DGzRS
Die Katastrophe, die Leben rettete

Vor 150 Jahren führte der erste regionale Verein zur Rettung Schiffbrüchiger eine erfolgreiche Hilfsaktion mit dem Ruderboot durch

  • Karolina Meyer-Schilf
 • Publiziert am 08.09.2014

DGzRS/Die Seenotretter Seenotrettungsboot vor 150 Jahren

Am 7. September 1864 strandete vor Spiekeroog die französische "Gagnerie". Doch anstatt wie noch fünf Jahre zuvor, beim Untergang der Brigg "Alliance", hilflos am Strand zu stehen, konnten die Spiekerooger diesmal etwas tun. Der inzwischen dort gegründete, erste regionale Verein zur Rettung Schiffbrüchiger hatte eigens ein Ruderboot angeschafft. So konnte den Schiffbrüchigen erstmals professionell geholfen werden.

Die damaligen Seenotretter hielten die dramatischen Umstände der Rettungsaktion in einem Bericht fest. So sollte das Boot, mit dem die Freiwilligen zu den Schiffbrüchigen rudern wollten, eigentlich von Pferden zum Strand gezogen werden. Da diese aber noch auf der Weide standen und nicht schnell genug zur Stelle waren, wurden die Spiekerooger gebeten, den Wagen mit dem Ruderboot selbst dorthin zu ziehen: "Diese schwierige, und wie es zuerst schien, fast unmögliche Arbeit wurde mit großer Bereitschaft unternommen. Kurz vor 9 Uhr war das Boot flott, und rasch sprangen außer dem Vormann und dem Bootsmann sechs unserer kräftigsten Männer hinein. Es wehte ein sehr heftiger Wind aus Nordwest, und die See ging hoch, sodass äußerste Vorsicht angewendet werden musste, damit das Boot nicht kenterte. Wir ruderten mit großer Anstrengung dem Schiffe zu."

DGzRS/Die Seenotretter Rettungsaktion durch Muskelkraft: Freiwillige bei einem Einsatz

Trotz der widrigen Bedingungen und unter großer Anstrengung erreichten die Retter die Schiffbrüchigen bald: "Wir sahen einen dunklen Gegenstand und ruderten mit aller Gewalt dem vermeintlichen Boot entgegen. Bald bemerkten wir, dass es nur ein Floß war. Wir konnten auf demselben fünf Männer, teils liegend, teils sitzend, unterscheiden. Sie winkten um Hilfe. Jetzt verdoppelte sich der Eifer unserer Mannschaft. Jede Minute drohte Gefahr und Tod. Glücklicherweise erreichten wir sie bald, und sofort warfen wir ihnen die Wurfleine zu, die sie ergriffen. Dann zogen wir das Floß an die Seite des Bootes. Nach getroffener Verabredung fassten wir auf ein gegebenes Zeichen jeder mit raschem, kräftigem Griff einen der fünf Schiffbrüchigen und warfen sie in unser Boot."

Wie sich herausstellte, handelte es sich bei den fünf geretteten Männern um französische Seeleute. Als sie nach erfolgreicher Rettung wieder festen Boden unter den Füßen hatten, "fielen alle auf die Knie, und der Kapitän sprach ein Dankgebet, das von dem Weinen und Schluchzen der anderen oft unterbrochen wurde".

Neun Monate später, am 29. Mai 1865, folgte schließlich die Gründung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Heute sind 180 festangestellte und über 800 freiwillige Seenotretter an Nord- und Ostsee für die DGzRS im Einsatz, ausgerüstet mit modernsten Seenotrettungskreuzern und immer noch ausschließlich finanziert durch Spenden.

DGzRS/Die Seenotretter, Thomas Steuer 150 Jahre Geschichte: Vom Ruderboot zum modernen Seenotrettungsboot


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