Hanseboot 2016
Die Paradoxie der kleinen Zahl

Minus 5,6 Prozent: Der Abwärtstrend der Hamburger Bootsausstellung hält an – dennoch fällt die Bilanz der Aussteller meist freundlich aus

  • Jochen Rieker
 • Publiziert vor 5 Jahren

Hamburg Messe Boatfit-Arena der Hanseboot. Gute Resonanz entgegen dem Negativ-Trend bei den Besucherzahlen

Muss man sich um die Hanseboot Sorgen machen? Statistisch gesehen ohne Zweifel, atmosphärisch auf keinen Fall. Insofern ist die Bilanz – wieder einmal – gemischt, um nicht zu sagen: widersprüchlich.

Zunächst die Zahlen: Nicht einmal 68.000 Besucher kamen, um die Messe am Hamburger Fernsehturm zu sehen. Das ist ein herber Rückgang von erneut fast sechs Prozent. Die Hanseboot verliert damit gegenüber der Interboot (90.000 Besucher) und der boot Düsseldorf (knapp 250.000) weiter an Boden.

Während die Konkurrenz im Süden stabil schloss und der Marktführer am Rhein Anfang des Jahres sogar leicht im Plus, ist der Rückgang in Hamburg ungebrochen. Nicht einmal die neuen, unter der Woche um zwei Stunden nach hinten verlegten Öffnungszeiten konnten den Trend verlangsamen. Zwar kamen sie bei den Ausstellern besser an, als die Kritik im Vorfeld vermuten ließ. Doch einen Umschwung brachten sie nicht.

Über die Gründe wird viel spekuliert. Hanseboot-Projektleiter Heiko Zimmermann führt das erneute Minus auf die "allgemeine Marktsituation" zurück. Andere nennen den Mangel an spannenden Premieren als Ursache. Tatsächlich wurde von Seglern vielfach die geringe Anzahl der ausgestellten Boote moniert. Premium-Marken wie Hallberg-Rassy und X-Yachts, die in der Ostsee weit verbreitet sind, fehlten ebenso schmerzlich wie Großserienanbieter Bavaria.

Die gekommen waren, freuten sich freilich über das Besucher-Interesse. Manche zeigten sich regelrecht euphorisch, zumindest aber zufrieden. So erlebte die Bente-Crew um Alexander Vrolijk und Stephan Boden eine "sensationelle Hanseboot". Hanse-Group-Chef Jens Gerhardt sprach von einer "sehr schönen Messe" mit Verkaufszahlen "auf Vorjahresniveau". Auch Richard Gründl (Jeanneau, Nauticat), Michael Peters (Dufour), Thomas Nielsen (Saare) und Henning Mittelmann (J Boats, Sunbeam, Corsair) zogen ein insgesamt positives Fazit.

Tatsächlich spielt die absolute Zahl der Besucher für den Geschäftsverlauf keine entscheidende Rolle, weil ernsthafte Interessenten allemal den Weg in die Hallen finden. "Uns kann es egal sein, ob 70.000 oder 65.000 kommen. Von Seh-Leuten hat kaum ein Aussteller etwas", befand Stephan Boden von Bente.

Am meisten Gedränge herrschte zu den Hochzeiten in den Hallen B1 bis B4 und in der B5, wo Charteranbieter, Ausrüster und Service-Betriebe präsent waren. Thomas Dürkop vom Bordelektronik-Spezialisten GMM Yacht etwa sprach gegenüber YACHT online von sehr guten Geschäften. An seinem Stand in Halle B2 herrschte wochentags schon kurz nach Messe-Öffnung um 12 Uhr Andrang.

Ein Eindruck, den andere Aussteller bestätigten. Peter Kohlhoff war "voll und ganz zufrieden". Bernd Gröneveld von Raymarine sprach von einem "Heimspiel". Und Segelmacher Marco Haase hält die Hanseboot wie viele seiner Kollegen für eine "extrem wichtige Messe".

Zu begrenzt erscheint freilich die In-Water-Hanseboot in der Hafen-City, wo nur eine Handvoll Boote zu besichtigen war. Und auch das Boatfit-Programm, obwohl rege genutzt, wurde von manchen Besuchern als räumlich und inhaltlich ausbaufähig beschrieben.

Wie soll es nun weitergehen? Wie lässt sich der Publikumsschwund stoppen? Die Hamburg Messe ist dabei, ein modifiziertes Konzept zu erarbeiten. Bereits vor der 57. Internationalen Bootsausstellung fand mit zahlreichen Ausstellern ein Zukunftsworkshop statt. Von daher darf man auf die nächste Hanseboot durchaus gespannt sein. Die neuen Öffnungszeiten unter der Woche, so viel steht schon fest, werden jedenfalls bleiben.


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Themen: BilanzHanseboot 2016Messe

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