Wetter

Brücken und Kanäle machen hitzefrei

Infolge der hohen Temperaturen müssen Segler damit rechnen, nicht mehr überall durchzukommen. Vor allem Klappbrücken blieben am Wochenende unten

Pascal Schürmann und Holger Peterson am 30.07.2018
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Johannes Erdmann

Wer in den vergangenen Tagen die Eider mit einem Segelboot mit stehendem Mast befuhr, kam nur bis Friedrichstadt. Dort konnte die Klappbrücke nicht mehr bedient werden – die Hitze hatte dem Bauwerk derart stark zugesetzt, dass sie geschlossen bleiben musste. Erst seit dem heutigen Montag ist sie wieder in Betrieb.

Auch Wassersportler in Oldenburg kennen das Problem. Die dortige, unmittelbar vor dem Hafen befindliche Eisenbahnbrücke über die Hunte bekommt regelmäßig hitzefrei, sobald die Temperaturen auf über 28 Grad Celsius klettern. Dann nämlich beginnt sich der Stahl, aus dem das historische Bauwerk errichtet wurde, so zu verziehen, dass nach einer Öffnung die beweglichen Brückenteile sowie die darauf verlegten Schienen zu lang werden und beim Schließen übereinander zu liegen kommen.

Und auch die infolge der anhaltend hohen Temperaturen in einigen Gebieten herrschende Wasserknappheit macht Bootsfahrern mittlerweile vermehrt zu schaffen. So gibt es auf einigen Binnenwasserstraßen derzeit statt Einzel- nur noch Sammelschleusungen, um nicht zu viel Wasser aus den Flussläufen und Kanälen zu entlassen. Betroffen hiervon sind insbesondere Wasserwege im Osten Deutschlands sowie laut der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes aktuell auch der Elbe-Lübeck-Kanal. Hier könne es vor Schleusen zu längeren Wartezeiten von bis zu zwei Stunden kommen.

So heißt es derzeit beispielsweise für die Mittlere-Spree-Wasserstraße: "Wegen niedriger Wasserstände ist es angebracht, die Betonnung ernst zu nehmen. Auf Teilabschnitten ist es nicht ratsam, die Strecke mit mehr als 70 Zentimetern Tiefgang zu befahren." Und auf der Elbe ist auf der Strecke Dömitz-Hitzacker die Fahrinnentiefe derzeit gleichfalls nur noch 70 Zentimeter trief, sodass größere Sportschiffe dort nicht mehr fahren können.

Kaum Wasser im Kanal

Auch YACHT-Blogger Martin Finkbeiner meldet zu wenig Wasser unterm Kiel. Er ist gerade mit seinem Segelboot auf dem Weg über die Kanäle ins Mittelmeer und steckt aktuell bei Deluz, einem französischen Ort kurz vor Besançon, im Rhein-Rhône-Kanal fest.

Brückenkühlung

Auch in Rotterdam mussten in den zurückliegenden Tagen Brücken mit Wasser gekühlt werden 

In einem weiteren Nachbarland, den Niederlanden, zeigen sich gleichfalls Auswirkungen der Hitzewelle. Temperaturen von 35 Grad haben dort Schäden an zahlreichen Brücken hervorgerufen. Besonders betroffen waren am Wochenende Segler, die den Eemskanal zwischen Delfzijl und Groningen befahren wollen: Die Fahrbahndecke der großen Driebondsbrug kurz vor Groningen wurde mithilfe von Wasserschläuchen geflutet, um sie zu kühlen. Geöffnet werden konnte sie nicht mehr.

Boote mit stehendem Mast konnten nur über das Lauwersmeer und die Robbengatschleuse wieder die offene Nordsee erreichen – ein Umweg von mindestens einem Tag mit Kurs nach Borkum. Inzwischen öffnet die Brücke aber wieder. Die betroffenen Segler zeigen notgedrungen Verständnis für die technischen Schwierigkeiten, kritisierten jedoch die Informationen der Kanalverwaltung. Weder Brückenwärter noch Hafenmeister in Groningen waren von der Sperrung informiert worden.

Schon eine Woche zuvor war es auch in anderen Teilen der Niederlande hitzebedingt zeitweise zu Brückensperrungen gekommen, wie etwa in Zwolle oder auch in Rotterdam. Mittlerweile sind die Temperaturen aber so weit gesunken, dass die Brücken landesweit wieder bedient werden.

Rechtzeitig informieren

Da es allerdings in den kommenden Tagen erneut heiß werden soll, sollten sich Segler, die binnen unterwegs sind, tunlichst frühzeitig über Sperrungen und Störungen von Schleusen und Brücken informieren. In den Niederlanden gibt es dazu eigens eine Seite, auf der in Echtzeit alle Öffnungen von Klappbrücken angezeigt werden. Hierzulande werden Störungen am ehesten in den Bekanntmachungen für Seefahrer sowie in den Nachrichten für die Binnenschifffahrt angezeigt.

Pascal Schürmann und Holger Peterson am 30.07.2018

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