Nord-Ostsee-Kanal

Brunsbüttel wird erneut zum Nadelöhr

Am Freitag war der Frachter "Saint George" in das Tor der Nordschleuse gekracht. Bis Oktober wird nur eine Kammer schiffbar sein

Ricarda Richter am 23.03.2015
Havarie NOK Nordschleuse 2015 PR_Bild0037

Auch ein Totalschaden kann zurzeit nicht ausgeschlossen werden

Schlechte Nachrichten für diejenigen Segler, die den Nord-Ostsee-Kanal im Sommer als Tor zur jeweils anderen Seite Schleswig-Holsteins befahren: Nach einer schweren Kollision am Freitagmittag ist die Nutzung erneut stark eingeschränkt. Ein 131 Meter langes Frachtschiff hatte bei Einfahrt in die Brunsbütteler Schleuse aufgrund eines technischen Defektes Fahrt aufgenommen und war mit großer Geschwindigkeit in das zum Kanal gerichtete Tor gefahren. Auch das Werfen der Buganker im letzten Moment konnte die "Saint George" nicht mehr stoppen.

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Das Nordschleusen-Tor wurde fast komplett durchbohrt

"So einen großen Schaden hatten wir hier noch nie", sagte Thomas Fischer, Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes Brunsbüttel gegenüber den "Kieler Nachrichten". Das 1200 Tonnen schwere Nordschleusen-Tor wurde fast komplett durchbohrt und lässt sich nicht mehr bewegen, ein Totalschaden konnte noch nicht ausgeschlossen werden. Heute sollen Taucher den Bereich unter Wasser begutachten. Erst im Januar hatte es eine ähnliche Havarie in der Südschleuse gegeben, die dortige Passage konnte jedoch behelfsmäßig repariert werden. Das sich noch in einer Kieler Werft befindende Reserve-Tor kann erst im Mai geliefert werden. Bis wieder beide Kammern schiffbar sind, wird es jedoch Oktober werden.

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Im Bugwulst der "Saint George" klafft ein großes Loch

Auch die "Saint George" selbst hat einiges abbekommen, durch den aufgerissenen Bugwulst dringt Wasser ein. Die Weiterfahrt wurde der Schiffsführung untersagt, stattdessen laufen an Bord die Ermittlungen, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Der einer griechischen Reederei gehörende Frachter hatte den NOK schon des Öfteren passiert.

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Auch die der Kollision abgewandte Seite wölbt sich deutlich nach außen

Große Schiffe müssen von nun an wieder längere Wartezeiten bis zu vier Stunden in Kauf nehmen. Auch auf Kieler Seite wurden die Einfahrtszahlen entsprechend gedrosselt. Für Sportboote, die in die Ostsee wollen, bietet sich der Umweg über die Eider und den Gieselaukanal als Alternative an – die Fahrt dauert aber rund doppelt so lange wie über die klassische Strecke.
 

Ricarda Richter am 23.03.2015

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