Werften

Bavaria will Cantiere del Pardo kaufen

Übernahme von Dufour und Grand Soleil würde Marken-Portfolio gut ergänzen – CEO Ludmann bestätigt Verhandlungen

Jochen Rieker am 02.11.2010

Große Pläne. Bavaria-Chef Jens Ludmann

Die größte deutsche Sportbootwerft steht offenbar kurz vor einer Großakquisition. Wie der Sprecher der Geschäftsführung, Jens Ludmann, gegenüber der YACHT erklärte, sei ein Abschluss in den nächsten zwei Wochen möglich.

Mit der sportlich-luxuriösen Marke Grand Soleil würden die Giebelstädter, sofern die Übernahme gelingt, das Angebot im Top-Segment abrunden. Dufour könnte die Mitte des Marktes abdecken, während Bavaria wie bisher in der Breite Eigner und Charterkunden bedient.

Schon vom Modellangebot ergänzt sich diese Drei-Marken-Strategie sinnvoll. Mehr aber noch durch die regionale Differenzierung. Auf einen Schlag hätten die deutschen Marktführer zwei zusätzliche Standbeine in Italien und Frankreich. Damit wäre der Abstand zur Bénéteau-Gruppe drastisch verringert.

Alles, so sagte Jens Ludmann heute im Gespräch mit YACHT online, "würde passen. Wir sind daher hochgradig interessiert." Mehr wollte er mit Verweis auf die laufenden Verhandlungen nicht preisgeben.

Die Übernahme wäre tatsächlich eine Transaktion von Investorengruppen. Wie Bavaria (Anchorage Advisors, Oaktree) gehören auch Dufour und Grand Soleil zu einer Finanzholding (ISB/Rhone Capital).

Kurios dabei: Als die Alteigentümer von Bavaria, Winfried Herrmann und Josef Meltl, 2008 ihre Werft verkauften, hatte Rhone Capital mitgeboten. Damals sah es eine Zeitlang so aus, als könnten die Dufour/Grand Soleil-Investoren Bavaria übernehmen. Jetzt, zwei Jahre später, kommt es womöglich doch noch zu dem Mega-Deal — allerdings auf umgekehrtem Weg.

Außer Bavaria gibt es nach YACHT-Informationen noch zwei weitere Bieter, darunter eine Gruppe um den derzeitigen Chef von Cantiere del Pardo, Federico Minoli. Der hat Grand Soleil neu strukturiert und das Modellprogramm bemerkenswert vorangebracht.

Mit der GS 46 errang die renommierte italienische Werft in diesem Jahr die begehrte Auszeichnung als Europas Yacht des Jahres; auch die neue Grand Soleil 50, auf der Genua Boat Show präsentiert, überzeugt technisch wie ästhetisch auf ganzer Linie.

Dennoch steckt das Unternehmen trotz guter Ordereingänge in einer Finanzklemme. Nicht zuletzt deshalb drängt die Zeit, was für eine schnelle Entscheidung im Übernahmekampf spricht.

Jochen Rieker am 02.11.2010

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