Seenot

DGzRS muss weniger Segler retten

Die Zahl der Einsätze, die für Jollen- und Dickschiffcrews gefahren werden, sind laut DGzRS-Herbstbilanz gegenüber 2012 leicht rückläufig

Pascal Schürmann am 13.11.2013

Vor Norderney ziehen Seenotretter eine auf Grund gelaufene Yacht zurück in tiefes Wasser

Auch für den gesamten Wassersportbereich gilt: Die Seenotretter hatten in den ersten zehn Monaten dieses Jahres deutlich weniger zu tun als noch 2012. Das wurde seitens der DGzRS auf Nachfrage mit entsprechenden Zahlen bestätigt. In der Gesamtbilanz, die die Retter vergangene Woche veröffentlicht hatten, werden keinerlei Differenzierungen vorgenommen – sie besitzt daher für den Segelsport keine Aussagekraft.

Konkret besagen die nun YACHT online vorliegenden Detail-Zahlen: Für Wassersportler ist die DGzRS bis zum 31. Oktober 2013 insgesamt 1023-mal ausgerückt. Im selben Zeitraum des Vorjahres lag die Einsatzzahl, die neben Seglern auch Motorbootfahrer, Kanuten, Surfer, Kiter, Schwimmer und andere Wassersportler umfasst, noch bei 1173. Der Rückgang in diesem Jahr liegt damit bei 13 Prozent – vordergründig betrachtet.

Die DGzRS schränkt ein, dass die rückläufigen Einsatzzahlen nicht unbedingt bedeuten müssten, dass die Wassersportler ein umsichtigeres Verhalten an den Tag gelegt hätten, als noch ein Jahr zuvor. Vielmehr müsse man den späten Saisonbeginn in diesem Jahr berücksichtigen. Und gegebenenfalls sei auch die Zahl der Wassersportler insgesamt nicht so hoch gewesen wie 2012. Darüber lägen zwar konkret keine Erkenntnisse vor. Das Minus von 13 Prozent sei aber auf jeden Fall, so betont die DGzRS, mit Vorsicht anzusehen.

Die Anzahl der Einsätze, die eindeutig mit Segelfahrzeugen zu tun hatten, ist naturgemäß noch geringer. Exakt 640-mal sind die Seenotretter in der zurückliegenden Saison Jollen- oder Dickschiffcrews zur Hilfe geeilt. Auch wenn in der Statistik noch der November und Dezember fehlen – viel mehr werden es wohl bis Jahresende nicht mehr werden. Die meisten Segler haben die Saison hierzulande längst beendet.

Rückgang um über sechs Prozent gegenüber Vorjahr

2012 lag bis zum Herbst die absolute Einsatzzahl für Segelfahrzeuge bei 685, ein Jahr davor waren es 657. Das bedeutet einen Rückgang der Notfall- und Hilfeleistungseinsätze für Segler von über sechseinhalb Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Nachfolgend für den gesamten Wassersportbereich, also neben Segelbooten auch für Motorboote, Surfboards, Kites und andere Wasserfahrzeuge, die 15 häufigsten Einsatzursachen (so weit bekannt) im Bereich der Nord- und Ostsee im deutschen SAR-Gebiet vom 1. Januar bis zum 31. Oktober 2013 (in Klammern jeweils die Zahlen aus dem Vorjahr):

• Motorprobleme: 335 (382)
• Auf Grund gelaufen: 321 (362)
• Kenterung: 51 (52)
• Mastbruch: 41 (18)
• Ruderschaden: 33 (35)
• Leine/Netz in der Schraube: 33 (21)
• Wassereinbruch: 30 (27)
• Orientierung verloren: 25 (19)
• Abgetrieben: 23 (37)
• Propeller verloren: 15 (3)
• Elektrikprobleme: 9 (8)
• Getriebeschaden: 8 (10)
• Kraftstoffmangel: 5 (9)
• Brand an Bord: 4 (9)
• Person über Bord: 3 (10)

Die Auflistung zeigt: Mit großem Abstand am häufigsten nahmen Motor- und Segelbootcrews nach wie vor die Hilfe der Retter in Anspruch, weil es Probleme mit der Maschine gab oder das Schiff auf Grund gelaufen war. An dritter Stelle stehen mit aktuell 51 Fällen Kenterungen. Dies dürfte allerdings hauptsächlich Jollen- und Sportkatsegler betreffen, bei denen Kenterungen in den allermeisten Fällen keine ernste Notlage bedeuten.

Danach nehmen die Einsatzzahlen rasch ab. Auffällig ist einzig die starke Veränderung bei der Anzahl der registrierten Mastbrüche. 2013 kam das Rigg mehr als doppelt so oft von oben als im Jahr davor. Und auch deutlich häufiger ging der Propeller verloren.

Technisches Versagen und mangelnde Seemannschaft

Während diese Auslöser für DGzRS-Einsätze überwiegend wohl technischem Versagen geschuldet sind, gibt es im Bereich der Seemannschaft lediglich in einem Punkt eine gravierend negative Veränderung: Mehr Skipper als 2012 verloren in dieser Sasion die Orientierung! Dies lässt auf navigatorische Schwächen schließen, die wiederum mit dem vermehrten Einsatz elektronischer Navigationsmittel an Bord zu tun haben könnten.

Klaus Lage DGzRS Spende_Klaus Lage (1)

Seit Jahren ist Klaus Lage (l.) mit der DGzRS aufs Engste verbunden. Hier mit Dr. Bernd Anders, Mitglied der DGzRS-Geschäftsführung

Auf der anderen Seite positiv zu vermelden ist die stark gesunkene Zahl der Überbordgegangenen. 2013 zählte die DGzRS nur drei Fälle, 2012 waren es noch zehn. Und auch die Zahl der Hilfseinsätze, weil Wassersportler, allen voran wohl Surfer und Kiter, abgetrieben sind, ist um mehr als ein Drittel zurückgegangen.

Präsentiert wurde die Herbstbilanz der Seenotretter mit Unterstützung des diesjährigen DGzRS-Botschafters, des Schauspieler und TV-Moderators Yared Dibaba. Ihm wird 2013 der Musiker Klaus Lage nachfolgen.

Pascal Schürmann am 13.11.2013

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