Werften
Bavaria entschuldet, Übernahme perfekt

In der Nacht zu Sonnabend kam die Bestätigung: Zwei US-Fonds halten Mehrheit an größtem deutschen Yachtbauer

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 04.10.2009

Sieht den größten deutschen Bootsbauer jetzt auf stabilem Wachstumskurs: Bavaria-Chef Andres Cardenas

Darauf hat Bavaria-Chef Andres Cardenas wochenlang gewartet: Freitag spät abends war der Deal vollzogen, mit dem die beiden Restrukturierungsfonds Oaktree und Anchorage Advisors die Werft in Giebelstadt von ihrer drückenden Schuldenlast befreien.

Die Erlösung aus der Kreditklemme zeichnete sich seit Längerem ab. Wie die YACHT und YACHT online bereits berichteten, verhandelten die US-Fonds seit Sommer über eine Mehrheitsbeteiligung.

Jetzt ist sie perfekt.

Anchorage Advisors und Oaktree Capital Management haben eine verbindliche Vereinbarung zur Umstrukturierung der Bilanz unterzeichnet. Diese Umstrukturierung beinhaltet eine Kapitalspritze in Höhe von 55 Millionen Euro sowie die Abschreibung von über 90 Prozent der bisherigen Kredite, die insgesamt 960 Millionen Euro umfassten.

Es ist, wie die Financial Times Deutschland schreibt, "der wohl umfangreichste Schuldenverzicht für ein Unternehmen in der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise".

Damit sind die Bootsbauer weitgehend schuldenfrei. Dem Vernehmen nach bleiben Verbindlichkeiten von weniger als 100 Millionen Euro. Im Gegenzug erhalten die beiden US-Fonds je 45 Prozent der Anteile an dem Unternehmen.

Wie es in einer gemeinsamen Erklärung heißt, waren sowohl Anchorage als auch Oaktree "seit über einem Jahr Kreditgeber von Bavaria und unterstützen die vom Management und dem bisherigen Mehrheitsgesellschafter Bain gemeinsam entwickelte Strategie".

Und weiter: "Die mit Vollzug der Transaktion neugewonnene Finanzkraft wird es dem Unternehmen ermöglichen, Produkteinführungen zu beschleunigen, die Betreuung der Kunden und Großhändler auszubauen und gleichzeitig neue Vertriebskanäle zu erschließen."

Faktisch ist es ein dritte Chance für Bavaria.

Nachdem die alten Gesellschafter, Josef Meltl und Gründer Winfried Herrmann, Mitte 2007 ihre Anteile an die Private-Equity-Firma Bain für mehr als 1 Millarde Euro verkauft hatten, kam die Werft diesen Sommer in Schwierigkeiten. Zwar schreibt sie nach wie vor im Kerngeschäft schwarze Zahlen, konnte die Zinsen für dier fremdfinanzierten Darlehen seit Juli nicht mehr bezahlen.

Jetzt ist dieser unmittelbare Druck genommen. Für Andres Cardenas, den amtierenden Chef, bedeutet das eine Atempause in dem Bemühen, die Werft neu zu positionieren und wieder an alte Verkaufserfolge heranzuführen.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr war Bavaria - wie viele andere Serienboothersteller - weit davon entfernt.

Statt 3000 verließen nur rund 1000 Yachten die Produktionsanlagen unweit von Würzburg. Der Umsatz, der in der Spitze über 270 Millionen Euro betrug, stürzte auf rund 100 Millionen Euro ab. Dadurch erwies sich die ohnehin extrem hohe Bewertung bei der Übernahme durch Bain als haltlos, die Renditeerwartungen ebenso wie das gesamte Finanzierungskonstrukt als völlig illusorisch.

"Bei kaum einem Private-Equity-Deal hierzulande ist durch den Zusammenbruch der Kreditmärkte und die Konjunkturkrise so viel Wert vernichtet worden wie bei der Übernahme des Mittelständlers aus Giebelstadt", befand die Financial Times Deutschland.

Ob der Turnaround jetzt gelingt, wird sich zeigen. Die Voraussetzungen sind jedenfalls ungleich besser als noch vor wenigen Monaten. Bavaria-CEO Cardenas sagt: "Wir haben jetzt alle Voraussetzungen, um wieder kräftig zu wachsen."


Lesen Sie die YACHT. Einfach digital in der YACHT-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag

Themen: anchorageBainBavariaBoris HerrmannCardenasoaktreeÜbernahme

Anzeige