1000 Miles Race

Der Tag der Wahrheit rückt näher

Am Sonntag um 16 Uhr startet das Pitter 1000 Meilen Race mit der YACHT-Leser-Crew. Ein Blick ins Wetter zeigt: Der Start wird wohl ein Leichtwind-Krimi

Andreas Fritsch am 12.10.2018
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A.Fritsch YACHT

Das Team ist startklar

Ich hatte mir geschworen, frühestens ab dem Mittwoch vor dem Start in die ersten Wetter-Modelle zu schauen, um mich nicht verrückt zu machen, ob die Bora dann vielleicht in Kroatien die Pekaschalen vom Grill bläst. Oder der Yugo eine brutale Kreuz bringt. Oder eben die Adria wie ein blaues Band aus Seide da liegt. Nur mit viel Willen habe ich tatsächlich durchgehalten. Der erste neugierige Blick zeigt dann aber eher Szenario drei: Leichtwind-Start.

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Teammitglied und Taucher Boris Tempelin gibt den Putzerfisch und reinigt das Unterwasserschiff

Flauten-Poker in der ersten Nacht, von vier Knoten ist die Rede, nachts abnehmend. Vielleicht eine passende Gennaker-Richtung. Mit so einer Vorhersage beginnt gleich der taktische Poker im Kopf: Jedem Windhauch hinterherfahren? Oder lieber beim Gegner bleiben? Schließlich starten wir in einer One-Design Klasse (Bavaria 45 Cruiser). Gute Frage Nummer zwei: wo welche kroatischen Inseln passieren? Vom Start an kommen die quasi im 30-Minuten-Takt. Welche bringt Düsen, welche Windlöcher? Oder so schnell wie möglich aus dem komplizierten Inshore-Bereich raus auf die offene Adria segeln? Auf die Vorschläge der Wettermodelle müssen wir noch etwas warten, vier Tage vor dem Start ist das noch zu ungenau.

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Vorbereitungen

Apropos Routing: Viele Crews setzen sich – wie wir – das erste Mal in ihrem Leben für das Rennen mit professioneller Wetter-Software auseinander, die dem Skipper aufgrund von Grib-Daten Vorschläge macht, wie er seinen Kurs setzen soll. Ein Profi empfahl uns, drei Modelle zu nutzen und die zu vergleichen. Gesagt, getan. Heraus kamen bei Tests aber durchaus mal drei völlig unterschiedliche Routen: dicht unter Land in Kroatien bleiben, offshore schnell rüber nach Italien und irgend etwas dazwischen. Sein Kommentar dazu: "Wenn sich die Modelle nicht einig sind, muss der Navigator daraus seine Schlüsse ziehen und sich entscheiden." Na toll. So richtig Klarheit bringt das Modell also nur, wenn die Routen ähnlich liegen. Wir werden sehen.

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Jedes Schiff bekommt einen Positionstracker mit an Bord

Überhaupt, ein Wort zum technischen Wettrüsten: Was waren das für unkomplizierte Zeiten, in denen man die Vorhersage betrachtete, sich seinen Teil dabei dachte und einfach losfuhr. Auf dem Wasser dann schauen und sich darauf konzentrieren, das Boot schnell zu segeln. Doch heutzutage ist das anders. Die Programme sind auch für Normalos wie uns erschwinglich geworden, Satellitentelefone können geliehen werden.

Das Problem dabei beschrieb ein befreundeter Segler, der sich durchaus auskennt,  einmal so: "Du kannst auch viel Zeit vor dem Bildschirm unter Deck verschwenden und vernachlässigst dann das schnelle Segeln des Bootes. Man muss da aufpassen." Mit der Wetter-Software haben sich Skipper, Co-Skipper und Wachführer beschäftigt, aber wichtige Entscheidungen wollen wir als Team natürlich zusammen treffen. Das werden noch spannende Tage...

Eine erste Hürde ist genommen: Unsere "Luna Mare" ist durchgecheckt. Das sechs Jahre alte Schiff steht da wie eine Eins, die Pitter-Yachting-Jungs haben beachtliche Arbeit geleistet. Das gibt uns ein gutes Gefühl. Während wir an Bord die letzten Checklisten durchgehen, reinigt unser "Putzerfisch" Boris, der Taucher ist, den Rumpf. "Glatt wie ein Baby-Popo", lautet sein zufriedenes Fazit. 

Im Race Office laufen die Vorbereitungen ebenfalls auf Hochtouren. Susi Gigl von Pitter Yachting und ihre Kollegen und Kolleginnen sortieren Race-Tracker, Gastlandflaggen, Crew-Jacken, Startnummern und machen sich bereit für die Skipper, die ab heute im Büro auflaufen, um sich anzumelden.

Wer den Verlauf des Rennens für das YACHT-Leser-Team verfolgen will, kann dies auf der Webseite von Pitter Yachting tun, die über TracTrac alle 30 Minuten die Positionen der Teams aktualisieren. Das YACHT-Schiff ist die "Luna Mare", eine Bavaria Cruiser 45. Zum Live-Tracker (Start ab Sonntag 16:00) geht es hier.

Andreas Fritsch am 12.10.2018

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