Seenotrettung
„Deutschland sagt danke!“

Festakt zum 150-jährigen Bestehen: Bundespräsident Joachim Gauck würdigt die Arbeit der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger

  • Uwe Janßen
 • Publiziert am 30.05.2015

DGzRS Bundespräsident Joachim Gauck auf dem Bremer Marktplatz

Im Bremer Rathaus begannen die Feierlichkeiten zum Jubiläum der Seenotretter mit einem eindrucksvollen Festakt. Hauptredner war Joachim Gauck, der als Bundespräsident tradtionell die Schirmherrschaft der DGzRS innehat und zudem durch seine Kindheit an der Ostsee, familiäre Prägung – sein Vater war Kapitän – und sein Faible fürs Segeln auch einen persönlichen Bezug zum Thema hat. Es war seinem Auftritt anzumerken, dass er an diesem Nachmittag nicht nur einen Pflichttermin absolvierte.

Zuvor hatte Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen im Namen der Stadt den Rettern gedankt, diese Vorlage nahm Gauck nur zu gern auf. Nicht nur die Hansestadt sei der Gesellschaft verpflichtet, so der Bundespräsident, „Deutschland sagt danke!"

Derartige Feiern versinken allzuoft in übertriebenem Pathos oder protokollarischer Starre. Das war hier wohltuend anders. Und das lag auch am Bundespräsidenten, der sich nicht strikt ans Manuskript hielt, sondern mehrmals in lebendiger Erzählung Exkurse einstreute. So kündigte er vergleichsweise launig an, er wolle bei seinem nächsten Besuch in der Heimat die Arbeit der örtlichen Rettungsstation inspizieren.

Die Entstehung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger betreffend, zog Gauck Parallelen zur Entwicklung der Demokratie. Jeweils seien es die starken Ideen einzelner Personen und Gruppen gewesen, die sich verbreiteten und durch Zusammenschluss mit Gleichgesinnten etwas Großes hervorbrachten. Die treibende Kraft bei der Gründung der DGzRS sei „Mitmenschlichkeit“ gewesen, sagte Gauck, diese Vokabel benutzte er mehrmals.

Nach dem Bundespräsidenten ließ DGzRS-Vorsitzer Gerhard Harder die Geschichte der Seenotretter Revue passieren und unterstrich die auch in gewandelten Zeiten unverändert große Bedeutung der Organisation. Zum Abschluss kam mit Wolfgang Schulz einer der Männer zu Wort, um die es in Wahrheit geht. Schulz ist ehrenamtlicher Vormann, er nannte Freiwilligkeit „die Seele“ der DGzRS.

Nachdem das für die musikalische Untermalung zuständige Quartett der Deutschen Kammerphilharmonie den Festakt mit Abba-Interpretationen („SOS“) beendet hatte, fanden die Feierlichkeiten draußen auf dem Marktplatz ihre Fortsetzung. Unzählige hatten dort bereits dicht gedrängt den Festakt aus der Oberen Halle per Live-Übertragung verfolgt.

Die Kulisse stellte einen symbolischen Brückenschlag dar: Neben der „August Grassow“, einem unmotorisierten Rettungsboot aus den Anfängen der Gesellschaft, war der jüngste Zugang der Flotte aufgepallt. First Lady Daniela Schadt taufte das neue Seenotrettungsboot auf den Namen „Henrich Wuppesahl“. Das Boot wird künftig unter Vormann Wolfgang Schulz in der Lübecker Bucht eingesetzt, Station ist Neustadt.

Ein begeisterndes Konzert der Deutschen Kammerphilharmonie mit dem „Tsuumi Sound System“ aus Finnland rundete den Feier-Tag ab. Am heutigen Samstag verlagern sich die Aktivitäten nach Bremerhaven: Schiffsparade, Schiffsbesichtigungen und die Taufe eines neuen Kreuzers stehen dort im Mittelpunkt. Und es beginnen die mit den Jubiläumsfeierlichkeiten einhergehenden Fachtagungen der Seenotretter aus aller Welt.


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Themen: Joachim GauckSeenotSeenotretter

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