Abschied

DSV-Ehrenpräsident Hans-Joachim Fritze gestorben

Er war Surfer, Segler und diente dem Sport im Ehrenamt. Als Präsident steuerte "Hajo" Fritze den Deutschen Segler-Verband von 1993 bis 2001

Tatjana Pokorny am 23.02.2019
Hajo Fritze
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Hans-Joachim Fritze in seiner Zeit als DSV-Präsident. Der Hanseat starb im Alter von 89 Jahren

Gelassen, freundlich, aufrichtig und meist ein Lächeln auf den Lippen – so kannten Segler und Surfer Hans-Joachim "Hajo" Fritze als Sportler und auch als engagierten Vertreter ihres Sport. Nun ist der DSV-Ehrenpräsident im Alter von 89 Jahren gestorben. Der Segelsport verliert einen Hanseaten und loyalen Botschafter, der schon viele Ehrenämter positiv gestaltete, bevor er den DSV von 1993 bis 2001 in der Nachfolge von Hans-Otto Schümann als Präsident führte. 

Beim letzten in seiner Regie stattfindenden Seglertag 2001 hatte Fritze sich mit dem für ihn typischen Understatement und diesen Worten verabschiedet: "Ich danke sehr für ihre Aufmerksamkeit heute und in den vergangenen Jahren meiner Amtszeit. Ich habe als Präsident des Deutschen Segler-Verbandes unschätzbare Erfahrungen gesammelt, neue Horizonte erreicht und viel Freude bei der Zusammenarbeit mit Kollegen, Verbänden und Vereinen gehabt. Ganz besonders möchte ich mich für das Vertrauen bedanken, dass Sie mir geschenkt haben." Er hat es genau so gemeint. In seiner Abschiedsrede steckte damals auch eine wichtige Erkenntnis seines Wirkens: "Bei gutem Wetter kann jeder ein guter Steuermann sein. Wie wahr das ist, wissen wir alle nur zu gut. Entscheidend aber ist – im Sport wie im Amt –, auch bei schlechtem Wetter noch gut zu sein."

Hajo Fritze

Bei jedem Wetter gern Segler: Hans-Joachim Fritze

Das Präsidenten-Amt hatte Fritze im Alter von 63 Jahren angetreten. Da lag sein Berufsleben in der Kakao- und Schokoladenbranche bereits hinter ihm. Die Arbeit für eine Uno-Organisation hatte den Skipper vom Norddeutschen Regatta Verein auch im Diplomatenstatus nach London geführt. Auf nationalem wie internationalem Parkett bewegte sich "Hajo" Fritze entsprechend gewandt und sympathisch. In seine Amtszeit fielen vier bei Olympischen Spielen gewonnene Segelmedaillen deutscher Crews, darunter das umjubelte Silber von "Surffloh" Amelie Lux, die sich zur Jahrtausendwende in Sydney mit der Italienerin Alessandra Sensini ein unvergessliches Duell um den Olympiasieg geliefert hatte, an dessen Ende sie über Platz zwei wie über Gold jubelte und die Fans in der Heimat mitriss.

Hajo Fritze

Als DSV-Präsident empfing "Hajo" Fritze prominenten Besuch im Norddeutschen Regatta Verein: die damaligen Außenminister Klaus Kinkel und Robin Cook aus Großbritannien

Viele Erinnerungen an "Hajo" Fritze beinhalten die Bezeichnung "feiner Kerl". Das war der Hamburger, von dem ältere Mitarbeiter des Deutschen Segler-Verbandes zu erzählen wissen, dass er bei Besuchen in der Gründgensstraße stets alle persönlich mit Handschlag begrüßte. Der frühere langjährige Klassensekretär der olympischen Finn-Klasse war bei Regatten in den Heimatrevieren oft präsent, weil er den Austausch mit den Aktiven schätzte, die Impulse und Kritik der Sportler für seine Arbeit aufnahm.

DSV-Präsidentin Mona Küppers sagte am Samstag: "Mit Hajo Fritze verliert die Segelwelt einen außergewöhnlichen Menschen. Mit seinem Engagement, seiner Weitsicht und seinen hanseatischen Tugenden hat er den deutschen Segelsport entscheidend vorangebracht. Im Namen des gesamten DSV-Präsidiums verabschiede ich mich in tiefer Dankbarkeit von einem großen Hanseaten und Segler. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie und seinen Angehörigen."

Hajo Fritze

Der Segler Hans-Joachim Fritze

Tatjana Pokorny am 23.02.2019

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