Kriminalität

Chartercrews auf den Kapverden überfallen

Binnen weniger Tage sind auf der Kapverdeninsel Santiago zwei Yachten am Ankerplatz überfallen und ausgeraubt worden. Die Crews blieben nur mit Glück unverletzt

Pascal Schürmann am 07.04.2020
Kapverden Tarrafal Santiago
S. Pierre

Die Bucht von Tarrafal im Norden der Kapverdeninsel Santiago

Die Überfälle auf eine deutsche und eine Schweizer Chartercrew ereigneten sich bereits Anfang Februar. Beide Schiffe – eine Oceanis 393 mit drei Seglern sowie eine Sun Odyssey 519 mit sechs Seglern an Bord – hatten vor Tarrafal im Norden der Insel Santiago über Nacht geankert. 

Beide Schiffe wurden nach Einbruch der Dunkelheit von einer Gruppe mit Messern bewaffneter Männer geentert. Sie fesselten und knebelten die Segler und durchsuchten dann die Schiffe nach Wertsachen. Neben Bargeld und Kreditkarten hatten die Kriminellen es auf Handys, Tablets, Laptops, Uhren und Schmuck abgesehen. Sogar die Eheringe mussten die Segler bei zumindest einem der beiden Überfälle den Dieben aushändigen.

Einer der Segler berichtet, dass die Diebe sehr zielgerichtet vorgegangen seien und den Eindruck hinterließen, nicht zum ersten Mal auf einer Yacht gewesen zu sein.

Der anschließende Gang der Crews zur Polizei blieb beide Male bislang erfolglos. Und das, obwohl eine der Crews der Polizei vor Ort sogar den Aufenthaltsort der Kriminellen kurz nach dem Überfall zeigen konnte. Eine GPS-Ortung eines der gestohlenen Handys verwies auf eine Adresse in der Nähe, später entfernte sich jemand mit dem Diebesgut nach Praia, der Hauptstadt der Kapverden im Süden Santiagos.

Trotz dieses Hinweises hätten die Beamten wenig unternommen. Den Seglern habe sich vielmehr der Eindruck aufgedrängt, dass die Polizisten Angst vor einer Konfrontation mit den Dieben hatten und es daher lieber bei einer willkürlichen Befragung einzelner – unschuldiger – Dorfbewohner beließen.

Für eine der beiden Crews war es sogar der zweite Raubüberfall binnen weniger Tage. Zuvor waren die Segler nachts im Hafen von Praia Opfer eines Diebstahls geworden. Im Schlaf hatten Unbekannte Bargeld und ein Handy von Bord gestohlen; die Segler bemerkten dies aber erst am nächsten Morgen.

Die Vorfälle verwundern, da solch schwere Raubüberfälle, bei denen nur aufgrund des besonnenen Verhaltens der Crews niemand körperlich zu Schaden kam, auf den Kapverden eigentlich der Vergangenheit angehören sollten. Lediglich die Hauptstadt Praia gilt bis heute noch als gefährlich und sollte von Seglern gemieden werden. Nach den jüngsten Erlebnissen muss eine solche Warnung nun wohl auf die gesamte Insel Santiago ausgeweitet werden.

Unbestätigten Gerüchten zufolge könnte es sich bei den Kriminellen um eine aus dem nahen Senegal eingereiste Bande handeln, die inzwischen die Insel wieder verlassen hat. Zumindest, so die Erfahrung eines Charterunternehmens, seien nach den Überfällen bereits wieder Segler in Tarrafal – übrigens nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Hafenort auf der kleineren Kapverdeninsel São Nicolau – gewesen, wenn auch nur tagsüber. Erneute Diebstähle oder gar Überfälle habe es nicht gegeben.

Im Gegenteil betonen die Crews – auch die, die überfallen worden sind –, wie gastfreundlich die Menschen auf den anderen Inseln seien und wie gut ihnen das Segelrevier gefalle.    

Pascal Schürmann am 07.04.2020

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