Südpazifik

Burghard Pieske aus Seenot gerettet

Seine Proa "Ana Varu" kenterte in einer Gewitterbö nur 70 Meilen vor dem Ziel in Mikronesien. Ein russischer Frachter barg ihn und seine zweiköpfige Crew ab

Andreas Fritsch am 14.06.2019
Pieske
B. Pieske

"Ana Varu" in voller Fahrt vor Guam

Der Lübecker Abenteurer war mit zwei einheimischen Crewmitgliedern auf dem Weg nach Lamotrek, als sie eine starke Bö in der tropischen Konvergenzzone erwischte, die für ihr launisches Wetter berüchtigt ist. Die YACHT erreichte ihn heute Morgen zu Hause in Lübeck, das Ganze passierte bereits vor einigen Tagen. 

Pieske

"Ana Varu" in voller Fahrt

"Wir hatten die ganze Nacht ein schweres Gewitter mit stürmischen Böen abgeritten, ich war die ganze Zeit am Steuer", erzählt der 74-Jährige. Als es dann bei Anbruch des nächsten Tages aufklarte, ging der Skipper völlig erschöpft in die Koje unter Deck der Proa und übergab das Ruder an seine indigenen Mitsegler Larry und Iseah. Alle waren von der stürmischen Nacht entkräftet –  so gelang es ihnen nicht, schnell genug die Schot zu öffnen, als unerwartet eine starke Bö einfiel und das Boot so weit krängte, dass der Luv-Schwimmer weit in die Höhe stieg. In der Folge kam es zur Kenterung. 

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Burghard Pieske  

"Ich bin davon wach geworden, dass ich plötzlich zwischen Müsli und Milchpulver auf dem Kajütdach lag! Es drang schnell Wasser ein", erzählt Pieske. "Ich habe dann die Epirb ausgelöst, und damit begann die Rettungsaktion. Zu sinken drohte die sehr leichte Proa nicht. Die US-Seenotretter koordinierten den Einsatz und schickten zunächst ein Suchflugzeug." Nach etwa fünf Stunden erreichte es sie und warf vier Pakete mit Proviant und Rettungsmitteln für die drei unverletzten Männer ab. Pieske und seine Crew saßen rittlings auf dem umgedrehten Boot. Dann leitete die Seenotzentrale einen russischen Frachter zu ihnen um, der sie relativ problemlos in Lee abbergen konnte. Die "Ana Varu", Pieskes GFK-Proa-Nachbau, musste aber aufgegeben werden.

Der Frachter setzte die drei dann 200 Meilen vor Guam, dem Starthafen, auf ein Boot der Coastguard über, das sie zurück nach Guam brachte. Von dort flog Pieske dann ein paar Tage später zurück nach Deutschland, wo er gerade angekommen ist. Noch ist nicht klar, wie es weitergeht, doch wer den Lübecker Abenteurer kennt, weiß, dass er nicht so schnell aufgibt. Sein Projekt, mit dem Nachbau einer einheimischen Proa auf den Spuren der Migrationsrouten der Südpazifik-Völker zu segeln, ist ein großer Erfolg und wurde vor Ort stark unterstützt. Die YACHT berichtete ausführlich davon. Entsprechend groß war die Anteilnahme nach dem Seenotfall. Es erscheint also durchaus realistisch, dass der Lübecker das seit 2017 laufende Projekt fortsetzt.

In der nächsten Ausgabe der YACHT wird Burghard Pieske ausführlich von seinem Projekt und dem Seenotfall berichten.

Andreas Fritsch am 14.06.2019

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