Speed-Segeln

Die Jagd nach dem Weltrekord

Es war ein Kiter, der als erster die 50 Knoten-Marke knackte und den neuen Speed Rekord von 50,57 Knoten aufstellte.

Simon Ribnitzky am 10.10.2008

Bei der Lüderitz Speed Challenge 2008 war der Franzose Sebastien Catellan der erste Mensch, der mit einem windgetriebenen Fahrzeug eine Geschwindigkeit von mehr als 50 Knoten erreichte (Durchschnittsgeschwindigkeit über eine Strecke von 500 Metern). Gleich mehrmals überboten die Kiter in Namibia die bis dahin magische Grenze. Was macht die Kiter so schnell?

Der Rekord von Catellan hielt allerdings nicht lange. Nur einen Tag später erreichte sein Landsmann Alexandre Caizerguez 50,57 Knoten. Nun schickt sich Alain Thébault mit seinem Trimaran „l’Hydroptère“ an, die Ehre der Segler zu retten. Er erreichte inzwischen einen Topspeed von 52,86 Knoten, konnte die Geschwindigkeit jedoch noch nicht über 500 Meter halten.

Dirk Hanel, Halter des deutschen Kite-Speedrekords (42,44 Knoten), weist darauf hin, dass die Reibung und die benetzte Fläche beim Kiten um ein vielfaches geringer sind als bei einem Segelboot oder einem Windsurfer-Brett. Zudem habe man erst vor kurzem mit Lüderitz einen optimalen Spot gefunden, um Rekorde aufzustellen. Auf dem Kurs in Namibia herrschen oft sehr starke Winde. Das Wasser ist hingegen fast völlig glatt. Gut für Kiter, denn selbst die kleinsten Wellen können hinderlich sein. Die Bedingungen in Lüderitz, so Dirk Hanel, ließen sich sogar noch verbessern: „Mit Hilfe einer etwa 50 Zentimeter hohen Mauer, die Wellen abhält, würde das Wasser noch glatter.“ Dann seien noch ein oder zwei Knoten mehr Speed möglich.

Da bei dem Speed Rekord in Böen maximal 45 Knoten Wind herrschten, glaubt Hanel zudem, dass die Effizienz, Windgeschwindigkeit in Speed umzusetzen, bei Kitern größer ist als bei Windsurfern. Bei der Rekordfahrt des irischen Surfers Finian Maynard vor vier Jahren wehte es nämlich mit mehr als 50 Knoten. Speedprojekte aus dem Yachtbereich benötigen dagegen deutlich weniger Wind.
Potential steckt laut Hanel auch noch in der Entwicklung aerodynamisch besserer Schirme. So könne der Rekord noch weiter nach oben gesetzt werden. „Das Material, mit dem jetzt die 50 Knoten überboten wurden, stammt aus der Serienproduktion. Das kann so jeder im Laden kaufen“, erklärt er.
Viele andere Projekte versuchen ebenfalls, den Speed Rekord zu knacken. Obwohl die Kiter nun als erste die 50 Knoten erreicht haben, glaubt Dirk Hanel nicht, dass die Anstrengungen der anderen nachlassen. „Durch jede Menge Sponsoren haben die genug Geld!“

Auch Paul Larsen, der das Projekt Sailrocket betreibt und die 50 Knoten bereits seit Jahren zu knacken versucht, nennt die guten Bedingungen in Lüderitz als Hauptgrund für den Rekord der Kiter. Dennoch ist er sich sicher, dass Segelboote schließlich die Schnellsten sein werden. Im Vergleich zu den Kitern hätten nicht viele aus dem Yachtbereich große Anstrengungen unternommen, um hohe Geschwindigkeiten zu erzielen. Die, die es versucht hätten, wären bisher recht erfolgreich. „Die Kiter halten im Moment den Rekord — aber das ist noch lange nicht das Ende!“, sagt Larsen.

Erstaunlich ist indes, dass es die Kiter mit nur wenigen Jahren Vorbereitung auf solch extreme Geschwindigkeiten gebracht haben. Man wird sehen, was da noch alles möglich ist.

Simon Ribnitzky am 10.10.2008

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