Bootsbau

Deutsche Marine kauft neue Sunbeam-Segelyachten

Die Marineschule Mürwik in Flensburg erweitert ihre Flotte um fünf neuen Yachten der österreichischen Schöchl-Werft

Fridtjof Gunkel und Lasse Johannsen am 16.01.2020
Sunbeam 36.2
Werft

Neues Schulschiff für die Marine: Sunbeam 36.2

Die Crew des Sunbeam-Händlers Mittelmann in Kappeln hat in diesen Tagen außergewöhnlich viel zu tun. Denn der aktuelle Auftrag über die Auslieferung von fünf werftneuen Yachten des Typs Sunbeam 36.2 ist mit einigen logistischen Aufgaben verbunden, die im Privatkundengeschäft üblicherweise nicht anfallen. Doch der Kunde ist auf besondere Abnahmen angewiesen, denn die Schiffe sollen Bestandteil der Flotte der Deutschen Marine werden. Die nämlich ist dabei, den segelnden Fuhrpark der Marineschule Mürwik zu erweitern. Die bisherigen Ausbildungs-Yachten vom Typ Hanseat 70B und Nadine 24 bleiben weiterhin im Einsatz, die Zahl der Kojenplätze wächst mit den fünf Sunbeams somit um rund 25.

"Es handelt sich um eine reine Ergänzungsbeschaffung, weil wir eine deutliche Aufstockung der Offiziersanwärterzahlen bekommen haben", sagte Kapitän zur See Nils Brandt, der als Kommandant der "Gorch Fock" und eingefleischter Segler zum Team der Marine gehörte, das für die Auswahl zuständig war. Das begann, so Brandt gegenüber YACHT online, mit einer intensiven Marktsichtung. "Dafür haben wir in Zusammenarbeit mit der Beschaffungsbehörde ein Leistungsverzeichnis erstellt mit den Anforderungen an ein Ausbildungsschiff für die Marine." Wichtig seien dabei sowohl formale Kriterien gewesen, wie die CE-Seetauglichkeitseinstufung in die Kategorie Alpha, Sicherheitsstandards bei der Ausrüstung, Flammfestigkeit des Ausbaus, aber auch ganz praktische Dinge: "Wir wollten beispielsweise keine Rollanlagen."

Vier Werften hätten sich nach der Ausschreibung an dem Teilnehmerwettbewerb beteiligt, zwei seien anschließend übrig geblieben, Sunbeam habe dann das beste Angebot unterbreitet. "Wir haben durch unsere Qualitätsanforderungen natürlich gewisse Hürden gesetzt. Etwa indem wir eine Baubegleitung durch den Germanischen Lloyd gefordert haben", so Brandt. Doch das sei durch die anstehenden Aufgaben gerechtfertigt. Die Hanseaten etwa seien bereits seit 40 Jahren im Ausbldungsbetrieb. 

Segeln als Schulfach

Segeln hat in der Offiziersausbildung nahezu aller Marinen eine lange Tradition. Die Verantwortlichen schätzen, dass das Verständnis für ihr seemännisches Handwerk und für die Notwendigkeit der Teambildung an Bord eines Segelschiffes auch Neulingen augenfällig plausibel gemacht werden kann.

Als die Bundesmarine im Jahr 1955 gegründet wurde, kam schnell der Wunsch nach Ausbildungsyachten auf. Schon 1958 und 1959 wurden zu diesem Zweck die vor dem Krieg gebauten Zwölfer "Sphinx" und "Inga" erworben und als "Ostwind" und "Westwind" eingesetzt. Im Jahr 1959 wurde außerdem die "Gorch Fock II" für die seemännische Grundausbildung der Offiziersanwärter in Dienst gestellt, die ebenfalls zur Schulflotte zählt. Heute liegen im Hafen der Marineschule Ruder- und Segelkutter, Piratenjollen, die genannten Nadine 24 und Hanseat 70B, und drei über 15 Meter große Yachten. Da sich das Segelschulschiff seit Ende 2015 zur Grundinstandsetzung in der Werft befindet, kommt diesen kleineren Einheiten der Schulflotte eine starke Bedeutung in der Offiziersausbildung zu.

"Im ersten halben Jahr an der Marineschule findet die seemännische und nautische Basisausbildung statt, dabei ist die Übung an Bord ein sehr wichtiger Bestandteil beim Übergang von der Theorie in die Praxis: Kartenarbeit im Hörsaal, Umsetzung auf dem Wasser", so Kapitän Brandt. "Außerdem nutzen wir das Segeln für die Ausbildung zu Vorgesetzten. Da bietet sich ein Segelboot hervorragend an, weil es nur im Team bewegt werden kann."

Aus der Alpenrepublik an die Flensburger Förde

Über den Zuschlag für die "Ergänzungsbeschaffung von Dienstsegelboote zur nautisch-seemännischen Ausbildung der Marineschule Mürwik" freut sich Sunbeams Co-Chef Gerhard Schöchl besonders, der sich gegen einige andere Hersteller durchsetzen konnte: "Sunbeam Yachts wurde gewählt, weil Werft und Yachten den hohen Anforderungen am besten entsprechen. Wir sind stolz, von so einem erfahrenen Kunden ausgewählt worden zu sein." Immerhin sei die Nutzungsdauer auf 30 Jahre festgelegt worden und neben vielen hohen Anforderungen der Marine sei ein begleitetes und zertifiziertes Qualitäts-Sicherungs-System bindend gewesen, so der Geschäftsführer.  

Modifizierter Siegertyp

Die elf Meter lange Sunbeam 36.2 ist eine Georg-Nissen-Konstruktion aus dem Jahr 2010, die auf die Sunbeam 34 von 2007 zurückgeht. Die Sunbeam 34 konnte 2008 den Titel Europas Yacht des Jahres einfahren. Das gemäßigt breite Boot ist mit einem einzelnen Rad ausgestattet, hat Chines und fährt ein konventionelles Rigg mit kurz überlappender Genua. Für die Marine werden einige Modifikationen durchgeführt. So wird das Boot keine Rollreffgenua, sondern einzelne Vorsegel erhalten, ein Teakdeck gibt es nicht, ebenso keine Ankerwinsch, Cockpittisch oder einen Lazy-Bag. Der Auftrag beinhaltet neben kompletter Ausstattung nach den Vorgaben der See-Berufsgenossenschaft auch die Hafentrailer. 

Die in der Marineschule Mürwik in der Flensburger Förde stationierten Boote sollen bis zum Herbst 2020 über den Vertriebspartner Mittelmann's Werft ausgeliefert sein und dann zu einem festen Bestandteil der Segelszene in den norddeutschen Häfen werden. 

Die jüngste Yacht der Werft, Europas Yacht des Jahres 2019:

Fotostrecke: Sunbeam 46.1

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Fridtjof Gunkel und Lasse Johannsen am 16.01.2020

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