Werften

Bavaria-Investoren bauen Spitze um

Jens Ludmann, Sprecher der Geschäftsführung von Deutschlands größter Serienwerft, wechselt mit sofortiger Wirkung in eine Beraterfunktion

Jochen Rieker am 17.04.2013
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Künftig nur noch beratend tätig: Bavaria-CEO Jens Ludmann

Eine überraschende Weichenstellung vollziehen die Investoren von Bavaria. Wie YACHT online aus Unternehmenskreisen erfuhr, trennten sich die US-Gesellschafter Anchorage Advisors und Oaktree Capital am Mittwoch von ihrem bisherigen CEO Jens Ludmann; auch Marketingchef Haico van der Luyt muss gehen.

Nach Informationen der Werft wird an Stelle Ludmanns künftig Constantin von Bülow die Geschäftsführung übernehmen. Der international erfahrene Senior Vice President von Oaktree ist bereits seit mehreren Monaten als Chief Operating Officer im Unternehmen.

Offenbar drängen die Eigentümer, die erst 2009 eingestiegen waren, auf eine Neuordnung der Prozesse und effizientere Strukturen in der Produktion. Zuvor war die Investmentfirma Bain Capital mit Reorganisationsbemühungen gescheitert.

Die Entscheidung erfolgte vor dem Hintergrund eines nach wie vor schwierigen Marktumfeldes und der sich daraus ergebenden Folgen für das Unternehmen. Wie nahezu alle Bootsbauer arbeitet auch Bavaria weit unterhalb der eigentlichen Kapzität; nach internen Angaben liegt die Auslastung derzeit bei rund 30 Prozent. Hinzu kommen starke Schwankungen im Auftragseingang, was eine rationelle Fertigung – jahrzehntelang die eigentliche Stärke der Marke – stark erschwert. Diesen Herausforderungen soll der neue Chef entgegenwirken.        

Jens Ludmann ist bereits der dritte Manager seit dem Verkauf der Werft, der die Brücke verlässt. Er hat große Verdienste um die Neuausrichtung von Bavaria. Unter seiner Leitung entstanden zahlreiche neue Modelle und Innovationen, mit denen die Franken wieder zur Weltspitze aufschlossen.

Der ehemalige Chefentwickler von Ford hatte sich nach seinem Antritt im Sommer 2010 schnell in die Besonderheiten des Yachtmarkts eingearbeitet und seine Aufgaben mit viel Elan und Herzblut erfüllt. Er hat die Vision-Linie neu belebt, mit der B/one ein günstiges Sportboot für jüngere Zielgruppen gebracht, zuletzt aber auch die Cruiser-Reihe konsequent weiterentwickelt. Zweimal gewann er mit neuen Motorbootmodellen den European Powerboat of the Year Award. Von  Beobachtern wie Wettbewerbern wurde ihm noch viel zugetraut.

Dass er gehen muss, kaum dass er die Marke entscheidend verbreitert und modernisiert hat, ist die eigentliche Überraschung. Er wird Bavaria aber zunächst noch als Berater zur Verfügung stehen.

Jochen Rieker am 17.04.2013

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