Jan Hamester

Die Biskaya liegt im Kielwasser

Das erste brisante Teilstück ist geschafft, in zwei Tagen überquerte Jan Hamester die Biskaya. Es war ein teils ruppiger Auftakt

Lars Bolle am 28.11.2016
Jan Hamester an Bord seiner Class40 Roaring Forty

Jan Hamester an Bord seiner "Roaring Forty"

Am Freitag überquerte Jan Hamester um 23.02 UTC die Startlinie für seine Einhand-nonstop-Weltumsegelung. Es wird zwar kein offizieller Rekordversuch, dennoch möchte er die bisherige Bestzeit für einen Class 40 unterbieten. Dafür musste er die gedachte Linie zwischen der französischen Insel Ouessant und Lizard Point von West nach Ost überqueren. Da er die Insel südlich passierte, bedeutete das eine kurze Kreuz bis zur Linie und bei deren Erreichen eine Halse zurück auf den eigentlichen Kurs. Da der Race-Tracker jedoch nur alle vier Stunden aktualisiert wird, ist dieser Abstecher dort nicht sichtbar. So jedenfalls erklärt Hamesters Lebensgefährtin Mirjam Bourmans den Start in das Abenteuer.

In nur zwei Tagen überquerte Hamester anschließend die Biskaya, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 8,3 Knoten, liegt aktuell südlich von Cap Finisterre.

Verfolgen Sie Jan Hamesters Abenteuer

Er hat derzeit noch mit Kommunikationsproblemen zu kämpfen, versucht unter anderem bisher vergeblich, sein Iridium-Telefon mit dem Notebook zu verbinden. Doch seiner Lebensgefährtin gelangen kurze Handy-Telefonate, die sie für YACHT online wie folgt zusammenfasst:

Das erste Stück über die Biskaya war ziemlich ruppig mit sich kreuzenden Seen und unheimlich viel Schiffsverkehr. Dadurch kam das "Endlich los"-Gefühl auch noch gar nicht auf, und Jan beschäftigte sich hauptsächlich mit den vielen 20-Liter-Kanistern Diesel und Wasser, die nun doch nicht zu seiner Zufriedenheit verstaut waren. Die Vorräte in den 20 Lebensmittelkisten, die ich sorgfältig nach Wochen zusammengestellt hatte, sind leicht aus dem Konzept geworfen, da Jan sich schon vor der Abreise nach Gusto bedient hat. So kam es dann auch zu plötzlichem Zuckermangel (überlebenswichtig für den Kaffee) und die stundenlange Suche danach.
Wir müssen uns noch an die Satellitentelefongespräche gewöhnen, durch die Verzögerung redet jeder drauflos, und am Ende versteht keiner was.

Der Sonntag war ein absolut traumhafter Segeltag mit wärmender Sonne vor der Küste Spaniens und als Highlight eine verspielte Gruppe Delfine vor dem Bug, die das Boot mit Bauchklatschern eine Weile begleiteten. Der Vorteil der nahen spanischen Küste ist natürlich das immer wiederkehrende Telefonnetz, was zu zahlreichen Telefonaten führte. Wir diskutierten die Taktik, wie Jan mit dem Tief über Madeira umgehen sollte, jetzt schon weit westlich segeln oder in Küstennähe bleiben? Jan entschied sich für die windärmere Variante an der Küste, so könne er sich noch ein wenig von der Biskaya erholen und einige Sachen von der langen "To do"-Liste erledigen. Vielleicht meldet sich Meeno bald mit einem neuen Wegepunkt. Mit Telefonnetz fühlt sich die Abwesenheit jedenfalls immer noch wie eine der zahlreichen "Mal eben"-Überführungen an.

Die Nacht auf Montag war ruhig, und der Wind vor der Küste ließ wie erwartet nach. Jan hat inzwischen seinen Zucker gefunden, das Stausystem verbessert und macht sich jetzt daran, das Iridium mit dem Notebook zu verbinden. Das würde die Kommunikation doch erheblich vereinfachen. Die Anrufe über Satellit ignoriere ich einfach mal, sonst ist das Guthaben vor Kapstadt schon alle. Das wird die Bereitschaft, das E-Mail-Programm zu nutzen, sicherlich erhöhen.

Heute Morgen gab es schon wieder Delfine vor dem Bug! Das Überführungs-Gefühl ändert sich gerade in ein Urlaubs-Gefühl, bis der Bug in Richtung Westen dreht und die "Roaring" die Küste verläßt. Vielleicht kommt dann die Abnabelung, und es fühlt sich dann wie einhand um die Welt an.

Jan Hamester ist in Brest gestartet

Lars Bolle am 28.11.2016

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