Bootsbau

Dehler reißt Etap mit in die Krise

Nach dem Produktionsstopp der deutschen Werft hat jetzt auch die vor einem Jahr von Dehler übernommene Etap-Yachting Insolvenz beantragt

Jochen Rieker am 08.01.2009

Die finanzielle Schräglage von Etap war abzusehen. Spätestens seit Dehler-Geschäftsführer Wilan van den Berg Mitte Dezember den Gang zum Amtsgericht antreten musste, war auch das belgische Tochterunternehmen akut gefährdet.

Eigentlich hätte die Zusammenarbeit der beiden Marken die Rettung sein sollen. Noch im Januar 2008 verkündete Wilan van den Berg, dass er erhebliche Synergieeffekte durch die Übernahme von Etap durch Dehler sehe.

Die Voraussetzungen dafür waren tatsächlich gut. Beide Marken waren sich ähnlich, ohne im Produktportfolio irgendwelche Überschneidungen aufzuweisen. Etap stand für sichere und gut gebaute Fahrtenschiffe für die Familie, Dehler bediente den Markt für sportliche Yachten.

Schon kurz nach Ankündigung der Übernahme von Etap durch die neu gegründete Dehler Yachts Belgium BV ließ van den Berg die älteren Modelle 36 und 39 im belgischen Malle produzieren. Damals war die Fertigung von Dehler in Freienohl restlos ausgelastet durch die gute Auftragslage bei den neuen Modellen Dehler 34 und 44.

Letzte Entwicklung. Die Etap 30 CQ ist eine Überarbeitung der 28s. Seit Wochen aber ruht die Produktion in Belgien

Doch der Personalausbau, die Komplexität der zwei Standorte und die Investitionen in die Entwicklung der Dehler 60 brachten erhebliche Unwuchten in das Firmenkonglomerat. Zusätzlicher Finanzierungsbedarf konnte nicht gedeckt werden. Dann kam die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hinzu und vereitelte alle Rettungsversuche. Selbst die Aussicht auf eine Landesbürgschaft half nicht, weshalb van den Berg schließlich Gläubigerschutz für Dehler beantragen musste. Seitdem ruhte auch die Produktion bei Etap in Malle.

Die belgische Werft sowie der gesamte Maschinenpark ist nach wie vor im Besitz der Familie Joris, die ihr Vermögen mit einer internationalen Beleuchtungsfirma verdient hat. Der Standort war lediglich geleast. Dehler hatte bei der Akquisition von Etap nur die Markenrechte und Formen gekauft. Angeblich stehen noch hohe sechstellige Zahlungen aus.

Nach Informationen von YACHT online werden bei der Mitte Januar beginnenden "boot" Düsseldorf, der weltweit wichtigsten Wassersportmesse, beide Marken nicht vertreten sein. Der vorläufige Insolvenzverwalter von Dehler Deutschland, Dr. Axel Kampmann, hofft aber auf eine Rettung der Werft in Freienohl — wenn auch mit stark reduzierter Mannschaft. Die Entscheidung darüber fällt allerdings erst in den kommenden Wochen.

Derweil ist das Schicksal von Etap völlig ungewiss.

Hintergundbericht YACHT online vom 18.12.2008 zur Dehler-Krise

Jochen Rieker am 08.01.2009

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