Weltumsegelung

Conrad muss sein Nonstop-Projekt verschieben

Zweimal ist Peter Conrad aufgebrochen, um die Welt allein und ohne Stopp zu umsegeln, zweimal endete der Törn nur wenig später • Neuer Versuch im nächsten Jahr

Uwe Janßen am 30.10.2018
Peter Conrad
YACHT / K. Andrews

Einhandsegler Conrad auf seiner „Timshal“

Eigentlich war die Uhr schon lange abgelaufen. Um seinen Traum von einer Nonstop-Einhand-Weltumsegelung wahr machen zu können, hätte Peter Conrad längst unterwegs sein müssen, um im Südsommer bei den entsprechenden Wetterverhältnissen an den großen Kaps zu sein. Aber noch vorige Woche mochte der Skipper aus Eckernförde eine sehr, sehr späte Ausreise zur Nonstop-Weltumsegelung nicht ausschließen. Bis heute hoffte er, dass es doch noch irgendwie hinzukriegen sein müsste. Acht Jahre lang hatte er sich schließlich auf diesen Törn hingefiebert und hingearbeitet. Nun aber rang er sich doch dazu durch, das Projekt fürs Erste auf Eis zu legen. 

Zunächst war der 48-Jährige nach entbehrungsreichen Jahren, in denen alles andere der Vorbereitung dieses Vorhabens untergeordnet war, am 10. Juli in Eckernförde ausgelaufen. Nur einen Tag später musste er im Großen Belt aufgeben, nachdem seine „Timshal“ übers Deck Wasser gemacht hatte, obwohl sie bei allen Testfahrten zuvor immer trocken geblieben war.

Peter Conrad

Conrad unter seinem selbstgebauten Dodger

Conrad versiegelte den Teakbelag mit Kunststoff, verholte das Schiff nach Cuxhaven und brach dort am 7. August zu seinem zweiten Versuch auf. Aber auch der war gleich nach dem Start beendet: Diesmal setzte ein Bandscheibenvorfall den Skipper bei Borkum außer Gefecht.

Nun ist Conrad ein ausgewiesener Kämpfertyp, den Rückschläge nicht verzweifeln lassen, sondern weiter anstacheln. Nach der Devise „Jetzt erst recht“ werde er seine Pläne weiterverfolgen, sagte er der YACHT in einem großen Gespräch (Heft 18/2018). Tatsächlich quälte er sich trotz enormer Schmerzen wieder hinaus auf die Nordsee – zunächst sicherheitshalber in Begleitung seiner Lebenspartnerin –, um zu ergründen, ob Segeln trotz der bösen Rückenverletzung nicht doch möglich wäre. Er sagte: „Das Leben bringt eben auch Hürden mit sich. Entweder man nimmt diese oder bleibt vor ihnen stehen. Sie zu umgehen wurde mir nicht in die Wiege gelegt.“

So erreichte er unter schwierigen Umständen das niederländische IJmuiden. Dort wartete und hoffte er seither monatelang – auf Genesung und gnädige Wetterbedingungen, die eine extrem späte Ausreise vielleicht doch noch zuließen. Es war eine ziemliche Qual, wie Conrad sagt: „Die letzte Zeit war nicht einfach für mich. Ich mag keinen Stillstand. Dieses Nichtvorankommen zehrt an meinen Nerven. Eigentlich ist es zu spät im Jahr, um das Projekt noch 2018 zu verfolgen, und das Wetter hier vor Ort lässt mich nicht gefahrlos durchsegeln. Es ist zermürbend.“          

Mittlerweile haben die Schmerzen im Kreuz nachgelassen. Da aber eine Ausreise noch in diesem Herbst mittlerweile auch ihm sinnlos erscheint, verzichtet Conrad darauf. Er kündigt für den nächsten Sommer einen neuen Versuch an. 

Die Zwischenzeit will er nutzen, um seine Yacht weiter zu optimieren. Ein Watermaker soll auf der DEB 33 installiert werden. Die Trinkwasservorräte – mehr als 400 Liter – könnten dann stark dezimiert werden, was eine enorme Gewichtsersparnis zur Folge hätte. Außerdem steht zur Diskussion, auch das lecke und später versiegelte Teakdeck herunterzunehmen. Auch diese Maßnahme würde das Gewicht der Yacht erheblich reduzieren. Dass er der Sache nach all den Rückschlägen und Verzögerungen irgendwann überdrüssig würde, schließt Conrad nach wie vor aus. "Ich kann diesen Wunsch einfach nicht abstellen", sagt er. "Und wenn ich es könnte, wollte ich es nicht." 

Uwe Janßen am 30.10.2018

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