Blauwasser

Crew nach Abschiebung aus Neuseeland zurück in Deutschland

Drei Segler aus Berlin sind trotz Einreiseverbot in Neuseeland eingelaufen. Die Folgen: Haft und Ausweisung. Was mit dem Schiff passiert, ist noch unklar

Kristina Müller am 02.10.2020
Anita
J. Kraus

Abruptes Ende einer Weltumsegelung: Die "Anita", hier am Ankerplatz im Pazifik, ist nun in Neuseeland beschlagnahmt

Dass es ein Törn ins Ungewisse werden würde, war Jakob Kraus und seiner Crew klar, als er vor einigen Wochen Papeete auf Tahiti verließ. Dass dieser Törn über den halben Pazifik jedoch mit Haft in Neuseeland und einer Abschiebung aus dem Land enden würde, nicht. 

Seit heute sind Jakob Kraus, 30, Freundin Sophia Ulbrich, 27, und Freund Hans Börner, 32, zurück in Deutschland. Hinter ihnen liegen nicht nur 2000 Seemeilen von Tahiti nach Neuseeland und ein Flug um die halbe Welt, sondern auch Tage voller Ungewissheit, die noch längst nicht beendet ist, wie Kraus im Gespräch mit YACHT online berichtet.

Die junge Crew hatte Papeete Mitte September verlassen, mit Kurs Neuseeland. Die Wirbelsturmsaison im Südpazifik naht da bereits. Alljährlich brechen um diese Zeit Hunderte Yachten von den Inseln Französisch-Polynesiens in Richtung Süden auf, um der Zugbahn der Zyklone zu entkommen. Neuseeland ist dann das Ziel der Segler, um dort den Winter zu verbringen und vielfach auch Reparatur- und Refit-Arbeiten an den Schiffen zu erledigen.

Auch der Plan der "Anita"-Crew sieht das vor. Zudem stehen Flüge nach Deutschland an. Jakob Kraus und seine Freunde befinden sich auf einer Weltumsegelung in Etappen. Immer wieder fliegen sie für ein paar Monate in die Heimat, um zu arbeiten oder Wichtiges zu erledigen. 

Doch in diesem Jahr ist alles anders: Die neuseeländischen Gesundheitsbehörden haben aufgrund der Corona-Pandemie seit dem 30. Juni ausländischen Yachten die Einreise untersagt. Nur wer einen Antrag stellt und eine Ausnahmegenehmigung zur Einreise erhält – etwa aus humanitären Gründen –, darf ins Land. Die Sorge vor der Zyklonsaison allein und der Wunsch, im Land zu überwintern, reichen als Einreisegründe nicht aus. 

Jakob Kraus und seine Crew stellen den Ausnahmeantrag. Umfangreiche Arbeiten am Boot sind in Neuseeland geplant, Verträge mit Werften bereits geschlossen. Auch das ist einer der Gründe, die für ein Einreise-Ersuchen vorgebracht werden können. 15 bis 20 Tage soll die Bearbeitung des Antrags dauern, etwa so lange wie die Passage mit der "Anita" nach Neuseeland. 

Da die Zeit lauft und die Crew sich annähernd sicher ist, dass sie ausreichend Argumente vorgebracht hat, die eine Ausnahmegenehmigung rechtfertigen, segelt sie los. Der Notfall-Plan für den Fall, dass der Antrag nicht genehmigt wird, sieht vor, weiter nach Fidschi zu segeln.  

Als Neuseeland noch gut 48 Stunden voraus liegt, ist der Antrag immer noch nicht bewilligt. Die Crew nimmt Kontakt zu den Behörden an Land auf – über die Kurzwellenanlage an Bord ist das auch von See aus möglich. Der Antrag wird abgelehnt.

Fast der halbe Pazifik liegt da hinter der "Anita", über 2000 Seemeilen. Eine Entscheidung muss her. Eigentlich lautet der Plan nun, nach Fidschi abzudrehen. Doch ein Sturm ist angesagt, zudem hat sich unterwegs ein Schaden am Mastfuß bemerkbar gemacht, der kapitale Folgen haben könnte. Die "Anita" nimmt Kontakt mit der Küstenwache auf und steuert die Bay of Islands im Norden der Nordinsel von Neuseeland an. Dass diese Entscheidung letztlich eine Anhörung vor Gericht und sogar Haft in verschiedenen neuseeländischen Gefängnissen einbringen wird, scheint in dem Moment schwer vorstellbar.

Doch genau das passiert. Aus der anfänglichen Hoffnung, eine 14-tägige Quarantäne am Steg in der Marina verbringen zu können, wird nichts. Stattdessen werden die Segler aus Berlin in verschiedenen Gefängnissen inhaftiert, bis hin zum Abschiebeflug über Singapur nach Frankfurt am Main, wo sie heute angekommen sind. 

Was aus der "Anita" wird? Jakob Kraus weiß es noch nicht. Im schlimmsten Fall steht eine Pfändung des Schiffes an, so fürchtet er derzeit. Auch hätten Freunde auf Tahiti schon angeboten, das Boot aus dem Land zu bringen, wenn das wieder möglich sei. Nun müsse die Crew erst einmal wieder in Deutschland ankommen, das Erlebte verarbeiten – und schauen, wie es weitergeht.

Kristina Müller am 02.10.2020

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