Kriminalität

Bootsdiebstahl: 2018 Schäden in Höhe von 8 Millionen Euro

Kompetenz-Zentrum Bootskriminalität stellt Jahresstatistik vor. 26 gestohlene Sportboote, 44 Außenborder sowie ein Jetski und ein Trailer sichergestellt

Pascal Schürmann am 18.06.2019
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Ben Scheurer

Auf knapp 5,1 Millionen Euro beläuft sich der Wert der im vergangenen Jahr bei Dieben und Hehlern sichergestellten Boote und Bootsausrüstung. Das ist fast der doppelte Wert der Sicherstellungssumme von 2017 (2,6 Millionen Euro), wie das Kompetenz-Zentrum Bootskriminalität (KBK) mitteilt.

2018 sind deutschlandweit 196 Sportboote entwendet worden. Bei den meisten handelt es sich um trailerbare Motorboote und Ribs, aber auch Jollen und Segelyachten werden immer mal wieder gestohlen. Insgesamt seien im vergangenen Jahr vier Prozent weniger Bootsdiebstähle registriert worden als 2017 (205 Boote).

Ähnlich die Entwicklung bei der Zahl der gestohlenen Außenborder. Nachdem 2017 bundesweit insgesamt 1062 Motoren in die Fahndungslisten aufgenommen wurden, ging die Anzahl der neu erfassten entwendeten Bootsmotoren 2018 um sieben Prozent auf 988 Stück zurück.

Herausragend, so die Polizei, sei in diesem Zusammenhang der Rückgang der Diebstahlszahlen in Brandenburg um 30 Prozent von 341 auf 240 Motoren. Diese positive Entwicklung sei umso erstaunlicher, als dass dort in einem einzigen Fall 36 Motoren auf einmal entwendet worden waren.

Gestohlene Boote

Fahndungsplakat. Überwiegend werden zwar Motorboote gestohlen, doch auch Segelyachten sind darauf zu finden

Grundlage sei die erfolgreiche Arbeit einer auf Bootsmotoren spezialisierten brandenburgischen Ermittlungsgruppe, die eng mit den Ermittlungsbehörden in Berlin zusammenarbeitet. Auf diese Weise konnte im vergangenen Sommer eine von Polen aus agierende Diebesbande überführt werden. Ebenso wie mehrere aus dem osteuropäischen Raum stammende in Berlin festgenommene Täter war die Bande überregional in mehreren nördlichen Bundesländern aktiv.

Insgesamt schlugen deutsche Fahnder gemeinsam mit Ermittlern aus zwölf benachbarten Ländern im zurückliegenden Jahr 76 Mal zu. Dabei gelang es, europaweit insgesamt 26 Sportboote, ein Jetski, 44 Außenbordmotoren und einen Bootstrailer im Gesamtwert von knapp 5,1 Millionen Euro sicherzustellen. Hinzu kam von den Ermittlern als "Beifang" bezeichnetes Diebesgut: drei hochwertige Pkw, ein Trailer und ein Motorrad im Wert von weiteren 172.000 Euro.

In den 18 Jahren des Bestehens der Fahndungseinheit konnten unter Beteiligung des KBK maritime Vermögenswerte von insgesamt 35,7 Millionen Euro gesichert werden.

Auch wenn die meisten Sicherstellungen wie schon in den Jahren zuvor wieder in Deutschland erfolgten, sei die Bootskriminalität dennoch ein internationales Phänomen. Deutschland sei nicht nur Tatort, sondern auch Transitland. Die Täter, die dingfest gemacht werden konnten, stammten aus 13 Nationen, ganz überwiegend aus dem osteuropäischen Raum, heißt es in einer Mitteilung der Polizei.

In der Regel werde versucht, das Diebesgut anschließend über das Internet zu verkaufen. Kaufinteressenten sollten daher besondere Vorsicht walten lassen, wenn ihnen Boote, Motoren oder Ausrüstung sehr günstig oder ohne Papiere beziehungsweise Kaufbelege angeboten würden.

Die Polizei weist in diesem Zusammenhang ausdrücklich darauf hin, dass nach deutschem Recht an gestohlenen Gegenständen kein Eigentum erworben werden kann, selbst wenn der Gegenstand bei einem Händler gekauft wurde.

Als Beispiel für die erfolgreiche Arbeit der Bootsfahnder führt das KBK unter anderem den Fall dreier hochwertiger Segelyachten im Gesamtwert von einer halben Million Euro an. Über fast zwei Jahre zogen sich Ermittlungen hin, die letztendlich zu deren Sicherstellung geführt hätten. Demnach hatte im Januar 2017 die Staatsanwaltschaft Stralsund die Ermittler des KBK Konstanz um Amtshilfe bei der Suche und Identifizierung der Boote gebeten, die ursprünglich in Deutschland im Charterbetrieb eingesetzt gewesen seien. Es hätten Anhaltspunkte dafür vorgelegen, dass alle drei Boote durch den Charterbetreiber selbst unterschlagen worden waren. Am Ende sei es gelungen, die Boote in Kroatien und Deutschland aufzufinden, obwohl diese zwischenzeitlich allesamt professionell mit neuer Identität und eines sogar mit einer neuen Lackierung versehen worden waren. 

Das Kompetenz-Zentrum Bootskriminalität (KBK) Baden-Württemberg ist bei der Wasserschutzpolizeistation Konstanz beheimatet, es ist dem Polizeipräsidium in Göppingen angegliedert.

Pascal Schürmann am 18.06.2019

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