmen ist vorgesehen, den endgültigen Bericht im Juli/August 2020 zu veröffentlichen.

Hier geht es zum vollständigen Untersuchungszwischenbericht.

Lasse Johannsen am 08.06.2020

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