Imoca-Klasse

Der schnellste Open 60 segelt wohl nicht Vendée Globe

Alex Thomsons alte "Hugo Boss", derzeit das Maß der Dinge in der Klasse, wurde anscheinend an Charlie Enright verkauft, der damit das Ocean Race segeln will

Andreas Fritsch am 21.06.2019
Route du Rhum 2018
Alex Thomson Racing

"Hugo Boss" mit Skipper Alex Thomson

Noch vor wenigen Wochen, als die YACHT im britischen Gosport beim Testschlag mit dem frisch refitteten deutschen Open 60 des Offshore Teams Germany unterwegs war, lag sie verwaist am Steg, der Sponsoren-Logos bereits entledigt: Alex Thomsons radikaler Open 60 "Hugo Boss", mit dem er Zweiter bei der Vendée wurde, und beim letzten Transat weit in Führung liegend das Feld dominierte, scheinbar nach Belieben schneller segelte als die Konkurrenz. Auf Fragen vor Ort über die Zukunft des Bootes, das in wenigen Wochen von einem Neubau abgelöst wird, gab es von den Briten vor Ort nur ein: "No comment."

Charlie Enright und Mark Towill

Charlie Enright und Mark Towill

Doch nun vermeldet die französische Segelzeitung "Bateaux" auf Facebook, dass das Boot im französichen Open-60-Mekka Port La Fôret gesichtet wurde. Rückfragen bei den schon emsig an Bord schraubenden Technikern ergaben, dass offenbar das US-Ex-Volvo-Ocean-Race-Team um Charlie Enright und Mark Towill ("Vestas 11th Hour Racing") das Boot für ihr neues Team "1 Degree" gekauft hat.

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Auf Nachfrage soll Enright erklärt haben: "Wir testen und trainieren auf der alten ‘Hugo Boss‘ in der Hoffnung, am Transat Jacques Vabre im Herbst teilnehmen zu können, aber es ist noch nicht entschieden, und es gibt noch keine Sponsoren. Wir haben noch nicht gemeldet. Wir hoffen aber, bald unser Programm für die nächsten Rennen bekannt zu geben." Offenbar plant das Team, die alte "Hugo Boss" als Plattform für das nächste Ocean Race 2021 zu nutzen, dem Nachfolger des Volvo Ocean Race, das nun auch auf Open 60s gesegelt wird.

Sollte dem so sein, hätte Alex Thomson sich elegant eines ernsten Konkurrentens für die nächste Vendee Globe entledigt. Denn zurzeit gilt sein Boot als der schnellste Open 60. Hätte den ein fähiger französischer Skipper in die Finger bekommen – und zurzeit sind diverse Top-Leute wie beispielsweise Paul Meilhat noch ohne Boot für die Vendée – und dann mit einem neuen Paar Foils aufgerüstet, hätte er Thomsons neuer "Hugo Boss" wahrscheinlich ernste Konkurrenz machen können.

Doch Charlie Enright, der bereits zwei Volvo Ocean Races mit den Teams von "Alvimedica" und "Vestas 11th Hour Racing" gesegelt ist, scheint kein Interesse an dem Rennen zu haben. Stattdesssen will wohl endlich ein siegfähiges Team für das Ocean Race zusammenstellen wollen. Und dafür ist ein möglichst früher Beginn des Trainings auf einer guten Plattform essentiell. Da scheint es nur schwer denkbar, dass er das Boot kurz vor dem Rennen für eine Vendée-Kampagne aus den Händen gibt. Ob dann die alte "Hugo Boss" das Ocean Race bestreitet oder ein neues Boot gebaut wird, ist eine Frage des Budgets. 

Andreas Fritsch am 21.06.2019

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