ARC 2010

Die Ruhe nach dem Sturm

Seit einer Woche ist die Flottille der Atlantiküberquerer unterwegs. YACHT-Autor Matthias Beilken berichtet von Bord der "Shaka"

Pascal Schürmann am 29.11.2010

Die Swan 46 "Shaka"

Fotostrecke: Die Ruhe nach dem Sturm

Mit viel Tamtam ist die Jubiläums-ARC Nummer 25 gestartet. „Shaka“ hat sich mittlerweile im vorderen Feld positioniert. Gesegelt wird zunächst Kurs Südsüdwest. Die direkte Route versperrt ein Orkantief.

Verhallt sind die Steelbands und brasilianischen Trommler, die zum Abschied der Rekordflotte die ARC-Stege auf und ab marschiert sind. Die erste Nacht war herrlich, Vollmond, wenig Welle und moderater Wind von achtern. Ruhe, Schlaf. Der ist nach doch erheblicher Vorstart-Hektik etwas kurz gekommen.

Erstmalig ist Deutschland starterzahlenmäßig auf Platz drei der ARC abgerutscht (17 Boote). Auf Platz zwei liegt Norwegen. Außerdem sind erstmalig mehr Kinder als Frauen am Start.

Aus deutscher Sicht interessant sind die Knierim 50 „Caro“ mit einer Werftcrew aus Kiel und Geschäftsführer Steffen Müller als Skipper. Sowie natürlich die Swan 60 RS „Albatros von “Mister ARC“ Manfred Kerstan. Nur wenige Veteranen der allerersten ARC 1986 sind dabei, Manfred Kerstan ist einer von ihnen.

Für unsere neue Swan 46 „Shaka“ ist die ARC Auftakt zu einer Weltumsegelung. An Bord sind neben der Skipperin Mareike Guhr aus Hamburg weitere drei Frauen sowie zwei Männer.

Einer der Stars der Manege aus internationaler Sicht ist des Weiteren die große, rote und legendäre Ketsch „Steinlager 2“. Mit der gewann einst — 1989 — Sir Peter Blake sämtliche Etappen des Whitbread Round the World Race. Jetzt ist das Schiff liebevoll refittet. Es gehört einer Schweizer Agentur und tritt den langen Weg ans andere Ende der Welt. Ziel der nationalheiligen Ketsch und der größten Starterin der Jubiläums-ARC ist Neuseeland.

Der Skipper einer weiteren höchst kultigen ehemaligen Whitbreadyawl aus
Deutschland winkte hingegen traurig zum Abschied: Christoph von Reibnitz konnte die ARC 25 nicht mitmachen. Ärzte verboten ihm die Abfahrt und
piesakten ihn täglich im Krankenhaus mit Infusionen: Verdacht auf Nierenbeckenentzündung, die — höchst spekulativ — von Schrubbaktionen am giftigem Antifouling herrühren könnte.

Die legendäre Henry-Gruber-Stahlyawl von 1936, „Peter von Seestermühe“ mit dem ausdrücklich maskulinen Namen — „der Peter“ — rollt derzeit also das Feld von hinten auf — mit einem Ersatzskipper. Von Reibnitz' Abschiedsworte in gedämpftem Ton an Land: „Ich gäbe euch all mein Gemüse und all meine Butter, wenn ich jetzt auch losfahren könnte."

Nur mäßig traurig stimmt von Reibnitz dagegen, dass der Lotsenschoner „Texel“ ihm definitiv den Sonderpreis für das älteste Schiff im Rennen wegschnappt. Auf den war der „Peter“ normalerweise abonniert. Die große und träge „Texel“ wurde 1921 gebaut und scheint der Traditionsseglerfraktion zugehöriger als der der „Yachties“. Wie „Steinlager 2“ startet sie auf Einladung in der Division „Invitational Racing“.

Die Verdikte der Wetterexperten (Dr. Meeno Schrader für „Shaka“, Ed Adams — ehemals „illbruck“ — für „Caro“, Chris Tibbs für vor Ort) sind sich dahingehend einig. dass die direkte Route entlang des Großkreises vielleicht gangbar und schnell ist. Wegen des Schwanzes eines Sturmtiefs aber dürfte es dort garantiert ruppig und ungemütlich zugehen — eine echte Route für die Racer also.

Für den Rest von uns gilt die alte Regel: „Süd, bis die Butter schmilzt, dann rechts ab, bis Land kommt."

Als unsere “Shaka“ die Molenköpfe des Sportboothafens Muelle Deportivo auf Gran Canaria passiert, wirft Skipperin Guhr einen Blumenstrauß ins Wasser. Eine symbolische Geste: „Ein in der Südsee üblicher Brauch. Bedeutet, dass man dorthin, wo die Blumen schwimmen, gern wieder zurückkommt“, erklärt sie ihren verdutzten Mitseglern.

Denn man los!

Pascal Schürmann am 29.11.2010

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