Seenot
Berichte über sehr schwere Seeunfälle

2013 strandete das Schulboot "Meri Tuuli", und das Jugendschiff "Falado von Rhodos" sank. Untersuchungsergebnisse stehen jetzt im Internet

  • Lasse Johannsen
 • Publiziert am 11.08.2014

Policia Maritima Die gekenterte und entmastete X-442 „Meri Tuuli“

Wenn Schiffe sinken oder Menschen ihr Leben lassen, sprechen die Experten bei der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) von sehr schweren Seeunfällen. Das kommt im Segelsport äußerst selten vor. Doch im vergangenen Jahr ereigneten sich gleich zwei solche Tragödien.

Das öffentliche Interesse war dementsprechend groß. Auch weil es sich nicht etwa um typische Yachtbesatzungen handelte, die an den Unfällen beteiligt waren. Denn im einen Fall ging es um die Ausbildungsyacht "Meri Tuuli" einer kommerziellen Segelschule aus Hamburg. Und im zweiten Fall war die "Falado von Rhodos" betroffen, eine Brigantine, auf der seit vielen Jahren Pfadfinder zur See fahren.

Die BSU hat im ersten Fall den abschließenden Untersuchungsbericht und im zweiten Fall einen Zwischenbericht veröffentlicht.

Die Strandung

In der Zusammenfassung des Unfallhergangs an Bord der "Meri Tuuli"   heißt es in dem Untersuchungsbericht: "Am 10. April 2013 um 08:30 Uhr lief das deutsche Ausbildungsboot, die Segelyacht MERI TUULI des Typs X-Yachts 442, mit 5 Besatzungsmitgliedern von Peniche/Portugal mit dem Ziel Figueira da Foz aus. Die Reise wurde mit einer
Distanz von 55 sm und einer Geschwindigkeit von 8 kn berechnet, so dass die Ankunftszeit bei Hochwasser etwa nachmittags gegen 16:30 Uhr gewesen wäre. Die MERI TUULI erreichte ihren Liegeplatz im Zielhafen nicht.

Nach dem Segeleinholen krängte sie SW-lich der N-lichen Mole etwa an der 10 m Linie um 16:41 Uhr schlagartig durch eine Grundsee wahrscheinlich nach Bb. auf die Wasserlinie über, als sie durch eine steile, achterliche 5-6 m hohe Welle querschlug und ihre Steuerfähigkeit verlor. Dabei brach der Mast und 4 Besatzungsmitglieder fielen außenbords. Bei der Rettungsaktion verstarben ein Polizist und ein Besatzungsmitglied in einem halbstarren Schlauchboot, das gekentert war, nachdem zwei Besatzungsmitglieder der MERI TUULI bereits abgeborgen waren."

BSU Unfallskizze aus dem Bericht über die Strandung der "Meri Tuuli"

Der Untergang

Die Geschehnisse rund um den Totalverlust der "Falado von Rhodos" beschreiben die Experten wie folgt: "Die 1968 als Forschungsschiff nach historischen Vorbildern in Griechenland gebaute "Falado von Rhodos" hatte am 8. August 2013 gegen 10:00 Uhr den Hafen von Rif auf Island mit Kurs auf Keflavik verlassen. Geplant war, in Keflavik am 10. August 2013 gegen Mittag einzutreffen. Die Besatzung bestand aus 12 Personen, davon einem 44-jährigen Schiffsführer, der im Besitz eines Sport-Küstenschifferscheines ist. Als Bootsmann war ein 27 Jahre alter Sportbootführerschein-See-Inhaber eingeteilt. Eine weitere Person an Bord hatte ebenfalls einen Sportbootführerschein-See.

Das Kap Snaellsjökull wurde gegen 15:00 Uhr gerundet und wegen der vorherrschenden Windrichtung Südost mit der Stärke von 5 Bft wurde mit Motorunterstützung gesegelt. Durch die vorhandene Kreuzsee mit Wellenhöhen von ca. 2 Metern gerit das Schiff erheblich ins Stampfen und einige Wellen gingen über das Vorschiff. Das Schiff machte bei dem Seegang erheblich mehr Wasser als bei glatter See, was für die Besatzung nichts Ungewöhnliches war und regelmäßig mit Bilgenpumpen ausgepumpt wurde.

Gegen 22:00 Uhr stellte der Schiffsführer einen erhöhten Wasserstand in den Bilgen fest. Das Schiff befand sich zu diesem Zeitpunkt südlich vor Island. Gegen 23:30 Uhr wurde ein Notruf abgesetzt, woraufhin sich ein Fischkutter in der Nähe auf Standby hielt, und gegen 02:00 Uhr erreichte der Seenotrettungskreuzer das Schiff. Eine übergebene Dieselpumpe konnte nicht in Betrieb gesetzt werden und der Wasserstand stieg weiter, so dass gegen 04:00 Uhr das Schiff evakuiert wurde. Am 9. August 2013 gegen 05:00 Uhr versank die "Falado von Rhodos".

Die Lehren

Im zweiten Fall sind die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen. Naheliegend, so die Experten, seien konstruktive, bauliche Fehler oder ein alters- oder pflegebedingt schlechter Zustand.

Im Fall der "Meri Tuuli" kommen die Untersucher zu verschiedenen Schlussfolgerungen und Empfehlungen. So hätten die 275-N-Rettungswesten mit Sprayhood die Rettung der Crewmitglieder behindert: "Bei der Konstruktion der Rettungsweste wurde versucht, konstruktiv die Funktion eines Fallgurtes mit der Funktion einer aufblasbaren Rettungsweste zu verbinden. Dies führte in der Konsequenz bei einigen Besatzungsmitgliedern zum Ablegen der Rettungsweste während der Bergung und zum tragischen Tod eines Besatzungsmitglieds."


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