Seeunfall

Deutsche Yacht verschwindet spurlos, Skipper tot aufgefunden

Mysteriöse Havarie auf dem Atlantik • Beim Untergang der „Tortuga“ stirbt ein 67-Jähriger aus Konstanz • Sein Mitsegler und die Yacht sind verschollen

Uwe Janßen am 17.01.2017
Contest 37 Test 1995 HGK
YACHT/H. G. Kiesel

Contest 37 (Archivfoto): Eine Yacht dieses Typs verschwand auf dem Atlantik

Vor der Küste der Atlantikinsel Porto Santo ist eine Rettungsinsel mit der Leiche eines Deutschen gefunden worden. Von seinem Boot, der Contest 37 „Tortuga“, und von einem Mitsegler fehlt jede Spur. Die portugiesischen Seenotretter haben kaum noch Hoffnung, Mann und Schiff aufzufinden. Für ein Sinken der 11,40 Meter langen Slup, so sagten sie gegenüber YACHT online, gebe es „sichere Anzeichen“. Noch gelten Schiff und Mitsegler allerdings offiziell als vermisst.

Die Segelyacht war am 28. Dezember in Albufeira an der portugiesischen Algarve in Richtung Madeira aufgebrochen, Porto Santo gehört zum Madeira-Archipel und liegt knapp 30 Meilen von der Hauptinsel entfernt. Die Distanz vom Starthafen bis zum Törnziel betrug knapp 500 Seemeilen, Generalkurs Südwest.  

Groß angelegte Suche, aber kein Kontakt zur Yacht

Nachdem die „Tortuga“ auch nicht verspätet auf Madeira eingetroffen war, unterrichteten Angehörige des Skippers das Maritime Rescue Coordination Centre (MRCC) in Lissabon mit der Bitte um Suche nach dem überfälligen Schiff. Das MRCC wiederum bat die Seenotleitstelle in Bremen in der Nacht vom 9. auf den 10. Januar um Informationen zu Yacht und Besatzung. Eine großangelegte Suche zu Wasser, in der Luft und auch an Land auf den Inseln lief an.

Dabei blieben alle Versuche erfolglos, mit dem Schiff Kontakt aufzunehmen. Das MRCC Lissabon bat die gesamte Schifffahrt in dem Seegebiet um Unterstützung und besondere Achtsamkeit, auch dies ohne Erfolg. Andersherum konnte sich auch die Besatzung der Segelyacht auf keinem Wege bemerkbar machen, ein Seenotalarm etwa wurde offenbar nicht ausgelöst oder nicht aufgefangen. 

Erst Tage später, in der Nacht vom 15. auf den 16. Januar, informierte das Maritime Rescue Sub-Centre (MRSC) in Funchal, Außenstelle der portugiesischen Seenotretter auf Madeira, die beteiligten Stellen über den Fund der Rettungsinsel mit dem toten Segler. Der Mann, 67 Jahre alt, ist YACHT-Informationen zufolge ein pensionierter Gymnasiallehrer für Biologie und Sport aus Konstanz. Sein verschollener Mitsegler ist ein Polizeibeamter im Ruhestand und stammt aus Mahlberg im Ortenaukreis (Baden-Württemberg). 

Rätsel um den Unfallhergang

Die Ursache für den Tod des Eigners ist offiziell noch unbekannt, auch bleibt der Unfallhergang bis dato mysteriös – es gibt dazu noch keinerlei Erkenntnisse. Fotos von der intakten Yacht zeigen, dass die Rettungsinsel, in der der Eigner später aufgefunden wurde, achtern am Geräte- und Antennenträger gestaut war. Warum der Mann umgestiegen ist, bleibt rätselhaft, denn die Wettersituation und ihre Entwicklung waren im Törnverlauf nahezu perfekt. 

Der Kieler Seewetterspezialist Dr. Meeno Schrader hat aus den Meteo-Daten für den infrage kommenden Zeitraum „beste Segelbedingungen“ rekonstruiert. Beim Start in Portugal wehte es mit 25 Knoten aus Ost, das bedeutet ideales Raumschots-Segeln. Die Temperaturen waren angenehm, 17 bis 18 Grad Celsius. Schon bald flaute der Wind auf dem Kurs nach Madeira ab und drehte leicht recht. Der Luftdruck blieb hoch. Erst gegen Ende der für diese Reise üblichen Törndauer frischte es wieder auf, aber keinesfalls in bedrohlichem Maße. „Es gab an den in Frage kommenden Tagen dort nirgendwo schlechtes Wetter“, sagt Schrader. Auch der Seegang hätte mit zwei bis drei Metern in einer langen Dünungswelle überhaupt kein Problem darstellen dürfen.

Nach derzeitiger Lage der Dinge könnte es also schwierig werden, das Geschehen auf diesem verhängnisvollen Törn schlüssig zu erklären.

Uwe Janßen am 17.01.2017

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