Überfall

Deutsche Segler von Piraten attackiert

Vor der Küste Spaniens haben maskierte Männer versucht, eine Lagoon 42 zu entern. Die Crew konnte den Angriff, der von einem Rib aus erfolgte, abwehren

Pascal Schürmann am 21.09.2020
Fricke_Marianne
Peter Fricke

Lioba und Peter Fricke und die Lagoon 42 "Marianne", auf der die beiden auf dem Weg ins Mittelmeer angegriffen wurden

Der Überfall ereignete sich vergangene Woche am Rande des Golfs von Cádiz vor der spanischen Südwestküste. Peter Fricke und seine Frau waren morgens mit einem Katamaran vom Typ Lagoon 42 „Marianne“ von einem Ankerplatz nahe der portugiesischen Hafenstadt Faro aus gestartet und hatten Kurs auf die Straße von Gibraltar genommen; die beiden befinden sich derzeit auf einem Überführungstörn von Frankreich nach Kroatien.

Schon am frühen Morgen sei dem Skipper ein hochmotorisiertes Rib aufgefallen, das durchs Ankerfeld gefahren sei. Offenbar, um ein späteres Opfer auszuspionieren, wie Fricke nun vermutet. Als er und seine Frau kurz darauf den Anker lichteten, um ihren Törn gen Mittelmeer fortzusetzen, hätten sie nach einiger Zeit zwei Ribs bemerkt, die ihnen gefolgt seien. 

Mit Sturmhauben maskierte Männer in hochmotorisierten Ribs

Position der Marianne

Die Position der "Marianne" zum Zeitpunkt des Piratenangriffs

Als die beiden mit der „Marianne“ gegen Mittag den Küstenbereich verlassen hätten, um stattdessen quer über den Golf von Cádiz zu segeln, sei eines der beiden Ribs zügig von achtern aufgekommen, berichtet Peter Fricke gegenüber der YACHT-Redaktion. Und weiter: „Nach einiger Zeit konnten wir erkennen, dass die Männer in dem Rib Sturmhauben trugen. Als sie weiter mit unvermindertem Tempo auf uns zuhielten, war klar, dass die uns angreifen wollten.“

Glück für die deutschen Segler sei gewesen, dass sie zum Zeitpunkt des Angriffs unter Maschine gegen Wind und eine etwa zwei Meter hohe Welle motorten. „Das ging mit entsprechenden Schiffsbewegungen einher, was es den Piraten erschwerte, zu einem unserer Hecks aufzuschließen, um übersteigen zu können“, so Fricke. Mehrere Male habe er das Rib allerdings dennoch mit dem Bootshaken abdrücken müssen.

Seine Frau habe unterdessen einen Notruf via UKW abgesetzt, der von einem in der Nähe befindlichen Tanker unverzüglich an die spanische Küstenwache weitergeleitet worden sei. Die habe einen Hubschrauber der Küstenwache geschickt. „Der war zehn Minuten später zur Stelle und ging sofort auf die Angreifer nieder“, berichtet Fricke. Die hätten daraufhin die Flucht gen afrikanische Küste angetreten.

„Wir können nur froh sein, dass die Piraten keine Waffen dabeihatten, zumindest haben wir keine gesehen. Sonst hätte die Geschichte ganz anders ausgehen können“, zeigt sich Fricke im Nachhinein erleichtert. Für den Einsatz der spanischen Küstenwache, die derart prompt reagiert habe, ist er voll des Lobes. Wie auch für die Kapitäne zweier Tanker, die ihre Hilfe angeboten hätten. „Die wollten sich notfalls zwischen uns und die Angreifer schieben“, erzählt Fricke. Das sei dann aber nicht mehr erforderlich gewesen.

Spanische Küstenwache nimmt Vorfall überaus ernst

In Cádiz, wo die deutschen Segler ihre Aussage bei der spanischen Polizei zu Protokoll gaben, hätten sie später zudem das Gefühl gehabt, dass die Behörden den Vorfall sehr ernst nähmen. Neben Schlepperbanden, die versuchen, Migranten aus Afrika an die spanische Südküste zu bringen, sei das Seegebiet auch ein Hotspot des internationalen Drogenschmuggels. Die Beamten gingen wohl davon aus, dass die Männer, die die „Marianne“ angegriffen hätten, diesem kriminellen Milieu zuzuordnen seien. 

Von befreundeten Seglern hörte Peter Fricke später außerdem, dass diesen die in den Ankerfeldern „patrouillierenden“ und mit starken Außenbordern versehenen Ribs bereits im Vorjahr an gleicher Stelle zwischen den Faro und Olhão vorgelagerten Inseln aufgefallen seien. Anderen Seglern rät Fricke daher, sich in dem Seegebiet nicht zu weit von der portugiesischen und spanischen Küste zu entfernen und insbesondere nicht den Weg abzukürzen, indem man wie er und sein Frau quer über den Golf von Cádiz segele.

Lioba und Peter Fricke haben die Meerenge von Gibraltar unterdessen unbeschadet durchquert und setzen gegenwärtig ihren Weg nach Kroatien fort. 

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Pascal Schürmann am 21.09.2020

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