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Bootsausstellung Paris

Positive Signale vom Salon Nautique

  • Sascha Burkhardt
 • Publiziert am 13.12.2002

S. Burkhardt

Die Seefahrer-Nation Frankreich hat sich zwar mittlerweile einige Boots-Shows auf dem Wasser wie La Rochelle (100.000 Besucher) oder Cannes (44.000) zugelegt, die „Grande Messe“ der Nautikbranche bleibt aber das Hallenspektakel mitten in Paris.

Diese Ausstellung ist für die französische Bootsbaubranche nicht nur ein wichtiges Schaufenster, sondern ein idealer Verkaufstresen: Bei einigen kleineren Firmen und Bootsbauern machen die Bestellungen auf dieser Messe bis zu 50 Prozent des Jahresumsatzes aus. Selbst der Branchengigant Bénéteau unterzeichnet über 20 Prozent seines französischen Jahresumsatzes auf dem Salon Nautique.

Rund 300.000 Besucher drängen sich um die 1.200 Yachten, darunter die großen neuen Schiffe wie die Bénéteau 57 und die Sun Odyssey DS 54. Der Salon Nautique am Jahresende ist auch regelmäßig eine hervorragende Gelegenheit zum Kassensturz der Branche und zur Abschätzung der Marktprognosen. Resultat: Der schon im letzten Jahr kaum gedämpfte Optimismus bleibt weiterhin beherrschend. Die Produktion der französischen Bootsbauindustrie wächst auch 2002 im zweistelligen Plus: zehn Prozent Zuwachs sollen erreicht werden. Dabei bleibt der Sektor der Kajüt-Segelboote wichtigstes Zugpferd mit knapp 56 Prozent. Im Jahr 2001 waren es 7.768 Stück, 2002 sollen es 8.545 sein. Dabei ist der Anteil der Exporte in den letzten Jahren deutlich gewachsen.

S. Burkhardt

Einzig die „Pessimisten-Hochburg“ Deutschland schert dabei aus, der Umsatz der meisten Firmen ging hier deutlich zurück. Im französischen Inland bleiben alle Zeichen auf Grün: die Zulassungen von Booten aller Typen sind wieder um vier Prozent gestiegen. Die Werften haben noch einen ganz anderen Grund zum Optimismus, denn der französische Schiffsbestand kommt mittlerweile ins Alter und wird über kurz oder lang ersetzt werden müssen: 30 Prozent der Boote und Yachten sind über 20 Jahre alt.

Der Boom bringt Probleme mit sich: Der Mangel an Liegeplätzen verschärft sich weiter, konkrete Lösungen sind nach wie vor nicht in Sicht. Nur wenige Hafenprojekte können noch realisiert werden; die meisten potenziellen Marina-Standorte kommen aus Naturschutzgründen und wegen Küstenschutzbestimmungen nicht mehr in Frage. Die Zahl von 223.000 Liegeplätzen in den 370 französischen Sporthäfen und einigen Naturhäfen kann also kaum mehr steigen, während der Bedarf in den nächsten vier Jahren um 15.000 bis 23.000 Plätze zunehmen wird.

Die Route-du-Rhum-Siegerin Ellen MacArthur nutzte die Gelegenheit der Salon-Eröffnung, um die 13 Besatzungsmitglieder ihrer „Kingfisher 2“ vorzustellen. Der Mega-Kat ist die ehemalige „Orange“ von Bruno Peyron, mit dem die kleine, in Frankreich sehr beliebte Engländerin im Januar starten will, um die schnellste Zeit unter Segeln um den Globus (Jules Verne Trophy) zu unterbieten. Die meisten Mitglieder dieser internationalen Crew haben schon aktiv auf „Orange“ mitgesegelt. Als neue Basis von „Kingfisher“ wurden die alten deutschen U-Bootbunker von Lorient auserkoren.

Diese Betonbecken entwickeln sich immer mehr zu einem wichtigen Wassersportzentrum. Nachdem der Ausrüstungsspezialist Plastimo schon lange seine Schlauchboote und Rettungswesten in diesen gigantischen Hallen lagerte, bezog kürzlich beispielsweise auch die Katamaran-Werft Catana einen Teil der Bunker und fertigt nun in Hitlers U-Boot-Garage hochseetüchtige Fahrtenkatamarane. Auf dem Gelände befindet sich zudem die Basis des französischen America’s-Cup-Syndikates „Le Defi Areva“, bei dem der Hamburger Tim Kröger angestellt ist.


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Themen: BootsausstellungMesseParissalon nautique

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