Revier
Darßer Ort: Never ending story

Ausbaggerung der Fahrrinne zum Nothafen soll diesen Monat beginnen. Umweltschützer wollen die Arbeiten allerdings gerichtlich stoppen lassen

  • Pascal Schürmann
 • Publiziert am 19.07.2012

YACHT/H.Schmidt Seit Monaten versandet: die Einfahrt zum Nothafen Darßer Ort

Die gute Nachricht: Anfang der Woche hat das zuständige Ministerium für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung Mecklenburg-Vorpommern nach einigen Verzögerungen endlich den Auftrag zur Ausbaggerung der versandeten Zufahrtsrinne zum Nothafen an ein Unternehmen vergeben. Die schlechte Nachricht: Ob mit den Arbeiten tatsächlich in den nächsten Tagen begonnen werden kann, darüber entscheidet erst noch ein Gericht.

Die „Ostsee Zeitung“ (OZ) hatte darüber hinaus berichtet, dass man sich bei dem betreffenden Unternehmen, der Deutsch-Dänischen Wasserbau GmbH mit Sitz in Arnis an der Schlei, anfangs auch trotz des erhaltenen Auftrags offenbar noch nicht im Klaren gewesen sei, wann gebaggert werde. Grund sei wie so oft, wenn es um den Nothafen geht, der Umweltschutz.

Von Mitte August bis Ende Oktober darf am Darß zum Schutz der Vögel nicht gearbeitet werden. Da es aber einige Zeit dauern würde, bis die Baggerschiffe am Darß eintreffen, sei es fraglich, ob es überhaupt noch Sinn mache, vor der Sperrzeit mit der Ausbaggerung der versandeten Fahrrinne zu beginnen. So ein Mitarbeiter der Wasserbau-Firma gegenüber der OZ.

Ministeriumssprecher Steffen Wehner versicherte heute allerdings gegenüber YACHT online, dass es nunmehr eine Absprache zwischen den Fachabteilungen des Ministeriums und der Firma gegeben habe. Danach werde diese mit den Baggerungen auf jeden Fall noch im Juli beginnen.

Ziel sei, so Wehner, bis zum Anfang der Vogelschutzzeit Mitte August die Fahrrinne zumindest so weit auszubaggern, dass der Seenotrettungskreuzer der DGzRS wieder im Nothafen stationiert werden könne. Der muss schon seit Wochen vom entfernten Hafen Barhöft aus operieren und war zuletzt tatsächlich schon in Notfällen länger als nötig zum Einsatzort am Darß unterwegs gewesen.

Nach der Sperrfrist Anfang Oktober sollen die Baggerarbeiten am Nothafen fortgesetzt werden. Die Segelsaison ist dann allerdings schon so gut wie vorbei.

Insgesamt geht es um rund 45.000 Kubikmeter Sand, die aus der Fahrrinne geholt werden und entgegen der ursprünglichen Planung nun rund zehn Kilometer vor der Küste in der Ostsee verklappt werden sollen. Sich des Baggerguts direkt an geeigneten Stellen im Nothafen oder zumindest strandnah zu entledigen, wie bei den letzten Ausbaggerungen, davon sieht das Ministerium inzwischen ab.

Denn die Region gehört zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Mit der zuständigen Nationalparkverwaltung konnte sich das Ministerium bis heute nicht auf eine gemeinsame Lösung einigen. Daher will man deren Zustimmung nun umgehen, indem man mit der Verklappung auf die hohe See ausweicht. Auch wenn das die in der Ausschreibung veranschlagten Kosten von 385.000 Euro am Ende noch einmal deutlich nach oben treiben dürfte.

Auch von anderer Seite regt sich bereits Widerstand. WWF und BUND wollen nämlich jegliche Baggerarbeiten noch in letzter Minute per Gerichtsbeschluss stoppen. Die Umweltschützer verweisen auf einen Vergleich mit der Landesregierung, der vor drei Jahren geschlossen wurde und an den das Land weiterhin gebunden sei. Weitere Ausbaggerungen darf es demnach am Darß nur geben, wenn die Landesregierung im Gegenzug ein Raumordnungsverfahren einleite, um nach einem geeigneten Standort für einen Alternativhafen in Prerow oder Zingst zu suchen.

Solch ein Raumordnungsverfahren ist aber bis heute nicht eingeleitet worden. Und zwar, so Ministeriumssprecher Wehner, weil darauf am Darß verzichtet werden könne. Die zuständigen Behörden hätten längst signalisiert, dass die Region in den vergangenen Jahren derart gründlich erfasst worden sei, dass ein weiteres Raumordnungsverfahren überflüssig sei.

Darüber hinaus habe sich Prerow bereits in der Vergangenheit gegen ein Hafenprojekt ausgesprochen. Und eine Inselhafen-Lösung vor Zingst scheitert wohl an deren Unfinanzierbarkeit. Momentan prüfe das Umweltministerium eine kleine Lösung: einen Wellenbrecher vor Zingst mit einem kleinen Steg nur für den Rettungskreuzer.

Nun muss also das zuständige Verwaltungsgericht in Greifswald entscheiden, ob ab nächster oder spätestens übernächster Woche am Darß gebaggert werden darf oder nicht. Die Richter haben angekündigt, noch diese Woche eine Entscheidung zu treffen.

Auf der Strecke bleibt angesichts des anhaltenden Gezerres um den Nothafen die Sicherheit des Schiffsverkehrs vor dem Darß. Sollte die Ausbaggerung tatsächlich unterbunden werden, müsste der Seenotrettungskreuzer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) weiterhin von Barhöft aus operieren.

In einer Stellungnahme der DGzRS zu einem der jüngsten Einsätze heißt es daher: „Erneut hat sich die Notwendigkeit gezeigt, gerade in diesem Bereich der Ostseeküste eine DGzRS-Station vorzuhalten, von der aus die Seenotretter in Notfällen unmittelbar und schnell eingreifen können. Allein im Jahr 2011, als der Seenotkreuzer den Nothafen Darßer Ort noch durchgängig anlaufen konnte, hat seine Besatzung bei 43 Einsätzen 45 Menschen aus Seenot gerettet oder Gefahren auf See befreit.“


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Themen: ausbaggerungBaggerarbeitenbaggernBaggerungDarßer Ort

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