Müggelsee
"Die Kuh ist noch lange nicht vom Eis"

Nach Plänen des Berliner Senats soll der große Müggelsee zum Landschaftsschutzgebiet, teilweise sogar zum Naturschutzgebiet, erklärt werden

  • Klaus-Dieter Seelig
 • Publiziert am 05.10.2016

Seelig Boots-Demo im Regierungsviertel

Seitdem die Pläne des Berliner Senats bekannt geworden sind, den Großen Müggelsee flächendeckend zu einem Landschaftsschutzgebiet und weite Teile zu einem Naturschutzgebiet zu erklären, kochen die Emotionen in der Wassersportszene der Hauptstadt hoch. Immerhin ist der See ein wichtiges Naherholungsgebiet und mit fast 7,5 Quadratkilometern der größte See der Metropole.

Der Senat begründet sein Vorgehen mit den Anforderungen der Fauna-Flora-Habitat-Vereinbarung der EU, die Deutschland 1992 ratifiziert hat, und die im Ergebnis den Senat verpflichte, ausgesuchte Gebiete rechtlich abzusichern. Da dies bisher nicht geschehen sei, laufe bereits ein Vertragsverletzungsverfahren auf EU-Ebene. Sollte bis Ende 2017 kein Ergebnis erzielt werden, können Strafen in Millionenhöhe auf Berlin zukommen.

Ein erster Entwurf des Senats für das geplante Schutzgebiet Müggelsee ist allerdings auf die einhellige Ablehnung aller beteiligten Nutzer gestoßen. Ende September gipfelte der Protest in einer großen Boots-Demo quer durch das Regierungsviertel, an der mehr als 170 Boote teilnahmen.

Seelig Die geplante Gebietsaufteilung des großen Müggelsees – rot markiert sind die geplanten Naturschutzgebiete

Für die Segler schien die Problematik zunächst entschärft zu sein, da man sich nach Aussage des Senat-Projektleiters auf einen Kompromiss geeinigt habe, der die Interessen des Berliner-Segler-Verbandes in vollem Umfang berücksichtige. Dieser sieht die Lage allerdings ganz anders. Zwar gebe es die Zusage, dass Regatten und Trainings inklusive der benötigten Begleitboote auch in Zukunft erlaubt bleiben und keiner zusätzlichen Genehmigung bedürfen.

"Wir fordern aber weiterhin, dass die geplanten Naturschutzgebiete nicht den im Entwurf vorgesehenen Umfang haben, sondern sich an den deutlich kleineren Flächen der Meidungszonen aus dem Gewässerentwicklungskonzept des Senats von 2015 orientieren," betont der Vorsitzende des Berliner Segler-Verbandes Winfried Wolf. "Solange wir in diesem Punkt keine Einigung haben, ist die Kuh noch lange nicht vom Eis."


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Themen: BerlinBoots-DemodemoDemonstrationeFauna Flora HabitatLandschaftsschutzgebietMüggelseeNaturschutzNaturschutzgebietpolitik

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