Piraterie
„Eine Hinrichtung ohne Toten“

Mit dem Überfall auf ihre Yacht beginnt für ein deutsches Paar ein 52-tägiges Martyrium

  • Uwe Janßen
 • Publiziert am 16.10.2008

Piraten kapern die „Rockall“ von Sabine Merz und Jürgen Kantner im Golf von Aden. Die Verbrecher nehmen die beiden Segler als Geiseln und erniedrigen sie unablässig. Hätte gute Törnplanung das Drama verhindern können?

Nicht nur zu dieser Frage nehmen Merz, 51, und Kantner, 61, in der aktuellen YACHT Stellung. Die ersten deutschen Segler, die am Horn von Afrika verschleppt wurden, schildern die Vorgänge in allen Einzelheiten, aus ihren Erfahrungen lässt sich eine Menge über notwendige Sicherheitsvorkehrungen und angemessene Verhaltensweisen ableiten.

Zu verhindern, sagen sie, sei der Überfall nicht gewesen: „Wir hatten einfach nur Pech.“ Dabei hätten sie gewarnt sein müssen. Seit Beginn des Jahres sind in dem Hochrisiko-Revier zahlreiche Yachten entführt worden, etwa die französische „Le Ponant“ im April. Nur: Zur Passage des Golfs gibt es auf der Reise vom Mittelmeer nach Asien keine brauchbare Alternative. „Den Vorwurf, dass wir leichtsinnig waren, lass ich nicht gelten“, sagt denn auch Kantner. „Im Golf von Aden bleiben von 1000 Yachten halt zwei hängen. Davon lass ich mich nicht verrückt machen. Ich würde da sofort wieder segeln.“

Der Skipper führte eine Waffe mit, ein ewiges Diskussionsthema unter Blauwasserseglern, konnte den Überfall damit aber nicht verhindern: „Es waren zu viele, und es ging zu schnell.“ Gleichwohl erachtet der Segler mit 33 Jahren Langfahrt-Erfahrung das Bordgewehr als sinnvoll — die Debatten werden weitergehen.

Ihr Bericht macht deutlich, dass sich die Yacht-Piraterie vom Armuts-Delikt längst zur organisierten Kriminalität entwickelt hat. Die Verbrecher begnügten sich nicht mit dem Ausplündern des Schiffs, sie nahmen die Segler als Geiseln. Mehr noch: Sie schikanierten und demütigten die beiden 52 Tage lang mit psychischer und physischer Gewalt, etwa durch Schein-Exekutionen, durch „eine Hinrichtung ohne Toten“, wie der Skipper sagt.

Die besondere Tragik dieses Falls liegt aber auch in dem Umstand, dass die Opfer ihr gesamtes Vermögen verloren und nun vor den Trümmern ihrer Existenz stehen. Warum das so ist, und mit welchen Mitteln der verzweifelte Skipper versuchte, die Piraten von Bord zu bekommen — das und mehr lesen Sie in einem bewegenden Interview in der neuen YACHT.


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Themen: Golf von AdenKantnerMärzPiraterie

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