Krantermin

Eigner im Frühjahrs-Fieber

Tausende Boote entlang der deutschen Küste sollen bis Ostern wieder im Wasser liegen. Vielen Eignern kann es gar nicht schnell genug gehen

Ricarda Richter am 13.03.2015
Krantermin Hafen Kiel 2014 RRi_IMG_9876

Eigentlich stehen die Krantermine fürs Frühjahr schon beim Einwintern fest - Vorverlegungen sind jedoch keine Seltenheit

Seit die Sonne am vergangenen Wochenende das erste Mal in diesem Jahr auch den norddeutschen Boden wieder richtig erwärmte, ist in den Werften und Winterlagern der Frühjahrsstress ausgebrochen. "Das ist ja meistens so", weiß Bo Teichmann von der Mittelmann’s Werft in Kappeln. "Wenn an einem Sonntag im Frühjahr das erste Mal gutes Wetter ist, klingelt ab Montag ununterbrochen das Telefon."

Egal, ob der erste Frühlingsvollmond auf ein eher spätes oder schon recht frühes Datum im Jahr fällt – Ostern ist für die meisten Segler der Stichtag, um das Schiff wieder im Wasser zu haben. Das allein sorgt schon für eng getaktete Terminpläne. Die Aussicht auf gutes Wetter aber führt regelrecht zu Frühjahrsfieber und Kranalarm.

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Die Werftbetriebe arbeiten auf Hochtouren, die Schiffe bis Ostern im Wasser zu haben

Auf der Mittelmann’s Werft wie bei vielen anderen Servicebetrieben bekommen die Eigner im Herbst einen Fragebogen, auf dem sie nicht nur angeben sollen, was über den Winter an ihrem Schiff repariert werden soll. Auch den gewünschten Krantermin müssen sie dann bereits festlegen. Vorverschiebungen des angegebenen Zeitpunktes um vier bis sechs Wochen seien jedoch keine Seltenheit, sagt Teichmann. Während sich bei den meisten Winterlagern nun kommenden Dienstag und Mittwoch der Kran wieder zu drehen beginnt, hat er schon diesen Montag sein erstes Schiff zurück ins Wasser gesetzt.

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Wer sein Schiff als erster im Wasser haben will, schreckt auch vor Eis und Schnee nicht zurück

Das Team der Yachtwerft Klemens in Großenbrode leistet bereits seit Anfang des Monats Überstunden. Rund 200 Boote sollen zurück ins Wasser, der logistische Aufwand ist entsprechend hoch. "Wir kennen unsere Kunden und wissen in etwa, wer wann ins Wasser gehen will", sagt Jürgen Klemens. So gut es ginge, würde auch die Hallenbesetzung im Herbst danach ausgerichtet. Trotzdem müsse jedes Frühjahr rangiert werden. "Problematisch ist vor allem, dass 95 Prozent der Eigner nicht aus dem Norden kommen und dann überrascht sind, wenn hier oben noch Winter ist, während in Süddeutschland schon die Terrassenmöbel rausgestellt werden." Umso ärgerlicher, wenn die Leute erst Druck machten und dann doch erst Wochen später im Hafen auftauchten. 

Legendär der dringende Anruf eines Eigners aus Köln-Porz voriges Jahr, der nach dem ersten sonnigen Wochenende auf dem windgeschützen Balkon im Rheinland sofort sein Schiff ins Wasser beorderte – nur um es dann doch erst Ende April erstmals zu bewegen. "Da ist uns wohl Ostern dazwischen gekommen", war sein lapidarer Kommentar zur unnötig in den Ausnahmezustand versetzten Winterlager-Crew.

Einer, der sich von übereiligen Seglern nicht aus der Ruhe bringen lässt, ist Anbieter Dieter Blohm. Da er keinen eigenen Kran hat, werden die Termine für seine Winterlieger lange im Voraus gebucht. Auf Sonderwünsche kann er daher nur eingeschränkt Rücksicht nehmen. "Das habe ich hier fest im Griff. Natürlich gibt es auch mal Probleme. Dann können die Lehrer nur in den Ferien, der Nächste ist mit der "Aida" auf Kreuzfahrt unterwegs, einer muss zur Verwandtschaft – dann geht halt das Tauschen los. Da sind wir aber flexibel."

Eine alte Bootsbauerregel besagt, dass die Schiffe erst zurück ins Wasser sollten, wenn es nach dem März-Vollmond nachts nicht mehr friere. Dieses Jahr scheint das kein Problem zu sein. "Ab kommender Woche ist hier richtig Alarm", weiß Bo Teichmann. Die letzten beiden Winter sah das anders aus.

Hauke Steckmest, selbst Werftinhaber, erinnert sich, vorletztes Jahr mit dem ersten Schiff am Haken die Eisdecke durchbrochen zu haben. "Der Hafen war noch zugefroren, die Schlei draußen aber schon frei. Der Bootsbesitzer hat sich daraufhin selbst einen Kanal zum offenen Wasser gebahnt." Immerhin, er kam dann tatsächlich und legte ab.

Für Eigentümer, die jedes Jahr regelmäßig die ersten im Wasser sein wollen, sind selbst solche Hürden noch lange kein Hindernis. Auch Jürgen Klemens kann dies bestätigen. "Den Früh-Kranern ist egal, welche Wetterbedingungen herrschen, ob noch Schnee liegt oder die Stege vereist sind. Die kommen jedes Jahr zur gleichen Zeit." Vor zwei Jahren seien die Bedingungen allerdings so ungünstig gewesen, dass mehrere Schiffe gegen Ende März doch wieder eingewintert werden mussten. Ein Triumpf der Natur über die segelbegeisterten Trotzköpfe.

 

Ricarda Richter am 13.03.2015

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