Modern Classics

Die Schlei im Sturm erobert

Teilnehmerrekord trotz Starkwind + Kopf-an-Kopf-Rennen um die "Ostseeperle" + Race und Rallye ohne größere Schäden durchgeführt

Lasse Johannsen am 07.09.2015
"Emma"

Der Laurin Koster 32 "Emma" aus dem Baujahr 1965 war die älteste Yacht auf dem Treffen

Am vergangenen Wochenende trafen sich 85 Yachtbesatzungen zu den 10. Musto Yacht Modern Classics powered by Gründl. Lediglich fünf der 90 angemeldeten Klassiker aus der Ära des aufkeimenden GFK-Bootsbaus hatten die geplante Anreise aufgrund der giftigen Wetterprognose abgesagt. Mit diesem Teilnehmerrekord wurden alle Erwartungen der Veranstalter übertroffen.

Kappeln

Die Teilnehmerflotte zu Gast bei Ancker Yachting in Kappeln

Familiäre Atmosphäre

Die Atmosphäre hingegen blieb gewohnt familiär. Mehr als die Hälfte aller Besucher war bereits mehrfach zu Gast auf dem Treffen. Das begann bereits am Freitagnachmittag und Samstagvormittag mit Workshops über die Reparatur von Stabdeckschäden, über Bootsmotoren und über Rollreffanlagen auf dem Gelände von Ancker Yachting in Kappeln. Dort saßen die Teilnehmer am Freitagabend noch bis spät bei Freibier zusammen und nutzte die Gelegenheit, um zu fachsimpeln und Kontakte zu knüpfen.

Motorenworkshop

Motorenworkshop

Wetterbedingungen für Fortgeschrittene

Der Seenotrettungskreuzer "Nis Randers" führte die Flotte am Samstagmittag auf dem Weg nach Maasholm an. Hier erklang der Startschuss zur Yardstick-Regatta. 28 der Yachten gingen an den Start, der übrige Teil der Flotte suchte im Kommunalhafen von Maasholm Schutz vor dem angesagten Wind aus Nordwest, der im Mittel mit 6 Beaufort, in den Böen aber auch stärker wehen sollte. 

Geschwaderfahrt

Geschwaderfahrt

Da sich die Vorhersage als richtig erwies, wurden schließlich lediglich 20 Yachten an der Ziellinie gesichtet. Zu ernsthaften Schäden ist es jedoch nicht gekommen. Hier sind die Ergebnisse der Regatta zu finden. Das Geschicklichkeitsrennen wurde zwar angeboten, doch bereits auf der Steuermannsbesprechung hatte das Organisationsteam vom Delius Klasing Verlag und der YACHT-Redaktion deutlich gemacht, dass gute Seemannschaft auch im Verzicht bestehen kann.

Regatta

Regatta

Geschicklichkeit und Können

Wer es dennoch versuchen wollte, konnte sich auf drei Stationen beweisen. Einmal galt es, einen Aufschießer am Steg zu fahren und etwas entgegenzunehmen, dann war ein Mensch-über-Bord-Manöver zu fahren und schließlich galt es, ein Ankermanöver vorzuführen. Als alle zurück im Hafen waren, kehrte endlich auch für die Seenotretter wieder Ruhe ein, die das Geschehen durch acht Einsätze unterstützt hatten. Zumeist waren Yachten freizuschleppen, die sich auf der – bei dem starken Westwind immer flacher werdenden – Schlei "festgefahren" hatten.

Person-Über-Bord-Manöver

Mensch-über-Bord-Manöver

Schwierige Entscheidung

Ernst wurde es nun für die neunköpfige Jury. Alle 85 Yachten waren zu besichtigen, galt es doch den Wanderpreis "Ostseeperle" für das am besten erhaltene Boot zu verleihen. Da es hierbei nicht allein um gute Pflege geht, sondern um diverse Kriterien, waren weitschweifige Beratungen nötig, um der großen Flotte gerecht zu werden, die voll war von bemerkenswerten Yachten, deren Eigner offenkundig sehr viel Zeit, Herzblut und nicht zuletzt Geld in den Erhalt dieser Boote investieren, die nun, im zehnten Jahr der Modern Classics, immer öfter als maritimes Kulturgut von der segelnden Öffentlichkeit wahrgenommen werden.

Unterstützung von den Seenotrettern

Unterstützung von den Seenotrettern

Den geselligen Höhepunkt fand die Jubiläumsveranstaltung am Abend. Auf der Preisverleihung konnte Peter Hartmann den ersten, Uwe Gräfer den zweiten und Peter Dräger den dritten Preis nach berechneter Zeit entgegennehmen. Den ersten Platz im Geschicklichkeitsrennen belegte Gerhard Alt, der es mit seiner Bandholm 28 "Solano" einhand und als einer der ganz wenigen Teilnehmer vollständig – und an einer Station sogar mit einem Extrapunkt prämiert – bewältigt hatte.

Juryberatung

Juryberatung

Edle Ostseeperle

Die "Ostseeperle" ging an Udo Diembeck. Der Eigner der Baltic 37 "Christina" hält das Schiff, seit er es als Ersteigner neu gekauft hat, nahezu im Neuzustand – und segelt es dabei auch fleißig. YACHT-Chefredakteur Jochen Rieker machte deutlich, wie schwer die Wahl gefallen sei. Vier weitere Yachten seien nominiert gewesen, das Votum für "Christina" sei erst nach langer Diskussion ausgefallen – dann jedoch einstimmig. Das Schneewittchen, die "Yacht mit Potenzial" (und restaurierungswilligem Eigner), wurde die Neptun 27 "Sagitta" von Dirk Pfau. Als ältestes teilnehmendes Schiff wurde die "Emma" von Christian Müller ausgezeichnet, ein Laurin Koster 32 in der MK II-Ausführung. Das Schiff wurde 1965 fertiggestellt.

Verleihung der Ostseeperle an Udo Diembeck

Verleihung der "Ostseeperle" an Udo Diembeck

Spontan vergebene Sonderpreise

Auch in diesem Jahr hat die Jury wieder ganz spontan zahlreiche Sonderpreise vergeben. So beispielsweise an die Mannschaft der "Hansa", des Clubschiffs der Hamburger Segelkameradschaft Hansa. Deren Crewmitglied Olaf Kühnholt hatte einen Außenborder vom Grund des Hafenbeckens geborgen, der sich im Verlauf eines Manövers aus seiner Halterung gelöst und selbstständig gemacht hatte. 

Fotostrecke: Eindrücke von den Modern Classics 2015 – von YACHT-Fotograf Klaus Andrews

Lasse Johannsen am 07.09.2015

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