"Black Tot Day"

Der Tag, an dem die Navy trockenfiel

Am 31. Juli 1970 schaffte die Royal Navy die Tradition der täglichen Ration Rum ab. Die Crews gedenken der "Tragödie" auf ihre Art

Maik Brandenburg am 31.07.2013
Rumfass

Ein Rumfass an Bord gehört leider nicht mehr zur Grundausstattung der Royal Navy

Es war ein schwarzer Tag für die Royal Navy, und als solcher ging er auch in die Geschichte ein: Als "Black Tot Day". An jenem 31. Juli 1970 wurden die seit Jahrhunderten auf den königlichen Schiffen ausgeteilten Rumrationen abgeschafft.

Erst war es Bier, gut vier Liter täglich, die jedes Mitglied der Crew pro Tag erhielt. Ab 1655, nachdem die Zuckerrohrinsel Jamaica kolonialisiert war, rollte das "Rum Tub" an Bord, dabei handelte es sich um ein reich verziertes und mit Messing beschlagenes Fass Rum. Immer zwischen 11 und 12 Uhr wurde an Bord der Befehl "Splice the mainbrace" gegeben, was etwa dem deutschen "Besanschot an" entspricht und natürlich nicht ans Segel ruft, sondern an die Gläser.

Der Rum ersetzte das leicht verderbliche Malzgebräu, und zwar auf einschlagende Art: Zweimal, 1850 und 1881, musste sich sogar das Parlament mit den Auswüchsen der benebelten Matrosen beschäftigen. Kein Wunder, denn Rum ist eine Verballhornung des englischen Wortes Rumbullion, was Aufruhr bedeutet. Die tumultartigen Zustände nach dem täglichen halben Pint Rum kann man sich vorstellen, schließlich war er hochprozentiges Feuerwasser. Dessen Durchschlagskraft wurde getestet, indem man es auf Schießpulver schüttete. Brannte das Pulver trotz des Gusses, war der Rum gut, also mindestens 57 Prozent stark.

Hochexplosiver (Diskussions-)Stoff also. Bereits seinerzeit im Parlament entzündeten sich daran hitzige Debatten. Es wurde vorgeschlagen, die Rumzuteilungen völlig zu streichen. Vergeblich. Immerhin setzten die Abgeordneten die Teilungen der Zuteilungen durch. Aus einem halben (etwa 280 Milliliter) wurde ein Viertelliter Pint, am Ende blieb der "Tot", der "Knirps", übrig. Er musste jetzt, 70 Milliliter klein, den ganzen Spaß besorgen.

Erst etwa ein Jahrhundert später, nach der historischen "Great Rum Debate", hatten die parlamentarischen Spielverderber Erfolg. Statt Rum gab es seit jenem Sommertag im Juli 1970 nun wieder Bier, allerdings nur zwei Dosen täglich. Die Matrosen "feiern" die Abschaffung der Ration auf ihre Art: Seither gießen sie jeden 31. Juli einen "Knirps" in die See und einen weiteren in die Kehle.

Maik Brandenburg am 31.07.2013

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