Havarie auf der Ems
Einhandsegler geht über Bord – und kann an Land schwimmen

Unfall mit glücklichem Ausgang: Am Samstag ging der Skipper einer Etap 26 auf der Ems über Bord. Nach zweistündigem Schwimmen erreichte er die Küste

  • Kristina Müller
 • Publiziert vor 2 Jahren
Niederländische Rettungskräfte leiten den Sucheinsatz nach dem Skipper, nachdem sein Boot treibend gesichtet wurde Niederländische Rettungskräfte leiten den Sucheinsatz nach dem Skipper, nachdem sein Boot treibend gesichtet wurde Niederländische Rettungskräfte leiten den Sucheinsatz nach dem Skipper, nachdem sein Boot treibend gesichtet wurde

KNRM Eemshaven Niederländische Rettungskräfte leiten den Sucheinsatz nach dem Skipper, nachdem sein Boot treibend gesichtet wurde

Es sollte ein schöner Tagestörn zu Saisonbeginn werden, am vergangenen Samstag auf der Ems zwischen Emden und dem niederländischen Eemshaven. Doch es wäre beinahe zu einem Törn geworden, von dem Skipper Jens Wilken nicht mehr zurückgekommen wäre.

Auf der Osterems auf Höhe des Dukegat vor Eemshaven geht er über Bord. Und das nicht genug: Wilken segelt allein. Niemand ist noch an Bord der Etap 26, der ihm zurück aufs Boot helfen könnte.

privat/ J.Wilken Der Skipper auf seiner Etap 26 im Heimatrevier vor der ostfriesischen Küste

Dabei war der Törnplan für den Tag simpel, der Wind frisch, die Sicht klar. Mit dem ablaufenden Wasser hatte der Skipper am frühen Morgen Emden verlassen, um mit der Tide die Ems hinabzusegeln und später mit dem auflaufenden Wasser zurück Richtung Heimathafen zu fahren. Doch als er umkehren will, auf Höhe des Fahrwassers zur Osterems bei Tonne O48, kommt die Fockschot unklar und löst sich vom Segel.

Wilken, der Rettungsweste samt Schrittgurt trägt, pickt sich mit der Lifeline in das gespannte Strecktau ein, schaltet den Pinnenpilot ein und geht aufs Vorschiff, um die Schot wieder anzuschlagen. Das Schothorn schlägt, "dann fiel eine Bö ein, und statt das Segel sofort loszulassen, habe ich es festgehalten. Es hat mich über Bord gezogen, und ich war im Wasser neben dem Boot", erzählt Jens Wilken im Interview mit der YACHT.

privat/ J.Wilken Die Etap 26 "Seute Deern", hier auf einem früheren Törn, im Hafen von Juist. Die niederländische KNRM schleppte sie nach Delfzijl 

KNRM Eemshaven Das Boot im Hafen von Delfzijl

Die Lifeline hält ihn noch am Boot, das weiterfährt. Der Skipper versucht die Badeleiter am Heck zu erreichen, doch er verliert dabei den Kontakt zum Boot – gerade im Gezeitenrevier der Worst Case. Wilken, gläubiger Christ, betet und fängt an zu kalkulieren: Die Bedingungen sind verhältnismäßig günstig, der Wind kommt aus Nord, das Wasser läuft noch fünf Stunden auf, und es sind gut vier Seemeilen bis zur niedersächsischen Küste. Er beginnt zu schwimmen, zwei Stunden lang, dann spürt er tatsächlich Grund unter den Füßen und kann bei Rysum, gut zwölf Kilometer nordwestlich von Emden, an Land gehen.

Die YACHT hat mit Jens Wilken über die Havarie und die Lehren daraus gesprochen. Im Interview schildert der 55-jährige Ingenieur, wie er vergeblich versucht hat, zurück an Bord zu kommen, wie sein Boot bei einer großen, unterdessen angelaufenen Suchaktion auch gerettet werden konnte – und wie ihm sein Glaube in den Stunden im Wasser geholfen hat. Das Interview erscheint in YACHT 13/2019, die Anfang Juni im Handel ist. 


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