Yachtbau
Dritte Generation plant Revival der Reinke-Yachten

Der Enkel von Konstrukteur Kurt Reinke hat mit einem kleinen Team den Vertrieb der Selbstbau-Pläne übernommen. Und es gibt noch weitere Ideen

  • Kristina Müller
 • Publiziert am 04.05.2022
Die Baupläne für eine Reinke 10M. Der Konstrukteur hat seine frühen Entwürfe immer weiterentwickelt Die Baupläne für eine Reinke 10M. Der Konstrukteur hat seine frühen Entwürfe immer weiterentwickelt Die Baupläne für eine Reinke 10M. Der Konstrukteur hat seine frühen Entwürfe immer weiterentwickelt

YACHT/S. Reineke Die Baupläne für eine Reinke 10M. Der Konstrukteur hat seine frühen Entwürfe immer weiterentwickelt

Sie haben die Segelträume einer ganzen Selbstbauer-Generation befeuert: Die Konstruktionspläne von Kurt Reinke. Mit ihnen und dem dazugehörigen Selbstbau-System namens HD ("Hobby Design") sollte sich jeder den Wunsch der eigenen Hochseeyacht in Eigenregie erfüllen können. Entweder indem eine der zahlreichen Konstruktionen aus Reinkes Feder komplett selbst gebaut wurde – Rumpf wie Innenausbau. Oder indem ein Kasko bei einer Werft oder einem privaten Rumpfhersteller aus dem Partner-Pool der Selbstbauer bestellt wurde und nur noch der Innenausbau anstand. Auch eine komplett Order war möglich – aber eher selten.

Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre entstanden so Dutzende Reinkes in Scheunen, auf Wiesen, in Gärten und in Hinterhöfen. Nicht wenige von ihnen haben seitdem die Welt im Kielwasser gelassen. Nicht wenige wurden nie fertiggebaut. Denn auch wenn Kurt Reinkes Vision vom kostengünstigen Selbstbau für jedermann bei Weitem nicht immer aufging, so etablierten sich die Boote, die wahlweise aus Aluminium oder Stahl gefertigt werden konnten, doch als robuste und unter anderem dadurch beliebte Langfahrtschiffe. Bekannte Reinke-Eigner wie Heide und Erich Wilts mit ihren drei "Freydis"-Yachten oder Vloggerin Nike Steiger mit ihrer "Karl" haben darüber hinaus dafür gesorgt, dass die Boote bei verschiedenen Langfahrtgenerationen Bilder von fernen Revieren im Kopf heraufbeschwören.

Wilkens, S. In rauer See: Die Reinke "Santa Maria" von Eigner Wolf Kloss vor Kap Hoorn. Das Modell nennt sich Hydra

Seit dem Beginn der Reinke-Ära ist viel passiert: Kurt Reinke, der mit fast schon übermenschlichem Engagement seine Selbstbauergemeinde mit Informationen, Ratschlägen und Weiterentwicklungen versorgte, sowie sein Sohn und Nachfolger Peter Reinke sind verstorben. Nun übernimmt Kurt Reinkes Enkel Sverre Reinke den Vertrieb der Selbstbau-Pläne, gemeinsam mit seiner Schwester Kyra Reinke und deren Partner Elmar Krüger. Dem jungen Trio – allesamt selbst Segler – schwebt vor, auch dem einstigen Selbstbau-System wieder neues Leben einzuhauchen. Auch wenn das sicher nicht leicht werde, wie Sverre Reinke berichtet.

"Die Zeiten haben sich geändert", sagt der 29-jährige Bremer, der in Hamburg lebt. "Nur wenige haben heute noch die Möglichkeiten, den Platz und vielleicht auch das Knowhow für den Selbstbau." Sverre Reinke ist daher wieder auf der Suche nach Partnern. "Wir suchen vor allem Werften und Rumpfhersteller, die mit uns kooperieren wollen. Wir haben schon erste Gespräche geführt."

Rehberger Werft Ein Rumpf im Bau bei Rehberger in Süddeutschland. Aus einstigen Selbstbauern haben sich in den 1980er- und 1990er-Jahren Hersteller von Rümpfen entwickelt, die für andere Eigner Kaskos geschweißt haben

Werften für Aluyachten sind rar, die Auftragsbücher der existierenden voll, und das Gros der sogenannten Rumpfhersteller aus den frühen Reinke-Jahren hat sich bereits zur Ruhe gesetzt, ist gerade dabei – oder segelt auf eigenem Kiel Richtung Ruhestand (siehe auch " Best-Of für die große Reise"; ein Porträt über Michael Matzerath aus Düren und seine „Malu“ in YACHT 23/2020 ). Auch weitere Partner wie Segelmacher werden wieder gesucht.

Reinke-Yachten Wollen dem Bau der markanten Kimmkieler neues Leben einhauchen: Sverre Reinke (r.) mit Schwester Kyra Reinke und Elmar Krüger

Doch noch stehen die Reinke-Geschwister und Elmar Krüger ganz am Anfang. Die Webseite wurde bereits neu aufgesetzt, die offizielle Unternehmensgründung läuft derzeit. Alle drei betreiben sie nebenberuflich; Sverre Reinke ist dabei, sein Studium zum Luft- und Raumfahrtingenieur abzuschließen; Betriebswirtin Kyra Reinke, 33, und Elektroingenieur Elmar Krüger, 35, arbeiten bei einer Werft für die Großschifffahrt an der Weser.

Dass Nachfrage da ist, haben die Gründer schon erfahren: "Es kommen regelmäßig Anfragen rein", berichtet Sverre Reinke. Aktuell könne man jedoch noch nicht mehr leisten, als Baupläne zu verkaufen und beraten – so gut es eben gehe. Alle drei sind Segler, Sverre Reinke ist vor allem auf der Regattabahn zu Hause. Zuletzt war der Lebensgefährte der Mini-Transat Seglerin Lina Rixgens in die Vorbereitung ihres Bootes involviert, aktuell segelt er auf einer Dehler 30 OD Regatten auf der Ostsee.

Kurt Reinke Einblick in die Baupläne: Ein Merkmal der Deckssalon-Serie ist die erhöhte Sitzgruppe. Der Konstrukteur betonte immer wieder, dass die Crew so nicht "im Keller" sitzen müsse

Kurt Reinkes Enkel weiß, dass das Projekt ambitioniert ist und vieles noch eine Vision. So sei man derzeit auch vor allem dabei, die Fühler auszustrecken – und nach ersten Gesprächen guter Hoffnung, dass aus den Plänen Realität wird.

Die ganze Geschichte über die Reinke-Yachten und ihren Konstrukteur Kurt Reinke ist in YACHT 1/2020 erschienen, die hier bestellt werden kann .

Yacht / H.-G. Kiesel Kurt Reinke


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