Seenot
Drama in der Nordwestpassage

Segelyacht gerät mitten in der Nacht in Treibeis, wird zerquetscht und sinkt binnen Minuten. Die Crew muss aufs Eis flüchten

  • Pascal Schürmann
 • Publiziert am 29.08.2018
Die "Anahita" vor wenigen Tagen am Rande der Baffin Bay Die "Anahita" vor wenigen Tagen am Rande der Baffin Bay Die "Anahita" vor wenigen Tagen am Rande der Baffin Bay

P. Saad Die "Anahita" vor wenigen Tagen am Rande der Baffin Bay

Gestern Nacht ist die unter französischer Flagge segelnde Yacht „Anahita“, eine Ovni 345, nördlich der Küste Kanadas in der Nordwestpassage gesunken. Das Unglück ereignete sich in der Depot Bay, östlich der Bellot Strait. Nach ersten Informationen ist das Schiff zuvor von Treibeis eingeschlossen worden, aus dem es die Crew nicht mehr befreien konnte.

Garmin Der Kurs der "Anahita". Von Nuuk an der Küste Grönlands ging es über die Baffin Bay nach Pond Inlet und weiter bis zum Eingang der Bellot Strait. Dort geriet das Schiff ins Treibeis und sank

Unter dem Druck des Eises schlug die „Anahita“ dann leck und sank. Die Besatzung, zwei Argentinier, mussten sich aufs Eis flüchten. Es gelang ihnen jedoch noch, einen Notruf abzusetzen und die Epirb des Bootes zu aktivieren. Diese sendete gerade noch lange genug, sodass die nächstgelegene SAR-Station eine Rettungsaktion starten konnte.

Beide Männer sind inzwischen per Helikopter abgeborgen worden. Zunächst hatten andere in der Nähe befindliche Yachten, die auf das „Mayday“ reagiert hatten, vergebens versucht, zu den Havaristen vorzudringen. Und das, obwohl alle Crews, die sich mit ihren Yachten gegenwärtig in der Region aufhalten, ihre liebe Not hatten, sich und ihre Schiffe in den letzten Stunden vor aufkommenden Treibeisfeldern in Sicherheit zu bringen.

Auch ein Schlepper und ein Eisbrecher waren zu den Havaristen beordert worden. Letzterer dürfte aber noch Stunden benötigen, um den Unglücksort zu erreichen.

P. Saad Die "Anahita", eine Ovni 345, war erst vor Kurzem eigens für die Fahrt ins Eis umgerüstet worden

Die „Anahita“ war wie etwa ein knappes Dutzend anderer Yachten auf dem Weg von Ost nach West durch die Nordwestpassage. In diesem Sommer allerdings zeigt sich das Eis in der Arktis hartnäckig. Anders als in den Vorjahren gab es bislang den Weg nicht frei. So blieb den Crews bisher nichts anderes übrig, als sich in Geduld zu üben. Oder aber umzudrehen.

Genau dazu hatten die kanadischen Behörden allen Crews in den vergangenen Tagen dringend geraten. Es sei nicht abzusehen, dass sich die Passage in diesem Jahr überhaupt öffnen würde. Im Gegenteil sei die gegenwärtige Eislage für Yachten gefährlich. Die Crews sollten ihre Schiffe daher entweder zurück nach Süden verholen oder sich aber einen sicheren Überwinterungshafen in der Baffin Bay suchen.

P. Saad Der Skipper der "Anahita", der Argentinier Pablo David Saad

Der Skipper der „Anahita“, Pablo David Saad, hatte die behördliche Warnung bislang bewusst ignoriert und sich stattdessen am Skipper einer anderen Yacht orientiert, der die Passage schon mehrfach befahren hat und der auch in den letzten Tagen noch auf einen Rückzug des Eises gehofft hatte. Saad ist seit mehreren Jahren und mit wechselnden Crews auf Langfahrt. Er wie auch sein jetziger Begleiter stammen aus San Martín de los Andes, einer Stadt im Südwesten Argentiniens nahe der Grenze zu Chile.


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Themen: AnahitaArktisGesunkenGrönlandHavarieNordwestpassageOvni 345SeenotTreibeis

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