Helmut Schmidt
Der Segler mit der schnellen Schnauze

Das Segeln lernte er bei der Marine-Hitlerjugend – von Ideologien hatte er bald genug, dem Wassersport aber blieb er sein Leben lang treu

  • Karolina Meyer-Schilf
 • Publiziert am 11.11.2015

YACHT-Archiv/H. Dietrich Habbe Helmut Schmidt auf dem Brahmsee

Seit jeher haftete dem öffentlichen Bild Helmut Schmidts etwas Maritimes an: "Der Lotse", "der Käpt'n", "der Macher" während der Hamburger Flutkatastrophe, auf vielen Fotos zünftig mit Elblotsen-Mütze.

Seine seglerischen Wurzeln liegen an der Alster, ausgerechnet bei der Marine-Hitlerjugend lernte er den Umgang mit Schot und Pinne: "Das Beste an der Marine-Hitlerjugend war das Kuttersegeln auf der Alster, das ich bald mit großer Begeisterung gegen das Rudern eintauschte", wird Schmidt in der jüngst erschienenen Biografie von Sabine Pamperrien zitiert. Was genau den damals eher schmächtigen Hamburger Jung' am Segeln so begeisterte, erklärte er Jahrzehnte später augenzwinkernd in einem Gespräch mit Hamburgs Erstem Bürgermeister Olaf Scholz, abgedruckt in der ZEIT: "Ich bin seit meiner Kindheit nicht mehr gerudert. Das war mir zu anstrengend. Ich war froh, dass ich segeln konnte."

Später wurde Schmidt begeisterter Conger-Segler, seit 1958 besaßen der damalige Bundestagsabgeordnete und seine Ehefrau Loki ein Ferienhaus am Brahmsee. Dort lag auch sein Conger, dort entspannte sich die Familie Schmidt in den Ferien. Mit dem sportlichen Laser, den Schmidt vom kanadischen Premierminister Pierre Trudeau geschenkt bekam, konnte er hingegen nichts anfangen: Er nannte ihn nur "das Plättbrett".

YACHT-Archiv/H.Dietrich Habbe Am liebsten segelte Schmidt Conger. Den Laser nannte er "das Plättbrett"

Ein Leben völlig ohne Glamour: das Reihenhaus in Hamburg-Langenhorn und das Ferienhaus am Brahmsee. Bei einer Rede als Bundeskanzler an der Sporthochschule Köln 1979 mit dem Zwischenruf konfrontiert, Segeln sei doch elitär, entgegnete er nur: "Segeln? Das ist schon lange nicht mehr elitär. Vielleicht bei euch in Köln, aber nicht bei uns an der Küste!" Schmidt-Schnauze eben.

YACHT-Archiv/H. Dietrich Habbe Helmut Schmidt besaß seit 1958 am Brahmsee ein Ferienhaus

Was er von staatlicher Einmischung in den Segelsport hielt, machte er am Rande der Kieler Woche 1976 gegenüber dem DSV klar: "Als Segler möchte ich, um es einmal so frei auszudrücken, von Behörden möglichst nicht belämmert werden!"

Der "Mann mit der schnellen Schnauze", als der sich 1957 der junge Bundestagsabgeordnete vorstellte, ist am gestrigen Dienstag in seiner Heimatstadt Hamburg gestorben.


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Themen: BrahmseeBundeskanzlerCongerHamburgHelmut SchmidtKieler WocheLaserLotse

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