Refit-Blog, Woche 119

Deck lackiert, Beschläge montiert: Die Dehlya wird wieder

Endspurt. Echt jetzt!!! Nur noch wenige Aufgaben bleiben auf der lange Zeit endlos scheinenden To-do-Liste unseres Dehlya-Refits. Was seit der boot geschah

Jochen Rieker am 26.02.2019
Dehlya 25 Refit - Deckslackierung
YACHT/N. Günter

In den zahlreichen Metamorphosen, die unser 80er-Jahre-Boot inzwischen durchlaufen hat, sind wir inzwischen im letzten Stadium der Wieder-Yacht-Werdung angekommen. "Wie jetzt? Sah doch schon ganz schnieke aus auf der boot Düsseldorf", mag der ein oder andere einwenden. Aber es gibt ja immer noch Steigerungspotenzial bei einem Refit, wenn auch inzwischen nicht mehr viel.  

Nach der Messe ging's für die Dehlya zunächst wieder nach Wilhelmshaven, um die Decksbeschläge abzunehmen. Dann weiter nach Kappeln zu Peter Wrede Yacht Refit, auch so eine Station, die man als unsere zweite Heimat bezeichnen könnte. Dort stand die Endlackierung des Decks an, das dafür natürlich so schier wie irgend möglich sein musste. 

Einige Besucher auf der boot befanden das matte Nato-Grau, das die Dehlya bis dahin zeigte, schon als "irgendwie ganz cool". Das aber war nur die Grundierung, die unbarmherzig die letzten kleinen Unebenheiten offenbarte. Was daraus in den ersten beiden Februar-Wochen wurde, ist schwer in Worte zu fassen.

Ein Deck wie aus flüssiger Milch

Dehlya 25 Refit - Deckslackierung

Vorher

Dehlya 25 Refit - Deckslackierung

Nachher

Als YACHT-tv-Produzent Nils Günter die ersten Kreuzgänge der Lackierung filmte, hatte er Mühe, die Umrisse überhaupt nur scharf zu kriegen mit seiner Kamera. Überall nur spiegelndes Oyster White – so heißt das leicht gebrochene Weiß von AwlGrip, das wir fürs Deck ausgewählt haben. Es kommt einem Gelcoat optisch sehr nah. Auf den Fotos und im Film, den es demnächst hier auf yacht.de zu sehen gibt, wirken Cockpit, Kajütaufbau und Laufdeck der Dehlya wie mit flüssiger Milch übergossen. Ein umwerfender Anblick!

Wrede-Lackierer Roman Paschke musste zunächst noch einige Manntage an Vorarbeit leisten: Zunächst einmal galt es, die Oberfläche zu reinigen und zu entfetten; schließlich war das Deck zigtausendfach befühlt und befingert worden. Dann füllte Paschke kleine Fehlstellen mit Feinspachtel, schliff alles an, entfettete erneut, nahm die letzte Stäubchen mit einem Bindetuch auf, bevor er zur Spritzpistole griff.

"In dieser Vorbereitung steckt das Endergebnis", erklärt Peter Wrede. "Wer hier nicht akribisch bis ins Letzte arbeitet, wird nie Perfektion erlangen." Deshalb betreut bei Wrede jeder der elf Lackierer an den vier Standorten in Wedel, Kappeln, Neustadt und Greifswald ein Projekt ganzheitlich – vom ersten bis zum letzten Arbeitsschritt.  

Drei Schichten applizierte Roman Paschke schließlich in Kreuzgängen nass in nass; dazwischen lüftete der AwlGrip-Lack jeweils eine Stunde ab, damit sich das Lösemittel verflüchtigen konnte. Dann wurde zwölf Stunden lang bei 30 Grad getempert, um eine kontrollierte Aushärtung zu gewährleisten. Das Deck unserer Dehlya sieht jetzt tatsächlich besser aus als neu, und es ist obendrein leichter zu pflegen. Wegen der hohen Oberflächengüte von AwlGrip wird es, anders als bei Gelcoat, jahrelang keiner Politur bedürfen.

Fotostrecke: Endlackierung und sonstige Decksarbeiten

Kielhydraulik – kommt er, kommt er nicht?

Mitte Februar ging's dann wieder auf die Straße – von Kappeln retour nach Wilhelmshaven. Transporte belasten inzwischen das Nervenkostüm der Fahrer nicht unerheblich, weil die Fracht auf dem VanClaas-Trailer mit jeder Station immer wertvoller wird. Was wäre, wenn das Gespann vom Kurs abkäme, noch bevor das Boot Wasser unterm Kiel hatte? Man mag es sich gar nicht ausmalen. Ging aber – einmal mehr – alles gut!  

Bei Jade Yachting wird die Dehlya jetzt wieder zum Segelboot. Das jungfräulich weiße Deck erhielt in den vergangenen Tagen die nötigen Beschläge: Winschen, Genuaschienen, Umlenker, Fallhebelstopper, Relingsstützen, Bug- und Heckkorb, erstmals seit langem auch Klampen. Eine echte Zier in Alu und Edelstahl.

Am Niedergangsschott hat Azubi Max Engelke beherzt die Löcher für unsere Garmin-Instrumente gebohrt – nicht, ohne vorher alles sorgsam abgeklebt zu haben. Denn das letzte, was wir jetzt verkraften könnten, wäre ein Ratscher im frisch lackierten Deck. Undenkbar!

Gestern rumpelte erstmals auch der Kiel nach unten. Der wird, wie aufmerksame Refit-Blog-Leser wissen, bei uns von einer neu konstruierten elektro-hydraulischen Power-Box bewegt statt über eine Spindel. Die Power-Box funktioniert auch. Allerdings konnten wir sie noch nie richtig ausprobieren, weil die Dehlya ja auf dem Trailer stand und der Kiel mithin aufgeholt war. In der Werfthalle von Jade haben sie zum Glück eine Laufkatze unterm Dach. Dehlya also hoch, Knopf gedrückt, Kiel runter. Läuft... – von anfänglichen Maleschen wie ungenügendem Füllstand des Hydrauliköls und Null-Justierung mal abgesehen!

Ein halbes Dutzend Aufgaben hier und da noch, ein, zwei Mal telefonieren, ein paar Tage Arbeit – dann sagen wir dem Team um Tobi Schadewaldt, Hendrik Kohrs, Christin Egbers, Christian Fahl, Max Engelke und Junggeselle Marcel Kloster wehmütig tschüß. Und danach? Auf nach Süden! Aber davon mehr im nächsten Refit-Blog.   

Jochen Rieker am 26.02.2019

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