Rettungsaktion
Die Lehren aus dem Unglück

Nach der Rettung ist vor der Rettung – wie es zu dem Unfall kam und was die Veranstalter des Clipper Race daraus gelernt haben

  • Michael Rinck
 • Publiziert am 02.04.2014

Clipper Round the World Race Der starke Seegang machte den Rettern die Arbeit schwer

Vor zwei Tagen spielte sich im Rahmen des Clipper Round the World Race eine dramatische Rettungsaktion mitten auf dem Pazifik ab. Der Londoner Segler Andrew Taylor ging bei rauen Wetterbedingungen über Bord und konnte erst nach über eineinhalb Stunden wiedergefunden und an Bord geholt werden. Er erholt sich im Augenblick vom Schock und der Unterkühlung.

Unter dem Titel "Happy to be alive" veröffentlichte gestern der Veranstalter einen detailierten Bericht der Rettungsaktion und Lehren, die in Zukunft helfen sollen, ähnliche Unfälle zu vermeiden.

Das Unglück ereignete sich, als Andrew Taylor zusammen mit dem Skipper Sean McCarter ein Vorsegel wechselte. Einer der Stagreiter klemmte und Taylor wollte eine Zange holen, um ihn zu lösen. Sie waren gerade dabei, das andere Segel anzuschlagen, als die 70-Fuß "Derry Londonderry Doire" bei 35 Knoten Wind plötzlich heftig nach Lee krängte. Andrew Taylor hatte sich, um das Werkzeug zu holen, ausgeklinkt, nicht wieder mit dem Lifebelt gesichert und fiel von Bord. Der Skipper leitete sofort das Mann-über-Bord-Manöver ein. "Die Besatzung reagierte perfekt, niemand geriet in Panik. Jeder übernahm seine Aufgabe und folgte dem Prozedere, das wir im Clipper-Race-Training mit religiösem Eifer geübt hatten. Innerhalb von Minuten wurde die MOB-Taste aktiviert, und damit hatten wir die Position auf dem Plotter. Es wurde überprüft, ob sich Leinen im Wasser befinden, die Maschine gestartet und die Segel geborgen", so McCarter.

Über Funk wurden Schiffe in der Nähe, unter anderem ein Teilnehmer des Clipper Race, um Hilfe bei der Suche gebeten. Doch Sturmböen mit Hagel und schlechter Sicht erschwerten und verzögerten die Suche. Erst als sie das Signal des Peilsenders in Taylors Überlebensanzug orten konnten, fanden sie den mit vier Knoten Abtreibenden wieder. Das Video zeigt, wie schwierig es sich gestaltete, den wiedergefundenen Segler dann auch an Bord zu hieven. Erstaunlich auch, wie ruhig und konzentriert die Mannschaft dabei zu Werke geht.

Clipper Round the World Race Happy to be alive: Andrew Taylor unterkühlt, aber in Sicherheit

In der 18-jährigen Geschichte des Clipper Race ist es das vierte Mal, dass ein Segler aus dem Wasser geborgen werden musste. Bei den letzten zwei Zwischenfällen konnten die Unglücklichen innerhalb von Minuten gerettet werden.

Um die Zahl der Zwischenfälle auch weiterhin niedrigzuhalten, setzen die Veranstalter auf Prävention: Da die Besatzungen nicht aus Profis bestehen, werden sie im Vorfeld für den Ernstfall trainiert. Als Reaktion auf den aktuellen Zwischenfall hat der Clipper-Race-Vorsitzende Sir Robin Knox-Johnston zu besonderer Vorsicht gemahnt, insbesondere was die Sicherung der Crewmitglieder durch Lifebelts betrifft: "Sail safely, and please stay aboard!”

"Segeln Sie sicher und bleiben Sie bitte an Bord!"


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Themen: Clipper round the World RaceMOB-ManöverRettungUnglück

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