Bootsbau
Bavaria vor finanziellem Neustart

Bain Capital gibt Beteiligung auf – größte deutsche Sportboot-Werft jetzt in US-Hand

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 01.10.2009

Alles neu: Bavaria hat nicht nur Marke und Modelle verjüngt. Jetzt sind auch neue Gesellschafter an Bord

Die bis vor kurzem hochverschuldete Bavaria Yachtbau GmbH hat ruhigere See vor sich. Nachdem die Investoren von Bain sowie die Commerzbank ihre Kredite verkauft haben, steht das Unternehmen jetzt fast schuldenfrei da.

Wie YACHT online aus Verhandlungskreisen erfuhr, ist die Transaktion in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch vollzogen worden.

Die Private-Equity-Firma Bain Capital, die Bavaria 2006 übernommen und den dafür fälligen Kaufpreis von über 1 Milliarde Euro kreditfinanziert hatte, zieht sich aus dem Investment offenbar komplett zurück.

Auch die Commerzbank hat ihr Darlehen, das 300 bis 400 Mio. Euro schwer war, verkauft — dem Vernehmen nach mit einem hohen Risikoabschlag. Bereits voriges Jahr war Goldman Sachs ausgestiegen.

Jetzt haben zwei Restrukturierungsfonds aus USA das Sagen, die die notleidenden Kredite aufgekauft haben: Oaktree und Anchorage Advisors. Sie wandeln die Darlehen in Unternehmensanteile und sind somit direkte Gesellschafter, nicht mehr nur Finanziers von Bavaria.

Für die Werft bedeutet der Deal eine weitgehende Entlastung. Denn die Bilanz ist damit um die hohen Zins- und Tilgungszahlungen bereinigt. Schon seit drei Monaten hatte Bavaria die Forderungen nicht mehr bedienen können, stand somit kurz vor der Insolvenz.

Das jetzige Arrangement lässt den Bootsbauern, die im operativen Geschäft trotz eines Umsatzeinbruchs von mehr als 55 Prozent bis zuletzt profitabel waren, mehr Spielräume.

Auch Händler und Kaufinteressenten werden die Nachricht positiv aufnehmen, weil sie Sicherheit verspricht — wichtig vor dem jetzt anstehenden Herbstgeschäft, von dem sich die Giebelstädter dank der neuentwickelten Cruiser 32 und Cruiser 55 einiges erhoffen.

Wie hoch Bavaria aktuell bewertet wird, verlautete nicht. In Finanzkreisen heißt es, Oaktree und Anchorage hätten die Werft für ca. 300 bis 400 Millionen erworben. Das ist ein Abschlag auf die ursprüngliche Kaufsumme von 60 bis 70 Prozent.

Die Verhandlungen über die finanzielle Restrukturierung liefen seit Monaten. Noch allerdings fehlt eine offizielle Bestätigung. Sie wird für die nächsten Tage erwartet.


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