ARC-Blog

Eins, zwei, drei – und los!

In diesem Jahr segeln fast 300 Yachten mit der Atlantic Rally for Cruisers gen Karibik, darunter die "Moana" von Weltumseglerin Mareike Guhr. Ihr Blog von Bord

Pascal Schürmann am 21.11.2019
Moana auf ARC-Kurs
M. Guhr/www.magsail.de

Mareike Guhr auf Kurs Karibik

Mareike Guhr, Segelsportjournalistin, Buchautorin und Weltumseglerin, ist zu ihrer nächsten großen Reise gestartet. In diesem Sommer hat sie mit ihrem Katamaran "Moana" das Mittelmeer durchquert und sich auf den Weg zu den Kanaren gemacht. Von Las Palmas di Gran Canaria aus segelt die Hamburgerin nun mit Gästen an Bord im Rahmen der Atlantic Rally for Cruisers (ARC) über ihren "Hausozean", wie sie den Atlantik nennt.

Und das nicht nur zum Vergnügen, sondern auch, um sich um ihr Hilfsprojekt zu kümmern. Mit ihrem Verein "Island Child Care" versorgt Guhr Kinder auf Inseln in Drittweltländern, die am besten mit dem Schiff erreichbar sind.

Während etwas mehr als 90 Boote mit der ARC-plus bereits vor zwei Wochen gestartet waren, um auf dem Weg in die Karibik erst noch einen Zwischenstopp auf den Kapverden einzulegen, wird es für die verbliebenen knapp 200 Nonstop-Crews am kommenden Sonntag ernst. Dann erfolgt der Start zu der 2700 Seemeilen langen ARC-Strecke von Gran Canaria nach St. Lucia.

Guhr startet mit sechsköpfiger Crew in der Multihull-Division. "Wir wollen keine Rekorde aufstellen, aber natürlich so schnell und so sicher wie möglich in der Karibik ankommen", sagt die 51-jährige Skipperin. Auch auf ihren anschließenden Etappen nimmt die leidenschaftliche Seglerin wieder Gäste mit an Bord.

Moana auf ARC-Kurs

Die "Moana", ein Kat vom Typ Nautitech 47, von Mareike Guhr

Ihre "Moana" ist ein Katamran vom Typ Nautitech 47 aus dem Jahr 2009. Ihn hatte die Skipperin erst in diesem Jahr in Griechenland gekauft, einem umfangreichen Reift unterzogen und für große Fahrt ausgestattet. Mehr Infos zum Törn und zum Boot finden sich auf Guhrs Website.

Über die anstehende Atlantikpassage und die Teilnahme an der Atlantic Rally for Cruisers berichtet Mareike Guhr ab sofort regelmäßig auf YACHT online.

Hier ihr ARC-Blog Nr. 1:

Wenn das kein gutes Zeichen ist: Wir haben die Startnummer 123 erwischt! Die passt, wo das hier doch meine einszweidritte ARC sein wird. Ich sitze am Steuerstand, gucke über Schiff und Steg und versuche einen Moment durchzuatmen.

Moana auf ARC-Kurs

Delphine begleiten die Crew auf dem Weg nach Gran Canaria

Ein bisschen merkwürdig fühlt es sich schon an, neben der schönen Startnummer die US-Flagge am Heck wehen zu sehen. Aber da muss ich nun durch. Erst im kommenden Jahr kann ich umflaggen und endlich Hamburg ans Heck schreiben. Freue mich schon darauf, und manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass ich dann auch erst zur Ruhe kommen werde.

Noch geht es eh hektisch zu. Auf dem Ponton Sierra im Hafen von Las Palmas, vor allem aber bei uns an Bord herrscht emsiges Treiben. Last-Minute-Reparaturen, riesige Proviant-Einkäufe, die verstaut werden wollen, Set-up der Satellitenverbindung und und und. Ich hatte meine Crew vorgewarnt, dass es wenig Langeweile geben würde in der Vorstartwoche. Nun wissen sie, wovon ich gesprochen habe.

Moana auf ARC-Kurs

Abendstimmung auf See

Die Sicherheitsabnahme des Schiffes zieht sich hin, da ein Kabel fehlt und wir auch das Grabbag noch vorbereiten müssen. Gerade streikt der Kühlschrank, was besonders passend ist, da wir eben erst etwa zehn Kilo Käse und Schinken geordert haben. Wohin damit, bis das Teil wieder läuft? Wir haben nur noch drei Tage Zeit für die Reparatur. "Besser der Kühlschrank muckt jetzt als mitten auf dem Atlantik", meint Mitsegler Basti trocken. Recht hat er.

Aufgrund des Sturms, der während der letzten zwei Wochen die Kanaren heimgesucht hatte, ist vieles in Verzug geraten, nicht nur bei mir. Einige Schiffe haben es gar nicht bis nach Las Palmas geschafft. Nun aber herrscht Flaute.

Moana auf ARC-Kurs

Mareike Guhr auf ihrer "Moana", die sie 2019 gebraucht gekauft und für die Langfahrt fit gemacht hat

Am Samstag kam pünktlich als Geburtstagsgeschenk der brandneue Parasailor an, den wollen wir endlich ausprobieren. Hoffentlich kommen wir morgen auf einen Probeschlag raus. Tanken müssen wir auch noch dringend, denn wenn am Starttag alle 190 Schiffe, die mit uns an die Linie wollen, erst noch tanken fahren, wird es eng.

Noch aber ist an Losfahren nicht zu denken. Überall liegt Werkzeug herum, der Rigger hat gerade erst seinen Job im Mast beendet und mir neue Fallenscheiben eingebaut. Meine Crew präpariert noch schnell das Vorluk, um das neue Segel smooth setzen und bergen zu können. Ich bin gespannt, zumal wir die Einzigen der Flotte sein werden, die einen Parasailor vom neuen Design fahren. Hoffentlich passt alles. Die Umlenker, meine geliebten Loopblöcke, sitzen schon mal Probe!

Vor allem aber brauchen wir ein bisschen Wind. Nach all dem Sturm, der "Moana", als sie noch in Lanzarote lag, mit einer unglaublichen Sandschicht überzogen hat, scheint es sich nun ausgeweht zu haben. Auf dem Atlantik macht sich ein großes Flautenloch breit. Wir unken schon und packen noch ein paar Snickers mehr ein – falls es doch länger dauern sollte...
 

Moana auf ARC-Kurs

Flaggenparade bei der offiziellen Eröfnungszeremonie der ARC 2019 im Hafen von Las Palmas di Gran Canaria

Pascal Schürmann am 21.11.2019

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