Kriminalität

Deutsche Langfahrtcrew in Panama überfallen

Vom Traumtörn zum Albtraum: Eine Crew aus Köln wurde am Ankerplatz von Bewaffneten attackiert und ausgeraubt. Die Segler waren unterwegs zu den San-Blas-Inseln

Kristina Müller am 19.07.2019
Sailing Seatramp
Google Earth

Der Ort des Überfalls, die Bucht Bahia Nombre de Dios, liegt an der Nordküste Panamas zwischen Colon und dem Kuna-Yala-Archipel (San-Blas-Inseln)

Abrupt wurde am vergangenen Samstagabend der Traum der Auszeit unter Segeln von Nina S. und Mario P. zerstört: Sechs bewaffnete Männer überfielen am Abend des 13. Juli die Yacht des Paares aus Köln, das seit zwei Jahren auf Blauwassertörn ist.

Sailing Seatramp

Die Bavaria 46 "Seatramp"

Die Bavaria 46 "Seatramp" ankerte in der Bucht Bahia Nombre de Dios an der Nordküste Panamas zwischen Colon und dem Kuna-Yala-Archipel, als die Crew an Deck Geräusche hört. Der Skipper geht an Deck, wo zwei bewaffnete Männer warten und ihn zurück in den Salon drängen.

"Mir ist erst nachher klargeworden, dass sie an Bord geschwommen sein müssen, da sie nass von Kopf bis Fuß waren", sagt Mario P. gegenüber YACHT online. "Weitere Männer sind mit einem Motorboot an Bord gekommen."

Die Unbekannten halten dem Skipper eine Pistole an den Kopf. "Wir haben versucht, ihnen klarzumachen, dass wir bereit sind zu kooperieren, solange sie uns unversehrt lassen", erzählt Mario P. weiter. "Glücklicherweise spreche ich etwas Spanisch, sonst wäre das nicht gegangen."

Sailing Seatramp

Die Crew einige Tage nach dem Überfall: "Wir überlegen, die Reise abzubrechen"

Die Männer durchwühlen das ganze Schiff, finden Bargeld, Computer, Kameras, Festplatten und weitere Wertgegenstände, die die Crew verteilt über das Schiff an vermeintlich sicheren Orten verstaut hat. "Sie haben alles auseinandergerissen, sogar den Inhalt des Kühlschranks, und haben alles gefunden. Wir standen nachher fast knietief in dem Chaos an Bord", erinnert sich Mario P. an den Tathergang, der gut eine Stunde dauerte.

"Als sie alles gefunden hatten, stießen zwei Männer meine Freundin Richtung Achterkabine. Wir dachten: Oh nein, nicht das auch noch, und ich habe ihre Anführer daran erinnert, dass er uns zugesagt hatte, uns nichts anzutun", sagt Mario P.

Daraufhin gehen die Männer tatsächlich von Bord. Auch die Epirb über dem Kartentisch nehmen sie mit, die beim Verlassen des Schiffes – vermutlich versehentlich – auslöst.

Beim MRCC in Bremen geht daraufhin der Notruf ein. "Unser hinterlegter Notfallkontakt wurde kontaktiert, und wir haben später klargestellt, was passiert war und dass es sich nicht um einen typischen Seenotfall handelte", sagt Mario P.

Sailing Seatramp

Ort des Überfalls 

Noch am selben Abend verlässt das Paar die Bucht und kehrt an dem Ankerplatz der Marina Linton zurück, wo es am Morgen aufgebrochen war, um zu den San-Blas-Inseln zu segeln. Wegen eines Defekts am Motorpaneel hatte es spontan die Bucht Nombre de Dios angelaufen und schließlich beschlossen, über Nacht zu bleiben – eine folgenschwere Entscheidung.

Aktuelle Informationen und Daten zur Kriminalität gegenüber Yachtseglern in der Karibik gibt es beim Caribbean Safety and Security Net.

Kristina Müller am 19.07.2019

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